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Jobgarantie für Azubis im Dresdner Rathaus?

Die Stadt ist der größte Arbeitgeber Dresdens und der wohl wichtigste Ausbilder. Jetzt gibt es die Forderung, dies anders zu nutzen als bisher.

Im Dresdner Rathaus werden viele junge Menschen ausgebildet, doch nicht alle übernommen. Das soll sich ändern.
Im Dresdner Rathaus werden viele junge Menschen ausgebildet, doch nicht alle übernommen. Das soll sich ändern. © Symbolbild, Bundesinnung der Hörakustiker

Dresden. Mehr als 7.000 Mitarbeiter hat die Dresdner Stadtverwaltung. Aber auch im Rathaus fehlen permanent Mitarbeiter, Stellen können nicht besetzt werden. In Kitas fehlen Erzieher, im Verkehrsbereich war es ein Problem, Radwegplaner zu finden und einiges mehr.

Ein Teil der Strategie der Stadt ist es, den Nachwuchs selber auszubilden. Die Verwaltung ist nicht nur ein riesiger Arbeitgeber, sondern bildet auch viele junge Menschen aus - vom Lehrberuf bis zum Studium.

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418 Personen haben von 2016 bis 2020 in der Stadtverwaltung eine Lehre oder ein Studium begonnen und einige davon mittlerweile abgeschlossen. Dazu kommen 152 junge Menschen, die in den Eigenbetrieben der Stadt ihre Lehre machen oder bereits abgeschlossen haben.

Die Übernahmequote liegt zwischen Null und 100 Prozent - je nach Beruf. Das ist der SPD zu wenig. Stadtrat Vincent Drews fordert nun eine Übernahme-Garantie.

Welche Berufe können gelernt werden?

Das Spektrum reicht von Maßschneider über Notfallsanitäter, Vermessungstechniker, Gärtner, Tischler, Mechatroniker, Kaufleute für Büromanagement und Brandmeister bis hin zu Verwaltungsfachangestellten. Studieren können Interessierte soziale Arbeit, Sozialverwaltung, allgemeine Verwaltung, Event-Sportmanagement, Vermessungswesen und Brandoberinspektor.

In den Eigenbetrieben der Stadt reicht das Angebot von Fachinformatiker, Bestattungsfachkraft, Informationstechniker, Krankenpfleger, Hebamme bis zum Studium Gesundheits- und Sozialmanagement.

Wie viele Auszubildende werden übernommen?

Diese Zahl schwankt sehr. Das Rathaus hat nur bei der Feuerwehr alle Brandmeister - das waren seit 2016 genau 77 - und die zehn Brandoberinspektoren nach dem Studium alle übernommen. bei 100 Prozent liegt auch die Quote bei den 14 Absolventen des Studiengangs Sozialverwaltung und einem Vermessungsoberinspektor.

Von den ausgebildeten Tischlern wurde lediglich einer von drei übernommen, bei den Veranstaltungstechnikern war es knapp die Hälfte, nur etwas mehr bei den Notfallsanitätern. Im Durchschnitt ist die Übernahme-Quote in den Eigenbetrieben höher, schwankt zwischen 56 und 100 Prozent.

Chancen für die kommenden Jahre? Die Dresdner Stadtverwaltung gehört zu den größten Arbeitgebern und Ausbildern der Stadt.
Chancen für die kommenden Jahre? Die Dresdner Stadtverwaltung gehört zu den größten Arbeitgebern und Ausbildern der Stadt. © Sven Ellger

Weshalb werden Absolventen nicht eingestellt?

"Zum Teil wurde von Seiten der Auszubildenden oder Studierenden keine Übernahme gewünscht", so die Antwort der Stadt auf Anfrage von Drews. Sie erhielten Angebote anderer Arbeitgeber und einige waren auch nur für die Ausbildung in Dresden. In einigen Fällen wurde aber auch seitens der Stadt die Ausbildung verlängert - aufgrund von "Fehlzeiten oder Minderleistungen", so die Stadt.

Im Eigenbetrieb IT der Stadt gebe es keine "Bestrebungen zur Garantie einer unbefristeten Übernahme", da sich "qualitative Unterschiede" erst im Laufe der Ausbildung zeigen können. Das Klinikum Dresden dagegen bildet generell mehr Krankenpfleger und ähnliche Berufe aus, als als benötigt werden.

Wie bekommt man eine unbefristete Stelle?

Es gebe aber eine Dienstvereinbarung zur Übernahme von Auszubildenden, heißt es in der Antwort aus die Frage des SPD-Stadtrates. "Diese Übernahmeregelung soll durch Bildung einer Rangfolge entsprechend der Ausbildungs- und Studienleistungen und die mögliche Auswahl einer Stelle in der Verwaltung zu besseren Leistungen in der Ausbildung und im Studium motivieren", heißt es weiter.

Unbefristete Übernahmen im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium seien eine freiwillige Möglichkeit, die die "Leistungsbereitschaft" fördern solle. In der Regel werden Absolventen zunächst befristet eingestellt.

Im Friedhofsbereich werden nur so viele Personen ausgebildet, wie auch benötigt werden. Nur bei schlechten Ausbildungsleistungen oder wenn "disziplinarische Maßnahmen" notwendig sind, gibt es befristete Übernahmen - sonst werden alle, die wollen unbefristet eingestellt.

Was fordert Stadtrat Drews?

Die Verwaltung könne eigene Regelungen treffen - auch unabhängig von dem, was im Tarifvertrag geregelt ist. "Deshalb fordern wir eine Übernahme-Garantie", so Drews.

100 Prozent seien selbstverständlich nicht möglich, aber eine Verbesserung der Quote. "Die Garantie würde den Menschen, die sich für eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung interessieren, Sicherheit geben", argumentiert Drews. Denn einige Ausbildungen seien schon speziell, sodass es kaum andere Einsatzmöglichkeiten als in einer Verwaltung gebe. Dresden habe aber ein Nachwuchs-Problem. "Zu einer Personal-Strategie gehört die Fachkräftesicherung und diese könnte mit der Garantie verbessert werden", so Drews.

Wie würden die Dresdner profitieren?

Drews erläutert, dass das auch den Bürgern zugute kommen würde. "Der Bedarf ist da, das zeigt sich an den Bearbeitungszeiten von Anträgen, Bebauungsplänen und einigem mehr, so der SPD-Stadtrat.

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