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Stadtfest-Überfall: Jetzt wird plädiert

Nach einem Jahr und neun Monaten fordert die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft für die beiden Angeklagten Freiheitsstrafen.

Der Prozess gegen Christian L. (l.) und René H. nähert sich nach knapp zwei Jahren dem Ende. Die Angeklagten sollen bei dem sogenannten Stadtfest-Überfall 2016 Flüchtlinge niedergeschlagen haben.
Der Prozess gegen Christian L. (l.) und René H. nähert sich nach knapp zwei Jahren dem Ende. Die Angeklagten sollen bei dem sogenannten Stadtfest-Überfall 2016 Flüchtlinge niedergeschlagen haben. © Fotos: Archiv SZ

Dresden. Die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Dresden war ein zäher und langwieriger Ritt. Erst hatte sich eine Richterin verletzt, weshalb ein „normales Verhandeln“ eingeschränkt war, dann kamen die Verletzung eines psychiatrischen Sachverständigen und auch die Folgen der Corona-Pandemie hinzu.

Aufgrund einer Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofs zu einem möglichen Infektionsrisiko vor mehr als einem Jahr war das Gericht gebunden, fortan nur noch halbtags zu verhandeln, um nur einige der Probleme zu nennen, die für die lange Verfahrensdauer verantwortlich sind. Vor wenigen Tagen jedoch wurde endlich das letzte Kapitel eingeläutet.

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Seit September 2019 müssen sich zwei Angeklagte unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs verantworten. Sie sollen zu den Rädelsführern einer größtenteils noch unbekannten Gruppe von Rechtsextremen gehören, die für die seit Langem wohl schwersten Angriffe auf Ausländer in Dresden verantwortlich ist: den sogenannten Stadtfest-Überfall vom August 2016.

In der Nacht zum Sonntag, 21. August 2016, hatten 20 bis 40 dunkel gekleidete und teilweise vermummte Täter gezielt Jagd auf Ausländer gemacht, die die Stadtfest-Nacht an den Neustädter Elbwiesen genossen hatten. Wahllos wurden im Bereich der Augustusbrücke und am Königsufer Nachtschwärmer noch im Sitzen niedergetreten und es wurde auf sie eingeschlagen. Mindestens neun Menschen wurden zum Teil lebensbedrohlich verletzt.

Höhepunkt: der Kronzeuge

Die Angeklagten Christian L. (31) und René H. (34) haben sich nicht zu den Vorwürfen eingelassen, sie bestreiten jedoch ihre Beteiligung. Beide waren erst im September 2020 in einem anderen, ebenfalls langwierigen Prozess am Landgericht Dresden wegen weiterer rechtsextremer Gewalttaten zu erheblichen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Auch wegen des Stadtfest-Überfalls saßen sie viele Monate in Untersuchungshaft. Während H. seit etwa einem Jahr wieder auf freiem Fuß ist, verbüßt L. frühere Freiheitsstrafen.

Höhepunkt der Beweisaufnahme im aktuellen Prozess war die Aussage eines Mittäters, der sich nach seiner Verurteilung an die Polizei gewandt hatte und dessen Aussage die Angeklagten schwer belastete. Dieser Mann, ein 34-jähriger Dresdner, wurde erst Anfang dieses Jahres mehrere Sitzungstage lang vernommen.

Vor wenigen Tagen nun hat das Gericht die Beweisaufnahme abgeschlossen. Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft forderte für Christian L. eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren, in der jedoch bereits zwei frühere Verurteilungen für ähnliche Gewalttaten enthalten sind, wie die Generalstaatsanwaltschaft auf SZ-Anfrage mitteilte. Für René H. forderte der Ankläger eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Kommende Woche werden die Anwälte plädieren, die zahlreiche Opfer der Angriffe als Nebenkläger vertreten. Anfang Juli folgen die Plädoyers der Verteidiger. Die Kammer wird, so der Plan, ihr Urteil spätestens am 23. Juli verkünden. An einem Freitag um 16 Uhr.

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