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Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen TU-Professor

Auslöser für die Ermittlungen sind Datenfälschungen und Betrug bei einer psychiatrischen Studie. Mehr noch: Jetzt werden auch alle Rechnungen überprüft.

Das große Aufarbeiten des Betrugsskandals an der TU Dresden hat begonnen. Eigentlich sollte die Studie die Patientenversorgung verbessern, das ist nun offen.
Das große Aufarbeiten des Betrugsskandals an der TU Dresden hat begonnen. Eigentlich sollte die Studie die Patientenversorgung verbessern, das ist nun offen. © dpa/Oliver Killig

Dresden. Er gilt als einer der internationalen Top-Forscher der Psychiatrie. Jetzt hat er den größten Betrugsskandal in Sachsen seit der Wende zu verantworten. Hans-Ulrich Wittchen war jahrelang Professor an der TU Dresden.

Nach zwei Jahren intensiver Recherchen hat die Untersuchungskommission im Februar festgestellt: Bei dieser großen Klinik-Studie, genannt PPP, wurde massiv gefälscht. Im Abschlussbericht der Kommission ist von vorsätzlichen Manipulationen, nachträglichen Veränderungen, von Vertuschung und Betrug durch den TU-Professor und Projektleiter Hans-Ulrich Wittchen die Rede. An die zehn Prozent der Daten seien auf nicht akzeptable Weise in die Studie hineingekommen, heißt es im Abschlussbericht .

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Die Untersuchungsergebnisse sind so schwerwiegend, dass inzwischen die Staatsanwaltschaft Dresden ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Und die Fälschungen werden wahrscheinlich weitere Konsequenzen haben: Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow hat die Rektorin der TU Dresden gebeten, ein Disziplinarverfahren gegen Wittchen einzuleiten. Dieses wurde inzwischen ebenfalls begonnen, ruht aber, bis eine Entscheidung im Strafverfahren vorliegt, teilte die TU Dresden am Mittwoch in einer Erklärung zum Betrugsfall Wittchen mit.

Jetzt werden auch noch alle Rechnungen geprüft

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Inzwischen werden auch finanzielle Unregelmäßigkeiten untersucht. Diese lagen nicht in der Kompetenz der wissenschaftlichen Kommission. Ein externer Prüfer überprüft im Auftrag der Uni alle Belege seit 2012 bis zur Emeritierung Wittchens im März 2017. Es habe „Hinweise haushaltsrechtlichen Fehlverhaltens des Projektleiters in seiner Zeit als Professor an der TU Dresden“ gegeben, heißt es von der Universität. Abhängig vom Ergebnis der Prüfung könnte Wittchen dann auch noch ein zivilrechtliches Verfahren drohen.

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