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Jammern dürfen jetzt nur noch die anderen

Große Ziele, hohe Kosten: Der Dresdner Zweitligist HC Elbflorenz startet hin- und hergerissen in die neue Handball-Saison. Der Manager hat nur einen Wunsch.

Der Abstand passt, die Mimik nicht. Beim HC Elbflorenz sind sie froh über den Saisonbeginn. „Egal, in welchem Rahmen, Hauptsache, wir spielen wieder“, sagt Trainer Rico Göde (links, daneben Präsident Uwe Saegeling und Kreisläufer Jonas Thümmler).
Der Abstand passt, die Mimik nicht. Beim HC Elbflorenz sind sie froh über den Saisonbeginn. „Egal, in welchem Rahmen, Hauptsache, wir spielen wieder“, sagt Trainer Rico Göde (links, daneben Präsident Uwe Saegeling und Kreisläufer Jonas Thümmler). © Arvid Müller

Dresden. Auf Stimmung zu machen, das fällt auch Uwe Saegeling schwer. Der Präsident und Mäzen des Handball-Zweitligisten HC Elbflorenz ist sowieso nicht als Feierbiest bekannt, und jetzt, inmitten des Alltags mit dem Coronavirus, wären flotte Sprüche tatsächlich unangebracht. Die Öffentlichkeit mag sich ja mit den neuen Gegebenheiten mehr oder weniger angefreundet haben, für leistungssportlich ausgerichtete Sportvereine stellt sich in diesen Tagen immer öfter auch die Existenzfrage.

Die regelmäßige Testung des gesamten Kaders auf Covid-19, vorgeschrieben vom Ligaverband HBL, kostet pro Durchgang bis zu 1.500 Euro. Und da haben die Dresdner noch Glück: Aufgrund der geringen Fallzahlen vor Ort ist nur ein Test pro Woche nötig, steigen die Infektionen, können es bis zu drei sein. Insgesamt, das hat Elbflorenz-Manager Karsten Wöhler schon grob durchgerechnet, kosten die corona-bedingten Aufwendungen den Verein einen unteren sechsstelligen Betrag. Eine Summe, die es im Saisonetat nicht gab und die vor allem schwer kompensiert werden kann. Denn auch die Zuschauereinnahmen – neben Sponsorenzahlungen das entscheidende Standbein für alle, die nicht in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga spielen – bleiben weit hinter den ursprünglichen Planungen zurück.

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Und selbst da befindet sich der HC Elbflorenz im Vorteil, verglichen mit dem Rest der Liga. Exakt 956 Zuschauer sind in der mit eigentlich 2.581 Besuchern ausverkauften Ballsportarena bis auf Weiteres zugelassen, was trotzdem nicht kostendeckend ist und mit Blick auf das erste Heimspiel am 21. Oktober auch nur ein schwacher Trost. „Blöderweise gegen Aue“, so sagt es Saegeling, geht es dann. Eine Partie, die sonst Wochen voraus restlos ausverkauft wäre. Nun gilt es schon als Ziel, bis dahin eine Genehmigung für die Öffnung des Vip-Raums zu erhalten. „Ich weiß nicht, was alles passieren kann, aber das wird keine normale Saison“, meint der Präsident.

Dramatischere Lage bei den Gegnern

Die Dresdner wissen aber auch: Bei der Konkurrenz liegen die Dinge deutlich dramatischer. In Wilhelmshaven wird diskutiert, die Mannschaft gänzlich vom Spielbetrieb zurückzuziehen, der HSV Hamburg hat indes fünf Corona-Fälle im Team und deshalb zum Liga-Auftakt an diesem Wochenende spielfrei. Und in Konstanz am Bodensee, wo der HC Elbflorenz an diesem Freitag um 20 Uhr in die Saison startet, dürfen maximal 485 Fans in der Halle sein.

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Auch ein Gehaltsverzicht, wie ihn viele Vereine nicht nur im Handball längst praktizieren, ist in Dresden bislang kein Thema. „Das würden wir ungern machen, aber man darf davor nicht die Augen verschließen“, sagt Wöhler, was eher als realistische Lage-Einschätzung gelten soll, nicht als Panikmache. Und schon gar nicht als Widerspruch zum Präsidenten.Denn Saegeling, der statt Stimmung lieber Tatsachen schafft und sich sowie allen Mitstreitern gratuliert, das Überleben des Vereins gesichert zu haben, hat das Motto für die Saison kurz zuvor bereits festgelegt. „Es hilft kein Jammern, sondern Ärmel hochkrempeln. Darum geht’s“, betont er und gibt genauso energisch das dazu passende Saisonziel aus: „Klipp und klar ein einstelliger Tabellenplatz.“ Ein Vorhaben, das auch Cheftrainer Rico Göde sofort abgenickt hat. Sportlich will der HC Elbflorenz nun unbedingt den nächsten Schritt in der Entwicklung machen.

Mindestens genauso wichtig wäre diesmal, dass sich außerdem noch der größte Wunsch des Managers erfüllt. „Bei allem, was kommt“, sagt Wöhler, „wir müssen alles daran setzen, die Saison zu Ende zu spielen. Das ist das Allerwichtigste.“

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