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Wenn der Libero zum Corona-Test bittet

Daniel Nahhas verfolgt drei Karrieren: Er spielt Volleyball in der 2. Bundesliga beim VC Dresden, ist Schiedsrichter und Medizin-Student - jetzt mit besonderer Aufgabe.

Daniel Nahhas ist Libero beim VC Dresden und bei Auswärtsspielen auch der Mann für den Corona-Test. Gleich ist sein Mitspieler Karl-Lennart Klehm an der Reihe.
Daniel Nahhas ist Libero beim VC Dresden und bei Auswärtsspielen auch der Mann für den Corona-Test. Gleich ist sein Mitspieler Karl-Lennart Klehm an der Reihe. © VC Dresden

Dresden. Für Daniel Nahhas ist es ein ganz besonderes Jahr. Sportlich ist der Libero des Volleyballteams Dentalservice Gust VC Dresden nicht nur mit in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Parallel gelang ihm auch als Schiedsrichter der Aufstieg. „Seit dieser Saison darf ich in der 3. Liga pfeifen“, sagt der 23-Jährige. Er hat lange überlegt, ob er beide sportlichen Karrieren weiterführt. Die Chance, selbst 2. Bundesliga zu spielen, war aber zu verlockend. „Könnte sein, dass sich diese Gelegenheit nur einmal bietet“, sagt er.

Hinzu kommt, dass es ausgerechnet mit Saisonbeginn einen weiteren Karrieresprung gab – beruflich. Nahhas studiert Medizin an der TU Dresden. Davon ist er jetzt ein Jahr beurlaubt. Allerdings nicht, um professionell Volleyball zu betreiben, sondern um sich seiner Doktorarbeit zu widmen. In der Urologie der Uniklinik forscht er an einer Immuntherapie gegen Blasenkrebs. Das mit vier mal Training in der Woche und Reisen zu Auswärtsspielen nach Freiburg oder ins Saarland zu vereinbaren, ist die Herausforderung. „Da bleibt nicht mehr viel Zeit. Mit Familie wäre das gar nicht zu vereinbaren“, sagt Nahhas.

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Dass der Volleyballverband die aktuelle Saison in den Regional- und dritten Ligen aufgrund der Corona-Pandemie komplett abgebrochen hat, bringt Nahhas zusätzliche Verschnaufpausen. Zwar hatten die Termin-Ansetzer auf seine eigenen Punktspiele Rücksicht genommen, ansonsten war er als Schiedsrichter genauso gefordert wie alle anderen auch.

Ist auch nur ein Spieler positiv, wird alles abgesagt

Für den Libero des VCD ist der Sport der wichtigste Ausgleich zur Arbeit im Labor an der Uniklinik. Obligatorisch müssen alle Spieler mindestens 24 Stunden vor einem Punktspiel auf Corona getestet werden. Ist nur ein Spieler positiv, wird alles abgesagt. Das war auch schon mehrfach in der Liga der Fall, bei Dresden noch nicht. „Ich bin froh über die Tests, und dass sie sich als wirksam erwiesen haben“, sagt Nahhas.

Wieso überhaupt gespielt werden darf? Die Volleyballbundesliga GmbH hat eine professionelle Struktur und in vielen Vereinen hängen Arbeitsplätze am Spielbetrieb, selbst ohne Zuschauer.

Die durch Absagen anfallenden Nachholspiele verlängern die Saison inzwischen in den Mai. Außerdem werden immer mehr Doppelspieltage angesetzt. Dabei kommt dem angehenden Mediziner eine weitere Rolle im Mannschaftsverbund zu. Bei doppelten Auswärtsspielen testet er seine Kollegen. Normalerweise übernimmt das der ehrenamtliche Mannschaftsarzt Thomas Schumacher. Der Dresdner Orthopäde spielt selbst noch in einer Feierabendmannschaft Volleyball. Vor der Abfahrt wird getestet. Das betrifft übrigens auch die Heimmannschaft, damit sich niemand umsonst zum Spiel aufmacht.

Hat man allerdings zwei Auswärtsspiele mit Übernachtung zwischendurch, muss jedes Team seinen Tester mit dabei haben. „Im Frühjahr 2020 habe ich den Lockdown an der Uni für ein Praktikum genutzt, bei dem ich lernte, entsprechende Abstriche in Rachen oder Nase zu nehmen“, sagt Nahhas. Das kommt nun auch dem Verein zugute. Der bleibt trotzdem auf zusätzlichen Kosten sitzen. Die Test-Sets als auch Übernachtungen an Doppelspieltagen auswärts mussten zusätzlich ins Budget aufgenommen werden. Mit Spenden von Volleyballfans wurde das zum Teil abgefangen.

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Über seine drei Karrieren denkt Daniel Nahhas aber nicht permanent nach. „Jetzt stehen am Wochenende erst mal zwei enorm wichtige Spiele an - am Sonnabend zu Hause gegen Kriftel und am Sonntag in Freiburg“ sagt er. Die Dresdner stehen nur zwei Punkte vor den Hessen aus Kriftel und vier hinter den Freiburgern. Noch ist der Klassenerhalt auch nicht gesichert. In den nächsten Tagen will der Ligaverband überhaupt erst mal festlegen, ob es coronabedingt Absteiger geben wird. (SZ)

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