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Panne bei Suche nach Dresdner Striezelmarkt-Baum

Ein halbes Jahr vor Weihnachten hat die Stadt dazu aufgerufen, geeignete Bäume zu melden. Doch das hat nicht so geklappt, wie erhofft.

Schon das Aufstellen des Striezelmarkt-Baums ist in Dresden ein Ereignis. Wie der Baum dieses Jahr aussehen wird, bleibt bis zum Spätherbst eine Überraschung.
Schon das Aufstellen des Striezelmarkt-Baums ist in Dresden ein Ereignis. Wie der Baum dieses Jahr aussehen wird, bleibt bis zum Spätherbst eine Überraschung. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. Das hatten sich die Verantwortlichen im Dresdner Rathaus anders vorgestellt: Bis zum 16. Juli wollten sie Vorschläge sammeln. Dann sollte eine Spezialistengruppe geeignete Baumkandidaten für den Striezelmarkt auswählen und anschließend zu den Standorten reisen, um sie zu besichtigen. Dabei hätten die Fachleute aus dem Rathaus auch Fotos gemacht, die anschließend den Dresdnern gezeigt worden wären. Über das Internet hätten sich dann die Möglichkeit bekommen, ihren Favoriten zu wählen. Doch daraus wird nichts.

Bewerbungsstart ein halbes Jahr vor Weihnachten

Von Ende Juni bis Mitte Juli lief die Bewerbungsfrist. Genug Zeit für Baumbesitzer, die zum Beispiel eine geeignete Tanne oder Fichte im Garten haben, um sich zu bewerben. So dachten sich das die Verantwortlichen im Rathaus. Aber es war entweder nicht genug Zeit oder es gab nicht genug Grundstückseigentümer, die das Gratis-Sägeangebot aus dem Dresdner Rathaus zu schätzen wussten. Denn das wäre das "Dankeschön" aus dem Rathaus gewesen: Wer seinen Baum ohnehin loswerden wollte, dem hätte die Stadt die Kosten für das Absägen und den Abtransport geschenkt. Bis zu 10.000 Euro hat das in den vergangenen Jahren gekostet.

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Doch das hat dieses Mal nicht gezogen. "Die Zahl geeigneter Bäume war leider sehr überschaubar", teilt das Amt für Wirtschaftsförderung mit, das für den Striezelmarkt verantwortlich ist. Die Online-Abstimmung muss deshalb ausfallen. Im Klartext: Nicht einmal die fünf Bäume sind zusammengekommen, aus denen die Dresdner letztlich ihren Favoriten wählen sollten. Doch ohne Baum ist der Striezelmarkt unvorstellbar. Deshalb ist diese Nachricht tröstlich: "Es gibt einen favorisierten Baum in Ostsachsen, aktuell wird der Abtransport geklärt." Die Dresdner müssen sich also überraschen lassen, ob die Stadtverwaltung ein glückliches Händchen bei ihrer Entscheidung hatte.

Schlechte Erinnerungen an 2012

Ist damit nun alles gut? Mitnichten. Viele Dresdner werden sich noch an 2012 erinnern, als die Stadt Hohn und Spott erntete für die Striezelmarktfichte, die damals aus dem Klotzscher Forst stammte. Schandfichte, Nadelkrüppel und schiefer Baum von Dresden wurde sie genannt. Im Internet war sogar von einem "Weihnachtskrüppel" die Rede und vollends niederschmetternd wurde die Kritik, als Fotos der Bäume aus Leipzig und Dresden nebeneinander gestellt wurden. Leipzig kann Weihnachtsbaum, Dresden nicht, hieß es damals.

Die Zeitung "Die Welt" listete den Dresdner Baum damals unter der Überschrift "Pleiten, Pech und Tannen" auf. Im Text dazu hieß es: "In diesem Jahr sind die Dresdener mal wieder unzufrieden mit der Striezelmarkt-Fichte. Nicht groß, nicht majestätisch, lautet ihr Urteil". Es sei sogar die Forderung geäußert worden, den Baum zu ersetzen.

Damals musste sich schließlich Dirk Hilbert (FDP) in seiner Funktion als Wirtschaftsbürgermeister und damit als Chef der Marktverantwortlichen einschalten. "Schon aus logistischen Gründen ist der Austausch des Baumes nicht machbar. Die Hütten drumherum stehen bereits", erteilte er der Austausch-Forderung eine Absage, der Baum blieb schließlich stehen.

Die Stadt zog ein Jahr später Konsequenzen und ließ die Dresdner via Internet über mehrere Baum-Kandidaten abstimmen. Der Gewinner kam schließlich aus einem Privatgarten in Langebrück. Er war 25 Meter hoch und litt nicht unter chronischem Nadelausfall. „Der letzte Baum war ja ganz furchtbar“, sagten damals Christiane und Erhardt Möbius, deren Baum mit 1.200 Stimmen Vorsprung gewonnen hatte.

Mehr als 50 Baum-Bewerbungen für Dresden

Schon damals stand fest: Es soll weiter beim Prozedere mit dem Sammeln von Angeboten, einer Vorauswahl und der Internet-Abstimmung bleiben. "Sonst müssen wir vom Forst das nehmen, was wir kriegen", sagte Hilbert damals. 2013 hat das gut funktioniert, damals waren mehr als 50 Fichten und Tannen kostenlos angeboten worden, über 5.200 Klicks zählte die Stadt bei der Wahl im Internet.

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Nach der Blamage im letzten Jahr durften die Dresdner den Baum diesmal selbst aussuchen.

Wie viele Angebote es dieses Mal waren, teilten die Rathaus-Verantwortlichen nicht mit. Sicher ist aber: Es waren nicht genug. Nicht mal so viele, dass es sich gelohnt hätte, eine Vorauswahl zusammenzustellen und die Dresdner abstimmen zu lassen. Im Spätherbst will die Stadt bekannt geben, welcher Baum 2021 auf dem Striezelmarkt stehen soll. Erst dann können sich die Dresdner und später auch die Weihnachtsmarkt-Besucher ein Urteil bilden: Wieder ein Weihnachtskrüppel oder ein Baum, der keinen Vergleich scheuen muss - schon gar nicht mit Leipzig. (mit SZ/sr)

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