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DSC-Trainer nach Titelgewinn: Das sind Gänsehaut-Momente

Die Dresdner Volleyballerinnen holen den Supercup. Dabei war dieser Titel dem Trainer vorher nicht wichtig. Was Alexander Waibl jetzt dazu sagt - einmal nachgefragt.

Da sind sie, Dresdens strahlende Supercup-Siegerinnen mit ihrem Trainer- und Betreuerteam. Zum zweiten Mal holen die DSC-Volleyballerinnen diesen Titel.
Da sind sie, Dresdens strahlende Supercup-Siegerinnen mit ihrem Trainer- und Betreuerteam. Zum zweiten Mal holen die DSC-Volleyballerinnen diesen Titel. © dpa-Zentralbild

Schwerin/Dresden. Dieser Erfolg kommt selbst für den Verein so überraschend, dass er ihn als Premiere vermeldet. Zum ersten Mal hätten die Volleyballerinnen den Supercup gewonnen, heißt es vom Dresdner SC am Samstagabend. Das stimmt jedoch nicht, denn schon 2002 bezwang das Team – damals unter Trainer Klaus Kaiser – als Pokalsieger den Meister Schweriner SC in eigener Halle. Es blieb lange Zeit die einzige Begegnung dieser Art, weshalb dieser Titel offenbar nicht mehr präsent war.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass Alexander Waibl, seit 2009 Chefcoach beim DSC, den Wettbewerb vorher als „für mich nicht wichtig“ bezeichnet hatte, „weil er zu der Art und Weise, wie wir arbeiten, nicht passt“. Seine Meinung, erklärte der 53-Jährige im Interview mit der SZ, werde er auch nicht ändern, „wenn wir ihn mal gewonnen haben sollten“. Das ist nun passiert: Mit 3:2 setzten sich die DSC-Frauen auswärts beim Schweriner SC durch. Ein guter Grund, beim Trainer noch mal nachzufragen:

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Herr Waibl, wie ist denn jetzt Ihre Meinung über den Supercup?

Ich würde mir einfach wünschen, dass man den Supercup nicht vor der Saison austrägt, sondern nach fünf, sechs Spieltagen in der Bundesliga. Dann sind alle schon weiter. Ich war überrascht von beiden Teams, auf welchem Niveau sie schon spielen konnten. Das lag sicher auch daran, dass wir diesmal vier Wochen für die Vorbereitung hatten, insofern hatte es tatsächlich einen gewissen sportlichen Wert. Das ist wichtig, damit sich dieser Wettbewerb etabliert. Wie es in Schwerin gelaufen ist, wie es die Volleyball-Bundesliga inszeniert hat – das war schon gut. Trotzdem bleibe ich dabei, dass diese Veranstaltung noch nicht vergleichbar ist mit dem Finale um die deutsche Meisterschaft oder den Pokal.

Aber Sie nehmen diesen Titel gerne an?

Ja, klar. Es war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis und ist ein toller Erfolg. Das hat allen Spaß gemacht.

DSC-Trainer Alexander Waibl schwört seine Spielerinnen während einer Auszeit noch mal ein. Die Dresdnerinnen gewinnen den Supercup.
DSC-Trainer Alexander Waibl schwört seine Spielerinnen während einer Auszeit noch mal ein. Die Dresdnerinnen gewinnen den Supercup. © dpa/Bernd Wüstneck

Es hieß zunächst, der Verein habe den Supercup zum ersten Mal gewonnen …

Das ist natürlich nicht richtig. Mein Kollege Klaus Kaiser hat das 2002 schon einmal geschafft. Danach wurde der Supercup allerdings lange nicht mehr gespielt und erst 2016 wieder ausgetragen, das war nach unserer sehr starken Phase. Ich persönlich habe ihn viermal erlebt – und nun zum ersten Mal gewonnen.

Wie haben Sie die Atmosphäre erlebt?

Super. Endlich mal wieder Stimmung in der Halle, es hat sich angefühlt wie mehr als 1.000 Leute. Ein bisschen wie früher. Das hat uns nach der Corona-Zeit allen sehr viel Spaß gemacht. Das Schweriner Publikum ist sehr lautstark engagiert für die eigene Mannschaft, aber auch sportlich fair.

Und wie wurde der Titel gefeiert?

Intensiv. Die Stimmung auf der Rückfahrt war wie nach einem gewonnenen Pokalfinale, unsere Spielerinnen haben ihre Begeisterung rausgelassen. Es wurde die eine oder andere Flasche Sekt geköpft und sogar getanzt im Bus. Da war wirklich was los. Und dafür macht man es, um solche Emotionen gemeinsam zu spüren. Solche Gruppenerlebnisse kann man nicht durch Geld oder anderes ersetzen. Das saugt man auf.

Und Sie als Feierbiest mittendrin?

Ich trinke ein Glas Sekt, mal ein Bier mit, lasse die Freude der Spielerinnen auf mich wirken und habe Spaß daran, wenn sich mein Co-Trainer zu einem Tänzchen hinreißen lässt. Wenn ich das mache, würde es zu albern aussehen. Ich habe schon als 20-Jähriger nicht getanzt, daran wird sich nichts mehr ändern.

Sie haben die Bedeutung vorher heruntergespielt: Hat Sie Ihre Mannschaft mit dem Auftritt in Schwerin überrascht?

So hätte ich mir den Optimalfall erträumt. Wir haben es geschafft, unsere derzeit maximale Leistung über zwei Sätze abzurufen. Damit konnte man nicht rechnen zu Beginn der Saison mit einigen personellen Veränderungen. In den Sätzen drei und vier haben wir es nicht geschafft, unser Niveau zu halten. Letztlich hatten wir aber die Mentalität, im entscheidenden Moment zurückzukommen. Deswegen war es ein wunderbarer Tag für uns.

Die Schwerinerinnen Lina Alsmeier (l.) und Lea Ambrosius versuchen einen Angriff der Dresdnerin Maja Storck zu blocken. Die Gäste aus Dresden gewinnen den Supercup mit 3:2 Sätzen.
Die Schwerinerinnen Lina Alsmeier (l.) und Lea Ambrosius versuchen einen Angriff der Dresdnerin Maja Storck zu blocken. Die Gäste aus Dresden gewinnen den Supercup mit 3:2 Sätzen. © dpa/Bernd Wüstneck

Die Mentalität hat entschieden?

Ja, absolut. Wir hatten Spielerinnen auf dem Feld, die sich geweigert haben zu verlieren, und alles reingehauen haben im Tiebreak. Wenn man sich alleine anschaut, wie Jennifer Janiska die Bälle reinhaut und dazu schreit, ihre Mitspielerinnen mitreißt und als Kapitänin Verantwortung übernimmt in dieser wichtigen Phase – das sind schon Gänsehaut-Momente.

Wie geht es jetzt für den DSC in die erste Bundesliga-Woche?

Mit Wiesbaden auswärts am Mittwoch und am Sonntag zu Hause gegen Aachen erwarten uns gleich zwei richtig große Hausnummern. Auch deshalb ist der Gewinn des Supercups klasse, weil wir mit einem riesigen Erfolg in die Saison starten. Jetzt wird man sehen, wie konstant wir das bereits abrufen können. Aber die Basis ist hervorragend, weil wir eine Mannschaft mit Talent und Charakter haben. Das ist eine ganz starke Kombination, weshalb es mir schon wieder extrem viel Spaß macht.

Am Sonntag gegen Aachen dürfen zum ersten Mal seit Monaten wieder Zuschauer in der Margon Arena sein.

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Das ist großartig. Wir hoffen natürlich, dass wir es schaffen, unsere Fans zu motivieren und sie Bock haben, trotz der noch geltenden Regeln in die Halle zu kommen. Die Mannschaft würde sich sehr freuen, wenn wir an die Kapazitätsgrenze von 1.400 Zuschauern kommen.

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