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Wieso ein deutsches Toptalent Dresden verlässt

Jonathan Schmidt hegt keinen Groll. Doch bei seinem neuen Verein findet der Mittelstreckenläufer, was ihm der DSC nicht bieten kann. Mit Geld hat das nichts zu tun.

Jonathan Schmidt wird künftig nicht mehr für den DSC starten, aber im Herzen Dresdner bleiben.
Jonathan Schmidt wird künftig nicht mehr für den DSC starten, aber im Herzen Dresdner bleiben. © Ronald Bonß

Dresden. Der Dresdner SC muss eines der größten deutschen Talente laufen lassen. Jonathan Schmidt, vor zwei Jahren deutscher U-20-Meister über 1.500 Meter und Teilnehmer bei Junioren-EM und -WM, startet ab Januar für das Athletics Team Karben, einen Verein in Hessen. "Ich weiß gar nicht genau, ob mir der DSC ein neues Angebot offerieren wollte. Ich bin da beim sehr offenen Gespräch mit unserem Abteilungsleiter Michael Gröscho quasi mit meinen Vorstellungen dazwischengegrätscht", erklärt Schmidt, der verletzungsbedingt fast zwei Jahre keinen Wettkampf bestreiten konnte.

Der gebürtige Magdeburger verabschiedet sich nach zwölf Jahren beim DSC mit "einer großen Dankbarkeit", wie er sagt. "Der Klub war für mich immer ein Bestandteil in dem optimalen Verbund von Sport und Sportgymnasium - und meiner langjährigen Trainerin Katja Hermann", betont Schmidt. Die frühere Mittelstreckenläuferin ist im Mai 2018 an einem langwierigen Krebsleiden gestorben.

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Schmidt und Hermann hatten ein besonders inniges Band geknüpft, der ehrgeizige Schützling begleitete seine Trainerin auch in ihren letzten Tagen so oft wie möglich. "Ich habe einen Haufen Sprüche von ihr im Kopf. Am Ende ist das, was von ihr bleibt, alles das, was mich ein bisschen ausmacht. Dass man mutig läuft, sich zeigt, wenn man wirklich etwas draufhat", sagte der 21-Jährige kurz nach ihrem Tod.

Jonathan Schmidt bei seiner Vorstellung an der University of Missouri.
Jonathan Schmidt bei seiner Vorstellung an der University of Missouri. © privat

Nach seinem Abitur an der Dresdner Sportschule 2019 unterzeichnete Schmidt einen lukrativen Fünfjahresvertrag an der University of Missouri in Columbia, der noch bis 2024 läuft. Er studiert dort Internationalen Journalismus, das Finanzvolumen beträgt knapp 200.000 US-Dollar. Von Herbst bis Mai trainiert er deshalb im Normalfall ohnehin in den USA, entschied sich aber dennoch für einen Vereinswechsel. "Beim Laufteam in Karben finde ich optimale Bedingungen und ein ehrgeiziges, junges Athletenteam vor. Ich hoffe, dass wir uns da gegenseitig vorantreiben", sagt Schmidt.

In Dresden trainierte Schmidt zuletzt weitestgehend allein, unter Anleitung von Erika Falz. Von der Läufergruppe in Hessen verspricht sich der blonde Schlacks nun neue Impulse. Angeführt wird die Läufergruppe von Marc Tortell, dem schnellsten Deutschen über 1.500 Meter in diesem Jahr. Dessen Mutter Uta trainiert das Team.

Im Januar will Schmidt wieder zurück in die USA

Schmidt will am 3. Januar 2021 an seine Universität zurückkehren - trotz nach wie vor extrem hoher Infektionsraten in den USA. "Unsere Uni hat ein ausgeklügeltes Sicherheits- und Hygienekonzept", erklärt Schmidt. Vier, fünf Hallen-Wettkämpfe möchte er bestreiten, er fühle sich derzeit so fit und hungrig wie lange nicht. "Mir geht es gut, die lange Trainingsphase hat mir sehr, sehr gut getan. Deshalb habe ich in der Corona-Saison auch auf Wettkämpfe verzichtet", sagt er.

In Hessen will er zunächst bei seinem Bruder wohnen, der in Frankfurt am Main lebt. Allerdings bleibt er beim Dresdner SC weiterhin Gastmitglied. "Ich bin und bleibe Dresdner", unterstreicht Schmidt, dessen Familie 2006 von Magdeburg elbabwärts zog. Es sei ein Wechsel ohne Groll. "Michael Gröscho kann meinen Schritt absolut nachvollziehen. Mein letztes großes Rennen für den DSC liegt ja ohnehin schon zwei Jahre zurück. Es ist nur fair, dass ich auch für den Klub starte, bei dem ich im Sommer trainieren werde", sagt Schmidt.

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