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Ein "Tatort" aus Dresden mit Infektionsgefahr

Der neue Krimi aus Dresden wurde während des ersten Lockdowns gedreht. Es geht nicht um Corona, trotzdem sind alle krank. Und Retter werden zu Opfern.

Mord unter der Marienbrücke: Die beiden Dresdner Kommissarinnen Winkler und Gorniak und ihr Chef Schnabel ermitteln mal wieder vorm Canalettoblick.
Mord unter der Marienbrücke: Die beiden Dresdner Kommissarinnen Winkler und Gorniak und ihr Chef Schnabel ermitteln mal wieder vorm Canalettoblick. © MDR/HA Kommunikation

Alles schnieft und schnäuzt. Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die eine Kommissarin hat Fieber, die andere ist vollkommen erschöpft. Der Chef im Kommissariat desinfiziert sich immer wieder vorschriftsmäßig die Hände. Die halbe Stadt ist krank, und auch bei der Polizei fällt die Hälfte der Belegschaft aus.Vorsicht: dieser Dresden-Tatort ist hochinfektiös. Aber keine Bange: Die Folge „Rettung so nah“, die an diesem Sonntagabend im Ersten läuft, dreht sich nicht etwa um Corona. „Grippesaison“heißt es im Film ganz profan.

Mag allerdings durchaus sein, dass der Regisseur erst durch Corona auf die Idee mit den grassierenden Erkältungs- und Erschöpfungssymptomen gekommen ist. Gedreht wurde nämlich während der ersten Pandemie-Welle im vergangenen Frühjahr. Streng nach AHA-Formel versteht sich, mit eigenem Hygienebeauftragten und täglicher Temperaturmessung. Allerdings durchaus mit Hindernissen: Schon nach wenigen Drehtagen im März 2020 kam der Lockdown und das Fernsehteam musste erstmal bis Ende Mai pausieren. Zum Glück seien aber die meisten körpernahen Szenen bereits früh im Kasten gewesen, heißt es. Wenn man genau darauf achtet, sieht man die Unterschieden in der Vegetation. Bei sommerlichen Juni-Temperaturen im Wintermantel zu agieren, sei auch kein Spaß gewesen, sagen die Darsteller.

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„Wir werden beschimpft, bespuckt und bedroht.“

Herausgekommen ist keiner dieser spektakulären Thriller, wie sie zuletzt aus Sachsen kamen. Diese fünfte Dresden-Folge mit der neuer Besetzung ist eher solide Krimikost, durchaus spannend und fintenreich mit viel Tempo und guten Schauspielern. Dafür geht es um ein ernstes und sehr aktuelles Thema. Niemand wusste beim Dreh, wie die Situation sein würde, wenn dieser Film ausgestrahlt wird. Nun erweist er sich als durchaus passend zur aktuellen Lage. Denn es dreht sich alles um die Gesundheit und den Tod. Vor allem aber um die anstrengende und nicht ungefährliche Arbeit von Rettungskräften.

Gefährlicher Einsatz: Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski, li.) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel).
Gefährlicher Einsatz: Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski, li.) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel). © MDR/HA Kommunikation

Ein Rettungssanitäter ist getötet worden, unter dubiosen Umständen während eines Einsatzes am Elbufer mit einer Plastiktüte im eigenen Rettungswagen erstickt. Seine junge Kollegin Greta Blaschke kann ihm nicht mehr helfen. Es handelt sich um einen Syrer, was zunächst einmal - in Sachsen zumal - eine fremdenfeindliche Fährte nahelegt. Die wird sich jedoch sehr bald als die völlig falsche erweisen. Vielmehr steht bald im Mittelpunkt, dass Sanitäter in ihrer alltäglichen Arbeit permanent Anfeindungen und sogar tätlichen Angriffen ausgesetzt sind. „Wir werden ständig beschimpft, bespuckt und bedroht“, hören die Kommissarinnen Karin Gorniak und Leonie Winkler auf der Rettungswache, für die eine Glasbaufirma in Coswig genutzt wurde. Und die Betroffenen sagen auch: „Wir müssen uns dagegen wehren.“

Doch das konkrete Motiv für den Mord bleibt unklar, auch als es wenig später einen weiteren Anschlag auf ein Rettungsfahrzeug gibt, bei dem ein weiterer Sanitäter stirbt und eine Kollegin schwer verletzt wird. Todesangst geht um unter den Lebensrettern. Ausgerückt wird mit Schutzweste, Pfefferspray und Polizeischutz.Im Fokus steht nun die junge Sanitäterin Greta Blaschke, die eigentlich in dem verunglückten Rettungswagen sitzen sollen. Galt ihr der Anschlag?

Am schlimmsten ist es, wenn Kinder sterben

Auch sie kämpft mit Erschöpfung, die sich wie ein Leitmotiv durch diesen Tatort zieht. Die alleinerziehende Mutter aus der Prohliser Platte ist überfordert nicht nur von zu viel Nachtschichten. Sie schluckt Tabletten, hat auch das Kiffen wieder angefangen. Bei einem früheren Einsatz hat sie einen furchtbaren Fehler gemacht, der sie immer noch extrem belastet. Und jetzt lässt sie sich auch noch auf ein gefährliches Abenteuer ein.

Luise Aschenbrenner steht als Sanitäterin Greta Blaschke im Mittelpunkt des Falls. Die 25-Jährige gehört zum Ensemble des Dresdner Schauspielhauses.
Luise Aschenbrenner steht als Sanitäterin Greta Blaschke im Mittelpunkt des Falls. Die 25-Jährige gehört zum Ensemble des Dresdner Schauspielhauses. © MDR/HA Kommunikation

Dargestellt wird die Sanitäterin von der großartigen Luisa Aschenbrenner. Die 25-Jährige dürfte vielen Dresdnern aus dem Ensemble des Staatsschauspiels bekannt sein, zu dem sie seit 2017 gehört. Es ist ein beeindruckendes Heimspiel im Dresden-Tatort. Für ihre Rolle hat sie einen Tag in einer Rettungswache in Dresden verbracht. „Interessant war vor allem, dass man extreme Situationen gewöhnt ist. Familientragödien oder auch die Einsamkeit von manchen Patienten sind nicht immer leicht zu ertragen“, sagt sie. Was die schlimmsten Einsätze sind, habe sie die Profis gefragt. Die Antwort: „Wenn Kinder sterben“. Zur Aufheiterung habe ihr einer der Sanitäter ein Buch geschenkt. Es heißt: „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an“. Man brauche wohl solchen schwarzen Humor, wenn man sich vor zu vielen Gefühlen schützen möchte, glaubt Luise Aschenbrenner. „Ich hab‘s während des Drehs gelesen.“

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Ebenfalls zum Ensemble des Schauspielhauses gehört Torsten Ranft, der schön zu DDR-Zeiten in Fernsehkrimis zu sehen war. Hier spielt er den etwas undurchsichtigen Leiter der Rettungsleitstelle. Sehr gute Ergänzungen zu dem mittlerweile souverän agierenden Ermittlertrio mit Karin Hanczewski Cornelia Gröschel und Martin Brambach. Erfreulich, dass das MDR-Tatort-Team nicht nur die architektonischen und landschaftlichen Schönheiten des Drehorts in den Blick nimmt - diesmal sind es vor allem die Elbbrücken- , sondern auch die schauspielerischen Qualitäten vor Ort nutzt.

  • Der MDR- Tatort „Rettung so nah“ läuft am 7. Februar um 20.15 Uhr in der ARD und um 21.45 Uhr auf One.

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