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TU Dresden will Whistleblower schützen

Eine weitere Untersuchung im Betrugsfall der Psychologie an der TU Dresden ist kurz vor dem Abschluss. Es geht um veruntreute Gelder.

Psychologie-Professorin Ursula M. Staudinger ist seit einem Jahr Rektorin der TU Dresden.
Psychologie-Professorin Ursula M. Staudinger ist seit einem Jahr Rektorin der TU Dresden. © Matthias Rietschel

Die Technische Universität Dresden will ein Konzept für mehr Redlichkeit und Ehrlichkeit in der Wissenschaft umsetzen. Drei Beschwerdestellen wurden dafür eingerichtet: Eine für wissenschaftlich gute Praxis, eine für Antikorruption und Finanzen sowie eine für Redlichkeit im zwischenmenschlichen Umgang. Das sagte jetzt Ursula M. Staudinger, Psychologie-Professorin und Rektorin der TU Dresden, der Sächsischen Zeitung in einem Gespräch zu Machtmissbrauch und Betrug.

Anlass dafür war eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPS). Sie hatte im Sommer die wissenschaftlich arbeitenden Psychologen befragt. 1.339 Antworten kamen. Zwei Drittel haben demnach in ihrem Berufsleben schon einmal Schikanen am Arbeitsplatz oder wissenschaftliches Fehlverhalten beobachtet. Knapp die Hälfte war schon einmal direkt von Schikanen betroffen oder unmittelbar in wissenschaftliches Fehlverhalten einbezogen. Nicht selten in Kombination.

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„Wir können uns durchaus vorstellen, eine ähnlich gelagerte Umfrage auch bei uns an der Universität zu machen“, sagt dazu die Rektorin. Schon ganz konkret indes wird jetzt erst einmal ein anderes Projekt der TU: „Im Herbst starten wir eine digitale Plattform für Hinweisgeber, die es erlaubt, anonym Vorfälle zu melden“, kündigt Staudinger an. „Damit wollen wir die Hemmschwelle, uns auf Fehlverhalten und Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, noch mal deutlich niedriger setzen.“

Ein Thesenpapier der DGPS, ergänzend zu der Umfrage, hat die Angst und die Gefährdung für Whistleblower als eine der entscheidenden Ursachen für fortgesetzten Machtmissbrauch in der Wissenschaft genannt. An diesem Thesenpapier hatten auch zwei Dresdner TU-Professoren mitgearbeitet. Sie sind in genau jenem Bereich tätig, in dem im Februar der größte Betrugsskandal der TU in der Nachwendezeit aufgedeckt wurde, die gefälschte Psychiatrie-Studie von Hans-Ulrich Wittchen. Die Erfahrung der TU-Professoren aus diesem Umfeld fließt daher in das Thesenpapier der DGPS mit ein.

Die große Mehrheit der Professoren arbeitet mit ihren Teams bestens, da wird dies nicht zum Problem. Aber andererseits: Diese Situation an Hochschulen und Instituten lade „entsprechend disponierte Charaktere geradezu zum Machtmissbrauch ein“, heißt es in dem Thesenpapier der DGPS weiter. Eine der zentralen Forderungen: Whistleblower müssen besser geschützt werden.

Genau dort setzt jetzt die TU erst einmal an. „Es geht darum, die Anonymität der hinweisgebenden Personen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, und dennoch seitens der Universität die Vorgänge untersuchen zu können“, begründet dies die Rektorin. Die anonyme Plattform stehe allen drei Bereichen zur Verfügung, also Korruption, Machtmissbrauch und Betrug. Für Anfang 2022 ist die SZ erneut mit der TU-Rektorin genau dazu verabredet, ein erstes Fazit soll es dann geben.

Untersuchung zur Korruption

Unterdessen beschäftigt die Uni der Fall Hans-Ulrich Wittchen immer noch. Im Februar war zwar die offizielle Untersuchungskommission zum klaren Ergebnis gekommen, seine Millionen-Euro teure Psychiatrie-Studie wurde durch ihn vorsätzlich manipuliert. Betrug und Machtmissbrauch sind im Abschlussgutachten dokumentiert. Damit war der Fall aber nicht abgeschlossen. Erst danach gab es erneute Hinweise von Mitarbeitern gegen Wittchen, diesmal bei der Antikorruptionsbeauftragten.

„Wir lassen das damalige finanzielle Verhalten am Lehrstuhl von Professor Wittchen von einem externen Experten, einem ehemaligen Mitarbeiter des Sächsischen Landesrechnungshofes, überprüfen“, sagt Staudinger. „Es geht hier um rund 1.000 Belege. Wir erwarten den Abschlussbericht Mitte Oktober.“

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Weiterhin läuft gegenwärtig gegen Prof. Wittchen ein Disziplinarverfahren der TU. Das Wissenschaftsministerium hatte die Uni dazu beauftragt. „Das haben wir getan“, sagt Staudinger. „Es ruht aber im Moment, weil die Staatsanwaltschaft ihrerseits ein strafrechtliches Verfahren gegen Professor Wittchen eingeleitet hat. Wir warten den Ausgang dieses Verfahrens ab, um das dann bei weiteren juristischen Schritten unsererseits berücksichtigen zu können. “

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