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Missbrauch von Münster: Eine Spur führt nach Dresden

Ein Schulhausmeister soll Teil des Pädophilennetzwerks um den gerade verurteilten Haupttäter aus Münster gewesen sein. Der Angeklagte schweigt.

Thomas O. schweigt nach wie vor in seinem Prozess am Landgericht Dresden. Jetzt hat eine Kommissarin aus Münster über seine Verbindungen zu dem erst am Dienstag verurteilten Adrian V. ausgesagt.
Thomas O. schweigt nach wie vor in seinem Prozess am Landgericht Dresden. Jetzt hat eine Kommissarin aus Münster über seine Verbindungen zu dem erst am Dienstag verurteilten Adrian V. ausgesagt. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Seit einem Monat verhandelt das Landgericht Dresden gegen Thomas O. aus Pirna. Der 56-Jährige ist Familienvater und war Hausmeister einer Dresdner Oberschule. Der Angeklagte soll sich nicht nur mehrfach an einem Schüler vergangen haben. Er habe auch mit Adrian V. aus Münster Kontakt gehabt, der ihm seinen Ziehsohn für weitere Missbrauchstaten gewissermaßen frei Haus geliefert haben soll. Adrian V. heißt der 28-jährige Mittäter, der erst am Dienstag am Landgericht Münster wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde.

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Am Freitag sagte eine Ermittlerin der „Sonderkommission Rose“ aus Münster am Landgericht Dresden aus. Kommissarin Verena E. war für Thomas O. zuständig und im August vergangenen Jahres bei dessen Verhaftung anwesend. Der sei da bereits vom Schuldienst suspendiert und beim Grünflächenamt der Stadt Dresden beschäftigt gewesen, so die 36-Jährige.

In ihrer Vernehmung gab die Ermittlerin einen tiefen Blick in die Abgründe der Pädophilen im Münsteraner Missbrauchskomplex. Rund 50 Verdächtige bundesweit seien bereits festgestellt worden, mehr als 30 von ihnen sitzen in Haft. Einige wurden bereits verurteilt. Die „SK Rose“ gehe derzeit von 39 missbrauchten Kindern aus, sagte die Zeugin am Freitag vor der Jugendschutzkammer. Doch es könnten noch mehr werden, die Untersuchungen der zwischenzeitlich mehr als 80 Beamte zählenden Ermittlungsgruppe dauern an.

Reisen zu den Missbrauchstätern

Adrian V. soll beabsichtigt haben, dass sich möglichst viele an seinem Ziehsohn vergehen können, sagte die Zeugin. 2019, als die ersten Missbrauchstaten des Angeklagten stattgefunden haben sollen, sei V. mit seinem VW Multivan oft durch das Bundesgebiet gereist, um anderen Pädophilen den damals neun Jahre alten Jungen zu bringen. Während des ersten Corona-Lockdowns im März/April 2020 sei V. noch häufiger unterwegs gewesen. Es gab ja keine Probleme mit den Schulen.

Der Pirnaer Angeklagte habe mit V. spätestens ab Januar 2019 in Kontakt gestanden, im Februar sei ein erster persönlicher Termin mit Kind geplatzt. Doch Anfang März 2019 sei V. mit dem Jungen für vier Tage in einer Ferienwohnung in Klipphausen gewesen – und der Angeklagte habe neben einem Besuch eines Dresdner Schwimmbades zweimal sexuellen Kontakt zu dem Kind gehabt.

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Danach habe es weitere mehrtägige Treffen mit sexueller Gewalt in Ferienwohnungen in Pirna gegeben, bei denen auch weitere Täter beteiligt gewesen waren. Was die Männer konkret mit dem Jungen angestellt haben sollen, habe sich aus Fotos und der Auswertung zahlreicher Chats ergeben, berichtete die Ermittlerin. Adrian V., ein IT-Fachmann, habe seinen Mittätern eigens gesicherte Krypto-Handys, die besonders verschlüsselt waren, gegeben, um zu kommunizieren.

Mann aus Pirna hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Er sitzt stumm auf seinem Stuhl, die Arme auf den Tisch aufgestützt, und versucht, sich seine innere Anspannung nicht anmerken zu lassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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