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St.-Benno-Buchhandlung: Am Ende keine Alternative?

Das Dresdner Traditionsgeschäft hat aufgegeben. Es gab Streit, dann kam das Aus. Warum es jetzt kaum einen Gewinner, aber drei Verlierer gibt.

Am Jahresende hatte Christiane Königsmann noch die Hoffnung, dass es weitergehen könnte.
Am Jahresende hatte Christiane Königsmann noch die Hoffnung, dass es weitergehen könnte. © Archiv/Marion Doering

Dresden. Erst kam das, was sich Christiane Königsmann in den vergangenen 20 Jahren nie vorstellen konnte und wollte. Und dann kam auch noch Corona. Jetzt muss die Dresdnerin mehrere Schicksalsschläge zugleich verkraften. Unterdessen hat ihr Vermieter, mit dem sie im Unfrieden auseinandergegangen ist, öffentlich nachgelegt. Sie habe ein "faires Angebot" nicht angenommen, das sei ihre persönliche Entscheidung, die zu respektieren sei, teilte er am 11. Januar im Internet mit. Vier Tage vor dem Ende ihrer Buchhandlung, die 20 Jahre lang nicht nur ein Geschäft war, in dem es Kalender, Literatur und Dresden-Andenken gab. Eigentlich war sie auch ihrem Vermieter willkommen, dem Bistum Dresden-Meißen. Schließlich gab es dort, was besonders katholischen Christen wichtig ist: zum Beispiel Kerzen, Kreuze, Weihnachtssterne und -krippen, religiöse Schriften und Grußkarten für kirchliche Festtage.

Hier erinnern nur noch Spuren an der Fassade an die Buchstaben, die den Namen St.-Benno-Buchhandlung ergaben.
Hier erinnern nur noch Spuren an der Fassade an die Buchstaben, die den Namen St.-Benno-Buchhandlung ergaben. © SZ/Christoph Springer

Der Ausverkauf musste ausfallen

"Mitten im Corona-Lockdown hat die St.-Benno-Buchhandlung im Haus der Kathedrale ihren Geschäftsbetrieb zum Jahresende eingestellt", beginnt das Bistum Dresden-Meißen seinen Abgesang auf das Geschäft im Erdgeschoss des Kirchenhauses an der Schloßstraße. Als die "Informationen zum Geschäftsschluss" am 11. Januar online gingen, stand Christiane Königsmann schon Tage zwischen leer geräumten Regalen und vollen Kisten. Eigentlich war zu dieser Zeit ein Ausverkauf geplant, doch der Corona-Lockdown hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Inzwischen ist das Geschäft leer. Die Regale sind weg, der Verkaufstresen auch, alle Kisten abtransportiert. Auch der Name des Ladens, der an der Hauswand aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt war, ist verschwunden. Drei Lampen, die von der Decke hängen, markieren noch die Stelle, an der einst die Kasse stand. Die früheren Mitarbeiterinnen sind fast alle versorgt.

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"Das ist ein komisches Gefühl", sagt Christiane Königsmann, nun Ex-Chefin einer Buchhandlung. "Man sitzt hier zu Hause zwischen den ganzen Kisten, auf dem Wohnzimmertisch sieht es chaotisch aus, und man muss nacharbeiten." Die Bücherregale, die in der zweiten Januarwoche noch im Laden standen, hat die Buchhandlung Sauermann aus Radebeul übernommen. Wo sie unterkommen würden, war eine der größten Sorgen von Christiane Königsmann. Am 15. Dezember waren sie und ihre Kollegen fertig mit dem Ausräumen, auch ihr Mann hat dabei kräftig geholfen. Nun muss sie noch Ware einlagern, die nicht mehr rechtzeitig verkauft und nicht an die Anbieter zurückgeschickt werden konnte. Und jede Menge Papierkram ist auch noch zu erledigen.

Spätes Gesprächsangebot vom Bischof

Doch zuerst einmal kam Corona nach dem Aus der Buchhandlung. Die Übergabe des Geschäfts konnte deshalb noch nicht stattfinden. Auch einen Termin mit Bischof Heinrich Timmerevers, der die Ex-Buchhändlerin nun doch noch einmal zu einem Gespräch treffen will, musste verschoben werden. Dass sie monatelang keinen direkten Kontakt zu ihm bekam, als es 2020 um die Zukunft ihres Geschäfts ging, dass lange auch mit den Verwaltungsverantwortlichen des Bistums kein Treffen zustande kam, führte letztlich bei Christiane Königsmann zu dem Eindruck, dass die Buchhandlung für das Bistum so etwas wie das fünfte Rad am Wagen war.

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Auch die Gespräche über einen neuen Mietvertrag, die Ende 2020 schließlich doch noch stattfanden und von denen das Bistum jetzt auf seiner Internetseite berichtet, führten nicht dazu, dass die St.-Benno-Buchhandlung eine Zukunft hatte. Richtig sei, dass ihr die Bistumsverwaltung bei der Miete entgegengekommen sei, sagt Christiane Königsmann. Doch der neue Mietvertrag sollte nur bis Ende 2023 laufen. "Ich hätte keine Planungssicherheit gehabt und ich hätte nach zwei Jahren schon wieder neu verhandeln müssen", begründet sie, dass sie am Ende keine Alternative zum Aus für ihren Laden sah.

"Alles Gute und einen finanzstarken Nachmieter" wünschen die Chefin und ihre Mitarbeiter dem Bistum Dresden-Meißen für den Eckladen an der Königstraße.
"Alles Gute und einen finanzstarken Nachmieter" wünschen die Chefin und ihre Mitarbeiter dem Bistum Dresden-Meißen für den Eckladen an der Königstraße. © SZ/Christoph Springer

Vorwürfe von beiden Seiten

Die jetzt vom Bistum veröffentlichten Details zum Mietverhältnis mit dem Buchgeschäft und den Kontakten zu dessen Chefin sind aus Sicht von Christiane Königsmann nur die halbe Wahrheit. Stets ging es um die Frage, was der Maßstab für die Miete sein soll. Eher das Ortsübliche im zumindest hohen zweistelligen Bereich oder das Branchenübliche in eher niedriger zweistelliger Höhe. Gegenseitige Vorwürfe bestimmten den Ton der Auseinandersetzung, die auch nach dem Rückzug der Buchhändlerin kein Ende haben. Denn eine "persönliche Entscheidung" war die Schließung keinesfalls, sagt die Ex-Chefin. Sie sah sich vom Bistum zu dieser Entscheidung gezwungen.

Nun soll ein neuer Mieter gesucht werden. Das könnte auch wieder eine katholische Buchhandlung sein, sagte Bistumssprecher Michael Baudisch gegenüber der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". Auf jeden Fall wolle sich das Bistum Zeit lassen für die Entscheidung, wer in das Eckgeschäft einziehen soll. Und die Kirchenverantwortlichen räumen ein, dass sie Fehler gemacht haben. "In der Folge ist nun leider eine Situation entstanden, die nach unserer Wahrnehmung letztendlich beide Seiten als Verlierer zurücklässt", erklärt Baudisch. Vergessen hat er dabei die dritte Seite, die Kunden, die auf das Geschäft gebaut und sich mit hunderten Nachrichten an das Bistum für dessen Erhalt eingesetzt haben. Baudisch: "Wir bedauern diese Entwicklung und wollen daraus auch unsere Lehren für die Zukunft ziehen."

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