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Dresdner Torhaus soll Skateverleih werden

Das historische Gebäude an der Lingnerallee wird gerade saniert. Künftig soll es eine sportliche Nutzung bekommen. Doch darüber gibt es Unstimmigkeiten.

Skaterrollen sind teuer, sagt Hans-Jürgen Burkhardt. Sie zu sozialverträglichen Preisen zu ersetzen, könne der Verein Nachtskaten Dresden nicht allein stemmen.
Skaterrollen sind teuer, sagt Hans-Jürgen Burkhardt. Sie zu sozialverträglichen Preisen zu ersetzen, könne der Verein Nachtskaten Dresden nicht allein stemmen. © Marion Doering

Dresden. Viele Jahre führte es ein Schattendasein, verfiel und war Ziel von Vandalen: das kleine Torhaus an der Lingnerallee. Seit diesem Jahr lässt die Stadt das denkmalgeschützte Gebäude sanieren. Die dafür nötigen rund 440.000 Euro kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der städtischen Projektförderung sowie vom Stadtbezirk Altstadt. 

Noch ist das Haus im Barockstil eingerüstet, doch schon bald sollen die Hüllen fallen. Nun sucht die Landeshauptstadt einen gemeinnützigen Verein, der voraussichtlich ab Januar 2021 in dem kleinen Kulturdenkmal einen Skateverleih betreibt. Rund 60 Quadratmeter stehen für Verleih, Werkstatt und Lager zur Verfügung. Der Betreiber soll eine Miete von 300 Euro zuzüglich Nebenkosten zahlen. Bei einer ersten Ausschreibung gab es offiziell laut Stadt keinen Bewerber. Deshalb wird jetzt bis Ende September erneut gesucht.

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Frage nach Nebenkosten und Nutzung

So heißt es bisher, aber: Das stimmt so offenbar nicht. Denn es gab durchaus einen Bewerber. Sogar einen, aus dessen Reihen nach eigenen Angaben die Idee für die sportliche Nutzung des Gebäudes stammt: der Verein Dresden skatet e.V., bekannt durch die Organisation des Dresdner Nachtskatens. Doch der fühlt sich durch die Bedingungen der Stadt für die Betreibung überfordert. Sie sieht nämlich vor, das Haus an drei Tagen zu öffnen und dort einen Skateverleih anzubieten.

Probleme sieht Hans-Jürgen Burkhardt, der Vereinsvorsitzende, bei der Ausschreibung in fehlenden Angaben zu den Nebenkosten, darunter zu erwartende Heiz- sowie Wasserkosten. Denn das Gebäude erhält eine öffentliche Toilette, die für die Nutzer des angrenzenden Skateparks auch dringend nötig ist. "Aber wer zahlt das Wasser dafür?", fragt Burkhardt. Der Verein finanziere sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, dafür sei kein Geld da.  

Auch was die Nutzung angeht, gibt es Unklarheiten: "Was genau meint die Stadt mit Skateverleih", fragt Burkhardt. Skaten sei ein Oberbegriff unter anderem für Inlineskaten und Skateboarding. Beide seien absolut nicht vergleichbar, vom Material angefangen bis hin zur Technik. Außerdem sei der Platzbedarf für Material und Verleih für beide Sportarten in dem Haus nicht gegeben. 

Gefordert wird in der Ausschreibung auch, dass im Gebäude Skates zu sozial verträglichen Preisen repariert werden sollen. Doch auch da fragt Burkhardt nach, was unter sozial verträglich verstanden werden soll. Man könne nicht alle Skates warten, da die verschiedenen Anbieter verschiedenes Material verwenden und Billigangebote teilweise nicht zu reparieren sind. Auch seien die Kosten für Ersatzteile sehr hoch. Zum Beispiel koste ein Acht-Rollen-Satz der billigsten Warengruppe 55,60 Euro, ein Satz Lager 29,95 Euro. Das sei der Preis für ein paar Skates komplett, dazu kämen noch Reinigungsmittel und Schmierstoffe. "Das muss doch vorher geklärt werden, wer das bezahlt", sagt der Vereinsvorsitzende.

In einem Gespräch bei der Stadt habe er all die Punkte angesprochen, man habe aber keine Lösung gefunden. Stattdessen wurde noch einmal ausgeschrieben.

Zu wenig für die Stadt

Für den Verein Dresden skatet, der rund 150 Mitglieder hat, ist das bedauerlich, denn das Torhaus ist genau das, wonach die Mitglieder lange gesucht haben. Durch die unmittelbare Nähe zum Skatepark wäre die Organisation des Nachtskatens deutlich unkomplizierter, bisher müssen die Inlineskater zum Ausleihen aus einem Raum an der Grunaer Straße antransportiert werden. Im Torhaus könnten im Winter auch Ordner geschult und die Strecken für das kommende Jahr ausgearbeitet werden. 

Das ist der Stadt aber zu wenig. Sie sieht, dass die „Nutzung der Skateanlage derzeit Menschen vorbehalten ist, die eine persönliche Skate- und Schutzausrüstung besitzen. Um zur Inklusion und zur Minderung von Armutsfolgen beizutragen, soll im sanierten Torhaus künftig die benötigte Skate-Ausrüstung kostenlos oder preisgünstig ausgeliehen werden können“, erläutert Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) das Ziel der Stadtplaner. Der Skatepark Lingnerallee sei ein beliebter Magnet am östlichen Innenstadtrand. Er ziehe vor allem zahlreiche junge Menschen an, die hier bei Sport und spielerischer Bewegung ihre Freizeit verbringen. Der damit einhergehende Austausch von Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Lagen trage seit Jahren viel zur sozialen Inklusion im Stadtgebiet bei. 

Fehlende Gemeinnützigkeit

Es gibt noch einen weiteren Verein in Dresden, der Skater, Inlineskater und BMX-Biker unter seinem Dach vereint, der 248wheels. Er betreibt in Reick eine Skatehalle, hat aber nach eigenen Angaben noch nie eine finanzielle Förderung durch die Stadt erhalten. Auf SZ-Anfrage gibt es bisher keine Anzeichen, dass er sich für das Torhaus interessiert. 

Einer, der sehr wohl Interesse an dem Projekt Torhaus hat, ist Matteo Böhme, der Skateschulen in Dresden, Leipzig und Chemnitz betreibt. Er war früher Mitglied im Verein Dresden skatet, doch eine Zusammenarbeit ist durch frühere Vorkommnisse für ihn heute undenkbar. "Ich würde das Torhaus sehr gern betreiben, bin aber kein gemeinnütziger Verein", sagt er. 

Die Stadt ist jedoch optimistisch, dass die angestrebte Nutzung umgesetzt werden kann. Zu den Problemen, die Hans-Jürgen Burkhardt angesprochen hat, sagt sie, dass die  Anforderungen der Ausschreibung im Vorfeld des Förderprojektes mit verschiedenen Beteiligten definiert worden sei. Das Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sei an die Förderziele des Projektes geknüpft, das die soziale Belebung des Areals zum Ziel habe. 

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