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Dresden: Warum tschechische Arbeitskräfte wichtig sind

Mit der neuen Pendlerregelung muss ab Montag ein Corona-Test pro Woche erfolgen. Das stellt Dresdner Unternehmen vor Herausforderungen.

Jaroslava Rašková ist eine der tschechischen Mitarbeiterinnen der Firma Zwintscher.
Jaroslava Rašková ist eine der tschechischen Mitarbeiterinnen der Firma Zwintscher. © Foto: Firma Zwintscher

Dresden. Thilo und Sarka Zwintscher sind angespannt. Das Dresdner Unternehmerehepaar betreibt eine Bau- und Gebäudemanagement-Firma und beschäftigt auch drei tschechische Arbeitnehmerinnen. Seit Wochen versuchen die Zwintschers, möglichst schnell an jede neue Nachricht aus dem Sächsischen Gesundheitsministerium zu kommen. Denn für die Kolleginnen aus Tschechien gelten ab Montag neue Pendlerbestimmungen, da Tschechien als Risikogebiet gilt. Darunter auch die Pflicht, sich wöchentlich auf Corona testen zu lassen.

Das ist eigentlich eine gute Nachricht für das Ehepaar. Denn zunächst hatte der Freistaat eine zweimalige Testung pro Woche in Deutschland vorgesehen. Damit wären Kosten in Höhe von rund 1.800 Euro pro Monat auf das Unternehmen zugekommen. Umso glücklicher waren Zwintschers über die Entscheidung zur einmaligen Testpflicht und dass der Test auch in Tschechien erfolgen kann.

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Keine Testkapazität bei Hausärzten im Nachbarland

Doch schnell haben ihre drei tschechischen Mitarbeiterinnen festgestellt, dass es keine freien Testtermine bei ihren tschechischen Hausärzten gibt. "Um schnell getestet zu werden, müssen sie in private Labore gehen. Das kostet 30 Euro, während es beim Hausarzt kostenlos ist", sagt Sarka Zwintscher.

Finanziell ist dies mit insgesamt 360 Euro pro Monat für alle drei immer noch weitaus günstiger als die zuerst geplante Regelung. Außerdem beteiligt sich der Freistaat mit zehn Euro an jedem Antigen-Schnelltest, wenn der deutsche Arbeitgeber die Testkosten erstattet oder den Test auf eigene Kosten machen lässt.

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Dennoch haben Zwintschers Sorgen, wie alles funktionieren wird. "Wir sind auf die Kolleginnen aus Tschechien angewiesen, sie sind äußerst zuverlässig und sehr einsatzbereit", sagt Sarka Zwintscher. Es sei schwer, deutsche Fachkräfte für die Reinigung zu finden. Für sie sei der Job mit einem Stundenlohn von 10,80 Euro nicht attraktiv. "Ich hatte erst vergangene Woche ein Vorstellungsgespräch vereinbart, zu dem der deutsche Bewerber nicht kam und nicht mal abgesagt hat."

Inzwischen gibt es jedoch Befürchtungen, dass die sächsische Regelung von der Corona-Verordnung des Bundes ausgehebelt wird. Laut der Bundesregelung von Mittwoch diese Woche soll die Pflicht zur Vorlage eines Corona-Test aus Gebieten mit besonders hohen Infektionsrisiko weiter verschärft werden. Dann müssten zwei oder drei Tests pro Woche gemacht werden, weil die Ergebnisse nicht älter als 48 Stunden sein dürfen. In Tschechien liegt die Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 280 und 900 Neuinfektionen.

Reinigung in verschiedenen Objekten

Die drei Tschechinnen arbeiten seit 2018 im Unternehmen Zwintscher, alle kommen aus der Nähe von Teplice. Täglich sind sie fünf bis sechs Stunden im Einsatz, derzeit in einem Lager eines Pharmahandels im Dresdner Norden. Ein Reinigungs-Objekt der Firma Zwintscher ist auch das Kaufhaus Peek & Cloppenburg auf der Prager Straße, doch das hat derzeit geschlossen. Vor der Zeit mit Corona haben die drei Frauen eine Fahrgemeinschaft gebildet, jetzt müssen sie aufgrund der Ansteckungsgefahr einzeln fahren. "Doch auch dabei versuchen wir sie zu unterstützen", sagt Sarka Zwintscher.

Ihr Unternehmen ist nicht das einzige in Dresden, das tschechische Mitarbeiter beschäftigt. Nach den jüngsten Zahlen der Sächsischen Landesarbeitsagentur arbeiteten mit Stand zum 30. Juni 2020 genau 1.442 tschechische Staatsbürger in Dresden, 45 weniger als zum 31. März, sagt Pressesprecher Frank Vollgold. Auch Polen sind hier tätig, zum 30. Juni 2020 waren es 3038 und damit sogar 102 mehr als im März 2020.

Die Pendler sind vorwiegend in den Bereichen Transport, Logistik, verarbeitendes Gewerbe, Gesundheitswesen und Dienstleistungen eingesetzt. In ganz Sachsen arbeiten 11.246 Tschechen und 20.557 Polen. Auch diese Zahlen sind die aktuellsten der Agentur von Ende Juni 2020.

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