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Stoppt Dresden die Verteuerung der DVB-Tickets?

Ab April sollen die Tickets für Busse und Bahnen in Dresden deutlich teurer werden. Einige versuchen das zu verhindern, eine erste Entscheidung dazu fällt nun.

Von Andreas Weller
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Der Verkehrsverbund Oberelbe will die Ticketpreise drastisch erhöhen. Sie sollen auch in Dresden steigen. Dagegen gibt es Widerstand.
Der Verkehrsverbund Oberelbe will die Ticketpreise drastisch erhöhen. Sie sollen auch in Dresden steigen. Dagegen gibt es Widerstand. © Christian Juppe

Dresden. Im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) sollen die Preise für Bus- und Bahnfahrten deutlich anziehen. Alle Fahrscheine auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) sind betroffen - vom Einzelticket bis zur Abo-Monatskarte.

Diese Preiserhöhung kommt mitten in der Diskussion um die künftige Finanzierung der DVB. Denn der bisherige Zuschuss reicht nicht mehr aus. Am Donnerstag diskutiert der Dresdner Stadtrat darüber - die Linke will die geplante Verteuerung komplett stoppen.

Die geplante Fahrpreiserhöhung betrifft erstmals sämtliche DVB-Karten. Die Preise für Zeitfahrkarten, die im Abo bezogen werden, steigen unterdurchschnittlich, so der VVO. Vorgesehen sind Preisanhebungen zwischen 2,2 und 2,6 Prozent. Die 9-Uhr-Monatskarten werden vor allem deshalb zum Teil deutlich teurer, weil die Kunden so zum Umstieg auf Abo-Monatskarten bewegt werden sollen.

Die heftigsten Preissteigerungen soll es dieses Mal bei der Fahrradmonatskarte für den kompletten Verbundraum (jetzt 17 Euro; plus 17,6 Prozent auf 20 Euro), der 9-Uhr-Monatskarte für Dresden (jetzt 54,20 Euro; plus 10,3 Prozent auf 59,80 Euro) und der Fahrradtageskarte für den Verbundraum sowie für nur eine Tarifzone (von derzeit 2 Euro und 3 Euro plus zehn Prozent auf 3,30 bzw. 2,20 Euro) geben.

Weitere neue Preise:

  • Einzelfahrt Dresden, plus acht Prozent auf 2,70 Euro (jetzt 2,50 Euro)
  • Viererkarte Kurzstrecke, plus 6,9 Prozent auf 6,20 Euro (jetzt 5,80 Euro)
  • Tageskarte für eine Tarifzone, plus 6,2 Prozent auf 6,90 Euro (jetzt 6,50 Euro)
  • Familientageskarte für eine Tarifzone, plus sechs Prozent auf 10,60 Euro (jetzt 10 Euro)
  • Kleingruppenkarte für eine Tarifzone, plus 6,1 Prozent auf 17,50 Euro (jetzt 16,50 Euro)
  • 9-Uhr-Monatskarte für eine Tarifzone und umliegende, plus 8,5 Prozent auf 130,60 Euro (jetzt 120,40 Euro)
  • 9-Uhr-Monatskarte für zwei Tarifzonen, plus 8,4 Prozent auf 87,40 Euro (jetzt 80,50 Euro)

Ob die Tariferhöhung noch gestoppt werden kann, ist ungewiss. Am 1. Dezember wird darüber bei der Verbandsversammlung des VVO entschieden. Die Vertreter aus Dresden stimmen dort mit ab. Am Donnerstag soll der Stadtrat diese per Beschluss dazu anweisen, die Preiserhöhung komplett abzulehnen. Das wird in einem Antrag der Linken gefordert, über den der Rat entscheidet.

Auch Dissidenten sind strikt gegen Erhöhung der Preise bei den DVB

Aufgrund der coronabedingten Ausfälle und Einschränkungen und der Notwendigkeit des weiteren ÖPNV-Ausbaus bestehe eine gewaltige Finanzierungslücke, die durch Tarifanhebungen teilweise geschlossen werden soll. Andererseits seien Tarifanhebungen "Gift" sowohl für die Rückgewinnung von Fahrgästen nach den coronabedingten Rückgängen als auch noch mehr für die Gewinnung neuer und zusätzlicher Fahrgäste im Hinblick auf die notwendige ökologische Verkehrswende, begründet die Linke ihr Ansinnen. Deshalb solle der Rat die Dresdner Vertreter anweisen, die Erhöhung abzulehnen. "Die Finanzierungslücke kann nicht durch Tarifmaßnahmen, sondern nur durch zusätzliche Bundes- und Landesmittel geschlossen werden", so Linke-Stadtrat Jens Matthis.

Dem schließen sich die Dissidenten uneingeschränkt an. Auch sie sind strikt gegen eine Erhöhung: "Die DVB hat mit die treuesten Kunden der Welt", so Stadtrat Martin Schulte-Wissermann. Trotz aller Corona-Einschränkungen mit Homeoffice, monatelang ohne Gastro, Handel, Kultur und vielem mehr, hätten nur wenige ihre Abos gekündigt. "In dieser Situation die Fahrpreise zu erhöhen, wäre nicht nur falsch – es wäre ein Schlag ins Gesicht der bislang treuen DVB Kundschaft."

"Fahrpreiserhöhungen werden die Finanzierungsprobleme des Dresdner Nahverkehrs nicht lösen"

FDP-Stadtrat Robert Malorny bezeichnet es dagegen als "unsozial", wenn die Vertreter der Landeshauptstadt dagegen stimmen. "Die Kosten für den Nahverkehr steigen, für die neuen Bahnen ist die Instandhaltung aufwendiger, Energiekosten und Löhne steigen. Das sollen die Nutzer auch zum Teil tragen." Auch die CDU ist für die geplante Erhöhung.

"Ein kompletter Verzicht auf Fahrpreisanpassungen reißt weitere Finanzlöcher", so SPD-Stadtrat Stefan Engel. Allerdings müssten diese maßvoll geschehen und sich an der Inflationsrate orientieren. "Denn Fahrpreiserhöhungen werden die Finanzierungsprobleme des Dresdner Nahverkehrs nicht lösen."

Die Grünen haben konkrete Vorschläge: Die Familientageskarte in Dresden soll bei zehn Euro bleiben und die Fahrradtageskarte bei zwei Euro. "Alle Bürger profitieren von einem gut ausgebauten Nahverkehr", so Fraktionschefin Agnes Scharnetzky. Deshalb sollen die Kosten für Bestandskunden stabil bleiben. Stattdessen müssten neue Finanzierungsmodelle diskutiert werden. "Das kann eine Abgabe für alle sein und auch die Stadt muss prüfen, sich daran zu beteiligen." Bei den Corona-Kontrollen müsse Augenmaß gewahrt bleiben, soll heißen, Kunden ohne geeignete Maske nicht sofort zu bestrafen, sondern im Zweifel auch FFP-2-Masken durch Kontrolleure in Einzelfällen zu verteilen.