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Tempolimit am Waldschlößchen fällt weg

Nachts darf jetzt wieder 50 gefahren werden. Kann die Geschwindigkeitsbegrenzung noch komplett kippen?

Ab 1. November kann nachts auf der Waldschlößchenbrücke wieder schneller gefahren werden.
Ab 1. November kann nachts auf der Waldschlößchenbrücke wieder schneller gefahren werden. © (c) Christian Juppe

Dresden. Ab diesem Sonntag beginnt auf der Waldschlößchenbrücke die Wintersaison. Die Kleinen Hufeisennasen und andere Fledermäuse gehen in den Winterschlaf. Also gilt auch nachts bis zum 31. März kommenden Jahres wieder Tempo 50. 

Die Bilanz: Schon 4,1 Millionen Euro eingeblitzt

Die beiden Hightech-Blitzer, die das Tempolimit überwachen, haben sich für die Stadt ausgezahlt. Dafür hatte sie rund 160.000 Euro investiert. 

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Seit der Eröffnung vor über sieben Jahren wurden bis Ende September schon 4,1 Millionen Euro Buß- und Verwarngelder eingenommen, teilte das Ordnungsamt mit. Geblitzt wurden laut jüngster Statistik seitdem 128.233 zu schnelle Fahrzeuge. 

Mit 97.751 kamen die meisten davon bergab aus dem Waldschlößchen-Tunnel und fuhren in Richtung Johannstadt. Der Spitzenreiter brauste im Oktober 2018 mit 117 km/h über die Brücke. 

„Er fuhr einen Pkw Mazda“, erklärt das Ordnungsamt. Als Quittung erhielt der Fahrer 680 Euro Geldbuße, ein dreimonatiges Fahrverbot und drei Punkte in Flensburg.

2017 wurden mit 23.014 Fahrzeugen die meisten geblitzt. 2018 (16.926) und 2019 (16.652) waren die Zahlen wieder rückläufig. In diesem Jahren erblickten bis Ende September 9.608 Temposünder einen Blitz auf der Waldschlößchenbrücke.

Der Ursprung: Fledermäuse sollen geschützt werden

Bereits vor dem Bau wurde das nächtliche Tempolimit im Sommerhalbjahr festgelegt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung resultierte aus Auflagen des Oberverwaltungsgerichts Bautzen (OVG) von 2007. 

Naturschutzverbände hatten gegen den Baustart mobil gemacht. Zwar hob das OVG mit dem Urteil vom 14. November 2007 den Baustopp auf und machte somit den Weg für den Brückenbau frei. 

In der Brücke sahen die Richter auch keine Gefahr für die Kleine Hufeisennase. Doch, um sie zu schützen, verpflichtete das Gericht die Stadt zu Nachbesserungen und legte ein nächtliches Tempolimit von 30 km/h in der Flugsaison von April bis Oktober fest.

Die Vorkommen: Tiere leben unweit der Brücke

Zwar zweifeln Kritiker die Existenz der Kleinen Hufeisennasen im dem Bereich an. Es gibt sie im Umfeld der Brücke aber durchaus. Das hatte der Dresdner Fledermausexperte Thomas Frank gegenüber Sächsische.de erklärt. 

Sie leben beispielsweise einen knappen Kilometer entfernt im Schloss Albrechtsberg. Am Weißen Hirsch halten sie in unterirdischen Stollen und früheren Eiskellern ihren Winterschlaf. 

Wochenstuben gibt es in Pillnitzer Gebäuden in Waldnähe. Dort ziehen die Weibchen ihre Jungen mit Muttermilch auf, bis sie nach etwa zwei Monaten selbst fliegen können.

Die Kleinen Hufeisennasen fliegen nicht nur durchs Elbtal hindurch, sondern leben auch in Quartieren unweit der Waldschlößchenbrücke.
Die Kleinen Hufeisennasen fliegen nicht nur durchs Elbtal hindurch, sondern leben auch in Quartieren unweit der Waldschlößchenbrücke. © dpa-Zentralbild

Die Hufi-Autobahn: Strauchreihen bieten sichere Passage

Etwa zehn Arten von Fledermäusen sollen dem Umweltamt zufolge die Waldschlößchenbrücke im Sommerhalbjahr unter- beziehungsweise überqueren. Für die kleine Hufeisennase als berühmtesten Vertreter wurden unter der Brücke Fledermausautobahnen mit langen Weidenreihen gepflanzt, die sie bei ihren nächtlichen Flüge nutzen. 

Die jeweils 350 Meter langen Reihen von Purpurweiden und Schneeballsträuchern beiderseits der Elbe sind gut gewachsen. Deshalb war Anfang vergangenen Jahres die Hälfte der Hecken zurückgeschnitten worden.

Gut gewachsen sind die Fledermausautobahnen. Die hohen Weidenreihen sollen die Tiere unter der Brücke hindurch leiten.
Gut gewachsen sind die Fledermausautobahnen. Die hohen Weidenreihen sollen die Tiere unter der Brücke hindurch leiten. © René Meinig

Die Chance: Tempolimit könnte kippen

Das Tempolimit halten viele Dresdner für sinnlos, darunter auch FDP-Stadtratsfraktionschef Holger Zastrow. „Weg mit dem Tempo 30 auf der Waldschlößchenbrücke!“, hatte er erst wieder zum jüngsten Brückenjubiläum gefordert. 

Der Stadt gelinge es seit Jahren nicht, einen Existenznachweis für die Hufeisennase zu bringen. Das behördliche Fallenstellen müsse endlich ein Ende haben.

Das Tempolimit wird derzeit mit geprüft, da das Bundesverwaltungsgericht im Juli 2016 die Baugenehmigung für die Brücke gekippt hat. Nachgeholt werden musste die Umweltverträglichkeitsprüfung nach den strengen EU-Richtlinien für Flora-Fauna-Habitate. 

Die Unterlagen sind fertig und wurden von der Stadt geprüft. „Es handelt sich um elf Einzelunterlagen mit einem Umfang von circa 1.300 Seiten“, erklärt das Straßenbauamt.

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Das beauftragte Kieler Institut für Landschaftsökologie müsse jetzt die Anmerkungen noch einarbeiten. Ist das abgeschlossen, kann die Stadt die Baugenehmigung bei der Landesdirektion beantragen. Wann das Straßenbauamt die Unterlagen einreicht, stehe aber noch nicht fest.

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