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Stoppt Steimle den Bau am Dresdner Ferdinandplatz?

Das neue Verwaltungszentrum steht in der Kritik, vor allem wegen der Kosten. Nun gibt es eine Hintertür, das Projekt zu beerdigen und Kritik an Uwe Steimle.

So soll das neue Verwaltungszentrum mal aussehen, das ist der Siegerentwurf.
So soll das neue Verwaltungszentrum mal aussehen, das ist der Siegerentwurf. © Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Eigentlich schien die Entscheidung für den Neubau des Verwaltungszentrums am Ferdinandplatz durch. Die Stadt will sich für 116 Millionen Euro netto neue Arbeitsplätze für 1.300 Mitarbeiter und einiges mehr bauen lassen.

Trotz anhaltender Kritik an den Kosten und der Befürchtung, dass diese noch viel höher ausfallen könnten, wurden bereits die Verträge zwischen der städtischen Immobilien-Gesellschaft KID und dem Generalübernehmer geschlossen. Jetzt gibt es aber eine neue Wendung.

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Weitere Kostensteigerung ausgeschlossen

Fakt ist, die Stadtverwaltung muss aus einigen der derzeit noch gemieteten Objekte heraus. Das betrifft die Grunaer Straße 2/St. Petersburger Straße 9, für die aktuell Mietkosten von 1,55 Millionen Euro anfallen und knapp 100.000 Euro Betriebskosten. In der Lingnerallee 3 sind es 256.600 Euro Miete pro Jahr und 306.000 Euro Betriebskosten. Beide Objekte wollen die Eigentümer abreißen.

Anders als ursprünglich geplant, ziehen die Teile der Verwaltung, die im World Trade Center (WTC) untergebracht sind, zunächst nicht aus. Dort zahlt die Stadt derzeit 1,45 Millionen Euro Miete und gut 540.000 Euro Betriebskosten pro Jahr. Die Stadt rechnet bis Ende 2030 mit insgesamt 16 Millionen Euro Mietkosten im WTC. Für den Neubau am Ferdinandplatz soll die Stadt rund fünf Millionen Euro Miete pro Jahr zahlen.

Auf 60 Jahre bezogen würde sich der Neubau am Ferdinandplatz rechnen, sagt Finanzbürgermeister Peter Lames. Durch den Beschluss des Stadtrates konnten die Verträge dazu geschlossen werden. "Diese sind inhaltlich und preislich verbindlich", stellt Lames klar. Zu erwartende Baupreissteigerungen schlagen damit nicht bei diesem Bau durch. Damit sind weitere Kostensteigerungen ausgeschlossen.

1.300 Mitarbeiter sollen in dem Verwaltungszentrum in modernen Arbeitswelten ihren Dienst verrichten. Das sei an anderen Stellen kaum möglich. "Es gibt in der von uns benötigten Größe keine Bürogebäude in Dresden. Allerdings hatte das WTC entsprechende Flächen angeboten. Durch den Auszug der SachsenEnergie in ein eigenes Gebäude und Erweiterungsmöglichkeiten könnte dort für die Stadtverwaltung Platz geschaffen werden.

Verträge könnten noch gekippt werden

Auch wenn die Unterschriften bereits trocken sind und die Vorbereitungen für die Arbeiten im Winter laufen, sind noch nicht alle Entscheidungen gefallen. Denn Uwe Steimle, streitbarer Dresdner Satiriker und Schauspieler, hat eine Petition eingebracht, um einen Bürgerentscheid zum Verwaltungsneubau zu erwirken.

Steimle möchte, dass die Dresdner entscheiden, ob man sich diesen teureren Bau leisten soll. Die E-Petition hat knapp 11.000 Mitzeichnungen, also so etwas wie Online-Unterschriften, erhalten. Wegen der großen Unterstützung muss nun der Stadtrat darüber entscheiden, ob dem Anliegen gefolgt wird. Stimmt eine Mehrheit für einen Bürgerentscheid, muss dieser durchgeführt werden.

"Es ist ein Erfolg, dass überhaupt nochmal darüber gesprochen wird, sagt Steimle. Ihm gefalle bereits die Architektur des Siegerentwurfs nicht. "Dazu der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neubauten, das ist nicht ökologisch", sagt Steimle. "Brauchen wird das in diesen Zeiten wirklich?"

Er habe sich für die "breite Masse der Gesellschaft" eingesetzt. Jetzt sollen die Bürger auch entscheiden dürfen. "Ich finde es gut, wenn man trotz des Beschlusses noch nachfragen darf."

Aufwind für Kritiker des Projekts

Einer der größten Kritiker des Projektes ist Linke-Stadtrat Tilo Wirtz, der auch Lames Aussage anzweifelt, das Projekt würde sich nach 60 Jahren rechnen, da in dieser Zeit auf jeden Fall weitere Millionen Euro für Instandhaltung und Modernisierung investiert werden müssten.

Die angegebenen 13 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter für das Verwaltungszentrum seien nicht realistisch, sagt ein anderer großer Kritiker, Freie-Wähler-Stadtrat Torsten Nitzsche. "Das bezieht sich auf alle Flächen, also auch die Parkplätze. Für die Büroflächen sind es 18 Euro pro Quadratmeter." Zudem würde mit weniger Fläche pro Mitarbeiter gerechnet als in kleineren Büros, weil Großraumbüros entstehen sollen. "Das sind Taschenspielertricks, um das Verwaltungszentrum schön zu rechnen", so Nitzsche.

Es sei gut, dass der Stadtrat sich nun wahrscheinlich im Juni mit der Petition von Steimle beschäftigen muss, sagt Nitzsche. Auch wenn ein Stopp des Projektes die Stadt mindestens zehn Millionen Euro kosten würde. Steimle sagt dazu: "Lieber zehn Millionen in den Sand gesetzt als 116 oder am Ende 160 Millionen Euro."

Zum Bürgerentscheid über den Ferdinandplatz könnte es am Tag der Bundestagswahl, also am 26. September, kommen. Das hätte laut Nitzsche den Vorteil, dass die Dresdner an dem Tag eh zur Wahl aufgerufen sind. Durch die parallele Stimmabgabe und den ohnehin notwendigen Einsatz der Wahlhelfer würden geringere Kosten dafür anfallen.

Wie Kaniewski Steimle kontert

Die Aussage von Steimle, lieber zehn Millionen Euro zu versenken als die Summe für den kompletten Bau, sei "eine Unverschämtheit gegenüber den Dresdner Steuerzahlern", sagt SPD-Stadtrat Richard Kaniewski. "Das ist das Gegenteil von einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln."

Der Neubau des Verwaltungszentrums sei "anfänglich" ein "kostspieliges Unterfangen". "Aber dafür schaffen wir mit dem Bau beste Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Stadt. Zudem entsteht ein Haus für die Dresdner Bürger, und das mitten im Herzen unserer Stadt."

Kaniewski sagt, die Angriffe auf den Neubau haben "postfaktische Qualitäten". "Es ist bedauerlich, dass eigne lieber dem Populismus frönen, als verantwortungsvoll zu handeln." Da die anderen Mietverträge auslaufen, müsse die Stadt für die nächsten Jahre neue Büroflächen erschließen. Denn, wie Bürgermeister Lames betont, gebe es keine angemessenen Ausweichflächen für die benötigten Büros.

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"Realitätsflucht ist kein Argument". so Kaniewski. "Die ständigen Angriffe auf das Projekt bringen niemandem etwas. Zumal ein Verwaltungshaus in kommunaler Hand auch immer mehr Sicherheit bringt, als sich auf Jahrzehnte privat irgendwo einzumieten. Beenden Sie Ihre Blockadehaltung und lassen sie uns das neue Verwaltungszentrum endlich bauen.“

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