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An der TU Dresden wird die Unsterblichkeit erforscht

Zehn Doktoranden arbeiten zum Thema Künstliche Intelligenz mit einem Gast aus einer eher untypischen Branche zusammen.

Der Künstler Christian Kosmas Mayer und die Doktorandin Rebekka Roschy neben einer Skulptur Mayers, die er in eine Säule des ehemaligen Berliner Schlosses schnitzen ließ.
Der Künstler Christian Kosmas Mayer und die Doktorandin Rebekka Roschy neben einer Skulptur Mayers, die er in eine Säule des ehemaligen Berliner Schlosses schnitzen ließ. © Sven Ellger

Dresden. "Ich will die Grenze der Endlichkeit aufweichen." Christian Kosmas Mayer beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz (KI), einer Technologie, die dem Menschen zwar überlegen ist, ihm aber in ferner Zukunft auch ein neues Leben schenken könnte. "Mit Hilfe von KI könnte man eine digitale Kopie der Seele herstellen, eine Art Archiv digitaler Erinnerungen. So würde die Seele digital unendlich weiterleben."

Mayer beschäftigt sich mit Prozessen des Archivierens und des Konservierens, vor allem des menschlichen Körpers und der Seele. Allerdings ist er kein klassischer Wissenschaftler, sondern Künstler. 

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Was er betreibt, nennt er "künstlerische Forschung", im Gegensatz zur Naturwissenschaft sind seine Ergebnisse "höchst anzweifelbar." In seinen Projekten verbindet er Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Autonome Militärtechnik, Deep Learning und Magie

Und damit will er zehn Doktoranden der TU neue Perspektiven eröffnen. Sein künstlerisches Denken trifft auf Künstliche Intelligenz, und diese wiederum auf die aus Sozial- und Geisteswissenschaft stammenden Themen der Doktorarbeiten. Ihre Verfasser beschäftigen sich unter anderem mit autonomer Militärtechnik, Deep Learning und Magie.

In einer ersten Phase will sich Mayer erst einmal mit den einzelnen Themen der zehn Doktorarbeiten auseinandersetzen. Erst in einem zweiten Schritt setzt er dann seine neuen Erkenntnisse in Kunst um. 

Von dieser sollen dann wieder die angehenden Doktoren profitieren, genauso wie die breite Gesellschaft, die sich die Ergebnisse ab März 2021 in einer Ausstellung in der Altana-Galerie der Kustodie an der TU Dresden anschauen kann.

Christian Kosmas Mayer stammt aus Wien und hat die internationale Ausschreibung zum "Artist in Residence" für das  im April initiierte "Schaufler Lab" an der TU Dresden gewonnen. Das Projekt soll zukunftsweisende Technologien wie KI und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft aus einer interdisziplinären Sichtweise betrachten.

Kunst mit Wissenschaft und Forschung verbinden

Dabei kooperiert die Universitätssammlung mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft an der TU und mit der Schaufler Foundation aus Sindelfingen bei Stuttgart. Letztere hat sich zum Ziel gesetzt, Kunst mit Wissenschaft und Forschung zusammenbringen und unterstützt das Projekt mit etwa einer Million Euro.

"Es soll nicht nur ein universitäres Projekt sein, sondern auch in die Stadt und in das Land ausstrahlen", betont Ingo Smit, der Vorsitzende der Stiftung.

Jedes Jahr soll es ein neues Leitthema geben und einen dazugehörigen Künstler, der die Doktoranten für sechs Monate begleitet. In der ersten Phase des Projekts von 2020 bis 2022 stehen Künstliche Intelligenz und deren gesellschaftliche Ursachen und Folgen im Mittelpunkt. Diese sei in der Öffentlichkeit noch schwer begreifbar, sagt Prof. Lutz Hagen, der das Projekt mit betreut; die künstlerische Umsetzung könne die Technologie verständlicher machen.

"Künstler sollten in den Universitäten eine größere Rolle spielen, weil sie noch einmal einen neuen Blick auf gesellschaftlichen Wandel haben", sagt auch Kirsten Vincenz, die das Projekt auf der künstlerischen Seite leitet. 

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Bald soll dafür das "Schauffler Studio" eingeweiht werden, in dem der jeweilige Künstler mit den Doktoranden arbeiten kann und auch öffentliche Vorträge und Diskussionsrunden stattfinden können. Den nächsten Vortrag hält Christian Kosmas Mayer am kommenden Mittwoch unter dem Titel "Chronopolitik der Form in unsicheren Zeiten".

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