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Supermärkte in Corona-Zeiten: Verkaufen in der Krise

Aldi, Lidl , DM und Co. haben im Lockdown durchgehend geöffnet. Wie gehen Sie nach einem Jahr Krise mit der Gefahr um? Ein Überblick.

Eine Mund-Nasen-Maske liegt in einer gestellten Szene in einem Einkaufswagen vor dem Supermarkt von Kaufland.
Eine Mund-Nasen-Maske liegt in einer gestellten Szene in einem Einkaufswagen vor dem Supermarkt von Kaufland. © Norbert Millauer

Dresden. Sie sind die großen Gewinner der Pandemie: Supermärkte und Drogerien durften stets öffnen, während die Fenster in den meisten anderen Läden dunkel blieben. Verkäuferinnen und Verkäufer wurden über Nacht zu Helden der Nation, füllten vor allem im vergangenen Frühjahr im Akkord leere Regale mit Toilettenpapier und anderem nach, fertigten stundenlang lange Kundenschlangen an den Kassen ab. Zunächst noch relativ ungeschützt, bevor die Plexiglasscheiben in den meisten Märkten eingeführt wurden. Und auch sonst galten für den Einkauf von Lebensmitteln und anderen Dinge des täglichen Bedarfs plötzlich besondere Hygienevorkehrungen. In den ersten Monaten gab es oft Mitarbeiter, die die Einkaufswagen desinfizierten und auf die Einhaltung der zugelassenen Kundenzahl achteten. Doch das hat sich nach einem Jahr Leben mit Corona verändert. Die Discounter und Supermärkte setzen zunehmend auf die Eigenverantwortung der Kunden, wie eine SZ-Umfrage ergab.

Wie gehen Supermärkte inzwischen mir Lage um?

"Viele notwendige Verhaltensregeln haben sich inzwischen gut eingespielt: Die Kunden tragen eine Maske und achten darauf, die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln während des Einkaufs einzuhalten", schätzt Alisa Götzinger aus der Kaufland-Pressestelle ein.

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Zudem habe man die regulären Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen intensiviert. So stünden im Bereich der Kundeninformation und vor dem Bereich für die Einkaufswagen Desinfektionsspender. An den Kassen, vor den Bedientheken und an der Information seien Plexiglasscheiben angebracht. Zu den Dresdner Standorten macht Götzinger aber keine Angaben, da die Lage sehr dynamisch sei. Kaufland bitte die Kunden weiterhin darum, die gesamte Länge der Öffnungszeiten zu nutzen und insbesondere montags, dienstags und mittwochs nur alleine oder zu zweit einzukaufen. Da gibt es offenbar große Stoßzeiten.

Was geschieht im Fall infizierter Mitarbeiter?

Während Lidl und Kaufland gar keine Angaben zu Zahlen infizierter Mitarbeiter machen, erklärt Schwarze-Netto-Sprecherin Kirsten Geß, dass Mitarbeiter bereits im Verdachtsfall in Quarantäne geschickt werden.

Sehr viel offener geht Aldi Nord mit dem Thema um. Insbesondere im Raum Dresden gebe es in den Filialen bislang eine äußerst geringe Zahl von Infektionsfällen unter Mitarbeitern, sagt Pressesprecher Michael Strothoff. Für das Szenario einer potenziellen Infektion habe man spezielle Maßnahmen und Notfallpläne entwickelt. "Sobald bei einem unserer Mitarbeiter der Verdacht auf eine Covid-19-Infektion vorliegt, nehmen wir ihn sofort für zwei Wochen aus dem Team und empfehlen für diese Zeit eine häusliche Quarantäne", sagt Strothoff. In dieser Zeit würde der Kollege natürlich weiterbezahlt. Bestätige sich die Infektion, würden alle Mitarbeiter, die mit dem Infizierten direkten Kontakt hatten, ebenfalls für die Dauer von zwei Wochen freigestellt und in häusliche Quarantäne gebeten.

"Sämtliche Räume des Gebäudes werden dann durch eine Spezialfirma umfassend gereinigt und desinfiziert und unverpackte Lebensmittel wie Obst und Gemüse und Backwaren aus dem Markt entfernt. Mit Unterstützung von Mitarbeitern aus den umliegenden Märkten werde der betroffene Standort anschließend wieder geöffnet. "Bislang musste noch keiner unserer Märkte rund um Dresden aufgrund von Corona geschlossen bleiben", so Strothoff.

Die Drogeriekette DM spricht für Dresden " von sehr niedrigen Infektionszahlen“. Konkretere Angaben dazu macht Gert Moßler, dm-Gebietsverantwortlicher, nicht.

Sind Verkäuferinnen wirklich besonders häufig betroffen?

Tatsächlich gehören Verkäufer nicht zu denjenigen, die sich besonders häufig mit dem neuartigen Coronavirus anstecken. Die AOK Plus hat die Fehlzeiten aller sächsischen Versicherten zwischen März und Oktober des vergangenen Jahres ausgewertet. Demnach standen rund 400 Verkäufer und Kassierer in Supermärkten, Drogerien, Apotheken, Bäckereien und Fleischereien eine Covid-19-Ekrankung als Diagnose auf dem Krankenschein. Zum Vergleich: Pfleger in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen waren deutlich stärker betroffen. Die AOK zählte rund 900 Krankschreibungen. Etwa genauso viele Erzieher und Lehrer erkrankten im besagten Zeitraum an Corona.

Dass es bei der Arbeit im Einzelhandel nicht zu einer erhöhten Infektionsgefährdung durch das SARS-CoV-2-Virus kommt, ist auch das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dafür wurden unter anderem Daten aus elf Einzelhandels-Unternehmen mit rund 331.000 Beschäftigten ausgewertet, wie Aldi-Pressesprecher Strothoff sagt.

Zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 erkrankten nach der Studie etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten an dem Virus. Demgegenüber infizierte sich im gleichen Zeitraum etwa 0,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Somit liege der Anteil der erkrankten Beschäftigten sogar unter dem Mittel der entsprechenden Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es derzeit?

Mit abgezählten Einkaufswagen im Verhältnis zur jeweiligen Verkaufsfläche reduzieren die Discounter Lidl, Aldi und der Schwarze Netto sowie Kaufland die Kundenzahl in den Filialen. "Darüber hinaus setzen wir abhängig von der Kundenfrequenz an einzelnen Standorten auch Kundenbetreuer oder Kundenampeln für das Zutrittsmanagement ein", sagt Lidl-Pressesprecherin Isabel Lehmann. Bei Netto sei der Einsatz von Security-Kräften aber an den Dresdner Standorten bislang nicht notwendig gewesen, so Sprecherin Kirsten Geß.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Aldi Nord hat in einigen Märkten bereits elektronische Einlasskontrollen installiert. Mit Hilfe von Sensoren kann damit an den Ein- und Ausgängen die Auslastung der Filialen in Echtzeit erfasst werden. Ist die Höchstzahl anwesender Kunden erreicht, stoppe das System durch Signalfarben neu ankommende Kunden am Eingang. "Über Hinweise auf Plakaten informieren wir an den Eingängen der Märkte über den Einsatz und die Funktionsweise der elektronischen Einlasskontrollen", sagt Michael Strothoff.

Grundsätzlich halten alle Märkte an Hygienestationen Desinfektionsspender und Papiertücher bereit. An allen Kassen ist ein Plexiglasschutz installiert. Zudem schütze man die Verkäuferinnen mit Mund-Schutz-Masken, Einmalhandschuhen sowie Desinfektionsmitteln. DM beispielsweise gibt zudem an, eine Gefährdungsbeurteilung für die Mitarbeiter sei, wie auch die Sicherheitsunterweisung und das Schutz-und Hygienekonzept, wichtiger Bestandteil der Vorkehrungen.

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