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Nichts geht mehr auf der Galopprennbahn

Der Dresdner Klub geht kein Risiko ein. Er bricht den Tag nach dem zweiten Rennen ab – die Gründe fürs vorzeitige Ende.

Überall Regenschirme und Wasserpfützen: Zuschauer verlassen die Seidnitzer Anlage viel früher, als sie gedacht haben.
Überall Regenschirme und Wasserpfützen: Zuschauer verlassen die Seidnitzer Anlage viel früher, als sie gedacht haben. © Matthias Rietschel

Dresden. Kaum einer kennt diese Galoppanlage besser als er. Alexander Pietsch ist in Dresden-Seidnitz aufgewachsen und zum Jockey gereift. Wenn einer weiß, was auf der Bahn läuft und was nicht, dann er. Sein Urteil: „Heute geht es nicht“, sagt der 48-Jährige, und er betont: „Wir sind alle der gleichen Meinung gewesen.“

Dabei ist Pietsch am Samstag in Dresden nicht mal selbst geritten, viele seiner Kollegen, deren Interessen er als Sprecher vertritt, dagegen schon ein- oder zweimal, als die Entscheidung fällt: vorzeitiger Abbruch des Renntages. „Es ist viel Wasser auf dem weichen Boden, der das unterschiedlich aufnimmt“, erklärt er und benennt das Problem: „Der Boden kann tief sein. Doch er ist an manchen Stellen so trocken, dass die Pferde ins Rutschen kommen, falls sie einen Fehler machen. Wenn sie dann in einer engen Rennsituation zu Fall kommen, ist das nicht schön – weder für die Pferde noch für uns. Daher haben wir uns zu ihrem und unserem Schutz für den Abbruch entschieden.“

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Pietsch ist extra aus Köln in die Heimat gereist – vergeblich, wie sich herausstellt. „Klar ist es ärgerlich, wenn man 600 Kilometer umsonst fährt, aber das Leben von Mensch und Tier geht vor. Wenn wir einen Jockey, der gern weiter geritten wäre, morgen im Krankenhaus besuchen müssen, freut er sich auch nicht“, meint Pietsch.

Die Rennleitung sieht es ebenso. „Aufgrund der seit 16 Stunden andauernden starken Regenfälle befanden sich an mehreren Stellen des Geläufs stehende Wasserfelder“, erklärt Steffen Runki. Er liest das Statement vom Zettel ab, möchte nichts Falsches sagen. Nach dem zweiten Rennen hätten sich mehr als die Hälfte der bereits gerittenen Jockeys bei ihm gemeldet und auf das Risiko des Reitens an diesem Tag hingewiesen. Die Pfützen seien immer größer geworden und das Wasser nicht abgelaufen. Es sei lebensgefährlich, in ein knietiefes Loch zu treten.

So etwas Extremes "noch nicht erlebt"

Die Bahnkommission, bestehend aus drei Mitgliedern der Rennleitung, je zwei Reitern und Trainern sowie einem Vertreter des Dresdener Rennvereins, beschließt nach der Begehung der Anlage mehrheitlich, die Rennen drei bis neun abzusagen. „So etwas Extremes habe ich noch nicht erlebt“, sagt Uwe Tschirch, der als Geschäftsführer des Rennvereins bei der Bahnbegehung dabei war. 

Seit Mitte der 1990er-Jahre führt er die Geschäfte beim DRV und stellt trocken fest: „Einen Abbruch gab es noch nie.“ Er erinnert sich an Regenrenntage, eine Veranstaltung mit Schneefall und die Absage von 2002 wegen der Elbeflut. „Doch da stand vorher fest, dass wir den Renntag nicht ausrichten können“, sagt Tschirch. Dieses Mal sollte es die erste Veranstaltung mit Publikum sein – sie fällt buchstäblich dem Wasser zum Opfer.

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Er tröstet sich mit der Tatsache, dass der abgebrochene Renntag nun auch mit einer 100-prozentigen Siegquote von in Dresden betreuten Pferden in die Geschichte eingeht. Die zwei Wettbewerbe gewannen die von Claudia Barsig gecoachte Stute Novika mit Jockey Bauyrzhan Murzabayev im Sattel und der von Stefan Richter trainierte Hengst Auckland unter Reiter Wladimir Panov. „Auf dem Boden war nicht alles auszurechnen“, sagt Panov. „Für mein Pferd war das Geläuf ein Vorteil.“

Der Umsatz bei den zwei Rennen beträgt gerade mal 35.500 Euro. „Der finanzielle Schaden für uns ist enorm“, sagt Michael Becker, und der DRV-Präsident ergänzt: „Es tut mir auch leid für die vielen Leute, die diesen Renntag wochenlang aufopferungsvoll vorbereitet haben, doch die Gesundheit geht immer vor.“ Außerdem sei es schade für die etwa 500 Besucher, die trotz der mehr als doppelt so hohen Eintrittspreise und des miesen Wetters kamen. Erlaubt waren 2.609 Zuschauer.

Becker stellt den anwesenden Besuchern einen Gutschein für die nächste Veranstaltung am 18. November in Aussicht. Zudem will er die freiberuflichen Jockeys entschädigen. „Eventuell können wir die Veranstaltung sogar an einem anderen Termin wiederholen oder die ausgefallenen Rennen an einem anderen Tag einbinden“, sagt er und kündigt Verhandlungen mit dem Dachverband an. Der Ersatztermin könne noch für dieses Jahr gefunden werden oder als zusätzliche Veranstaltung in der neuen Saison.

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