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Neuer Terror-Schutz für den Striezelmarkt

Während wegen Corona die Weihnachtsmärkte erneut infrage gestellt werden, plant Dresden den Schutz vor Anschlägen. Dafür gibt es neue Elemente.

Von Andreas Weller
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Mit sogenannten Mifram-Sperren arbeitet Dresden seit einigen Jahren, jetzt gibt es zusätzlichen Schutz.
Mit sogenannten Mifram-Sperren arbeitet Dresden seit einigen Jahren, jetzt gibt es zusätzlichen Schutz. © René Meinig

Dresden. Bevor der Striezelmarkt und alle anderen Dresdner Weihnachtsmärkte im vergangenen Jahr wegen Corona abgesagt werden mussten, beherrschte ein anderes Thema die Adventszeit: der Schutz vor Terroranschlägen für weltbekannte Großveranstaltungen wie den Striezelmarkt.

Für dieses Jahr hat das Dresdner Rathaus weitere Schutz-Elemente angeschafft. Nach mehreren Sicherheitsberatungen mit der Polizei haben sich die Verantwortlichen für einen zusätzlichen Schutz entschieden, da Terror-Schutz weiterhin notwendig sei. Wie der Striezelmarkt in diesem Jahr vor Anschlägen gesichert werden soll.

"Citysafes" als neues Schutzelement für den Striezelmarkt

Ob und wie die Dresdner Weihnachtsmärkte stattfinden können, wird derzeit heiß diskutiert. Alle schauen gespannt auf die neue Corona-Schutzverordnung des Landes Sachsen, die für diesen Freitag angekündigt ist.

Wegen der hohen Zahl an Corona-Infektionen in Dresden und der drohenden Überlastung der Kliniken fordert ein Politiker bereits, den Striezelmarkt und alle anderen Dresdner Weihnachtsmärkte ganz abzusagen. Doch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) macht deutlich, dass er den Striezelmarkt zulassen will, wenn es irgendwie geht. Die Absage im vergangenen Jahr solle eine Ausnahme sein.

Für eine geordnete Durchführung des Marktes ist nicht nur ein Konzept für den Infektionsschutz notwendig, sondern auch eines zum Schutz vor Terror-Anschlägen. Das Thema beschäftigt auch Dresden spätestens seit dem Anschlag von Nizza 2016.

Seitdem wurden unterschiedliche Schutz-Systeme eingesetzt. Einige davon kommen auch in diesem Jahr zum Einsatz und die Stadt hat ein weiteres System angeschafft, das erstmals auf dem Striezelmarkt aufgestellt werden wird.

Dabei handelt es sich laut dem Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, Robert Franke, der auch für den Striezelmarkt zuständig ist, um sogenannte "Citysafes". "Diese mobilen Zufahrtssperren bestehen aus einem extrem robusten Werkstoff, der auch im Crash-Fall unzerbrechlich ist, sie sind zertifiziert und übererfüllen die internationalen Crashtest-Normen", erläutert Franke.

Diese stellen demnach für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder kein Hindernis dar, es besteht auch keine Stolpergefahr. "Sie sind deutlich flucht- und paniksicherer als zahlreiche bisher existierende mobile und fest installierte Fahrzeugsperren", sagt Franke. "Auch ein verzögerungsfreier Zugang für Rettungsfahrzeuge wird damit gewährleistet. Weiterer Pluspunkt: Die Installation benötigt keine Fundamente, Elektrik, Hydraulik oder elektronische Steuerungen."

Auch Mifram-Sperren und Indutainer im Einsatz

Vereinfacht dargestellt, handelt es sich um - laut Herstellerangaben - unzerstörbare Poller, die mit einem flachen Boden miteinander verbunden sind. Franke hat für den Alt- und Neumarkt zunächst 36 dieser Elemente für rund 150.000 Euro gekauft.

Damit hat Dresden sich von einigen Schutz-Elementen wie den Betonklötzen und Nizza-Sperren verabschiedet. "Als Fahrzeugbarrieren werden zusätzlich zu den Citysafes Mifram-Sperren und mit 1.200 Litern Wasser gefüllte Indutainer in diesem Jahr eingesetzt", so Franke.

Indutainer sind faltbare Container, die eigentlich zum Transport von Flüssigkeiten erfunden wurden. Hier werden sie mit Wasser befüllt und dienen als Schutzschild gegen Laster-Anschläge. Die 60 Container kosteten die Stadt rund 25.000 Euro. Bei den Mifram-Sperren handelt es sich um gelbe Klapp-Bügel. Diese sollen laut Hersteller alle Arten von Fahrzeugen stoppen. Für gut 42.000 Euro hatte die Stadt vor drei Jahren 30 Stück, die etwa 15 Metern entsprechen, davon gekauft.

Nicht eingesetzt werden demnach die mobilen Schranken, die OB Hilbert vor drei Jahren hatte anschaffen lassen. Diese kosten rund 124.000 Euro. Davor hatte es einen riesigen Streit um den Schutz des Striezelmarktes gegeben.

Hilbert wollte bereits 2018 ein ganzes System anschaffen mit den Schranken und dazugehörigen speziellen Pflanzkübeln. Die rund 660.000 Euro dafür hätte er sich vom Stadtrat genehmigen lassen müssen. Eine Mehrheit lehnte dies aber ab. Mit den 150.000 Euro für die Citysafes ist Hilbert innerhalb der Grenze geblieben, über die er als Oberbürgermeister alleine entscheiden darf.