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Mehr Unfälle mit E-Bikes und Pedelecs in Dresden

Fast 400 Verletzte und drei Tote hat die Polizei seit 2018 gezählt. Dabei sind es nicht die Räder selbst, die für die Unfälle verantwortlich sind.

Mit diesem Pedelec ist in Dresden ein 60-Jähriger gestürzt. Bei einem Bremsmanöver ist das Fahrrad vorn auseinandergebrochen.
Mit diesem Pedelec ist in Dresden ein 60-Jähriger gestürzt. Bei einem Bremsmanöver ist das Fahrrad vorn auseinandergebrochen. © Archiv/Roland Halkasch

Dresden. Das Bremsmanöver des 60-Jährigen verhinderte einen Zusammenstoß, doch der Mann hat sich trotzdem schwer verletzt. Auf der Kreuzung Goetheallee/Käthe-Kollwitz-Ufer stürzte am 23. September ein Pedelec-Fahrer. Der Mann konnte gerade noch verhindern, dass er mit einem wendenden Auto zusammenstößt, doch bei dem Bremsmanöver ging sein Elektro-Fahrrad kaputt. Es ist auseinandergebrochen.

Dieses Unglück geht als "Unfall mit Personenschaden" in die Statistik der Polizei ein. Eine Statistik, die zeigt, dass die Zahl solcher Unfälle mit Elektrofahrrädern und Pedelecs, also den noch stärkeren Fahrrädern, die ein Versicherungskennzeichen brauchen, in Dresden seit Jahren steigt. 2018 registrierten die Beamten 81 solche Unfälle, dabei wurden 84 Menschen verletzt. Einer starb dabei. 2019 waren es 101 Unfälle mit 99 Verletzten und ebenfalls einem Toten. Im Corona-Jahr 2020 sprangen diese Zahlen auf mehr als das Doppelte: 211 Unfälle mit 209 Verletzten, darunter wieder ein Toter.

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Dresdner Trend wird bestätigt

Diese Entwicklung entspricht auch dem bundesweiten Trend, die Zahlen gehen nach oben. "Die seit der Corona-Krise neu entfachte Begeisterung für das Rad- und Pedelecfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden", sagte der damalige Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Oktober 2020. Dabei hatte er die Zahlen im Blick, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hatte. Demnach war zwar die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern ohne elektrische Unterstützung von fast 34.860 im ersten Halbjahr 2019 auf reichlich 33.340 im Vergleichszeitraum 2020 gesunken. Die Zahl der Pedelec-Unfälle entwickelte sich bundesweit aber deutlich in die Gegenrichtung: von rund 4.250 im ersten Halbjahr 2019 auf knapp 6.230 in 2020 - ein Anstieg um 48 Prozent. Und während bei allen anderen Verkehrsarten die Zahl der Toten zurückgegangen war, stieg sie bei den Pedelec-Fahrern um rund sieben Prozent.

Gefährlich schnelle Fahrräder

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) bietet zum Beispiel in Württemberg Pedelec-Trainings an. "Viele Nutzer unterschätzen die Geschwindigkeit und das Gewicht der elektrischen Fahrräder", begründen die Organisatoren ihr Angebot. Beides sorge für ein anderes Fahrverhalten, das ein sorgfältiges Handling und vorausschauende Fahrweise erfordere.

Und weiter: "Vor allem ältere Menschen haben mit den Elektrofahrrädern häufig ein Problem, wie die Verteilung der Unfallzahlen auf unterschiedliche Altersgruppen zeigt." Sie stellen fest: Mit steigenden Verkaufszahlen steige auch die Unfallhäufigkeit, "darunter vermehrt auch Stürze ohne erkennbare Fremdeinwirkung". Das heißt, die Pedelec-Fahrer verunglücken, ohne dass ihnen wie im beschriebenen Fall ein Auto in die Quere gekommen ist. "Dies ist wahrscheinlich auf höhere Geschwindigkeiten und Überschätzungen der eigenen Fahrfertigkeiten zurückzuführen", stellt der ADAC in der Broschüre "Mit dem Pedelec mobil" fest.

Steigende Verkaufszahlen

Mit der Zahl der Nutzer steigt auch die Zahl der Unfälle. Und die Zahl der Nutzer steigt deutlich. Konkrete Zahlen dazu liegen dem ADFC Dresden zwar nicht vor, aber Geschäftsführer Edwin Seifert sagt: "Wir als ADFC Dresden beobachten, dass auch hier die Zahl der Pedelecs und E-Bikes deutlich zugenommen hat und noch weiter zunimmt."

Insbesondere bei Menschen, die älter als 50 Jahre sind, erfreue sich die Elektrounterstützung am Fahrrad großer Beliebtheit. Aber auch in den mittleren Jahrgängen würden verstärkt E-Bikes gekauft, etwa wenn auf dem Weg zur Arbeit Anhöhen zu überwinden sind oder die Strecke ihre Längen hat. Seifert hat auch ein Beispiel: Erst vergangene Woche habe ein Radfahrer sein Pedelec beim ADFC codieren lassen - er nutzt es für den Weg von Trachau zur Arbeit in Heidenau. "Hinzu kommt, dass das bergige Umland von Dresden ebenfalls viele Leute dazu bewegt, sich ein E-Bike zuzulegen", sagt Seifert.

Studie belegt Sicherheit

Elektrofahrräder sind nicht gefährlicher als Fahrräder ohne Antrieb, hat die Technische Universität Chemnitz bereits 2014 in einer Studie festgestellt, die in Zusammenarbeit mit dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) entstand. "Der Vergleich von Fahrrädern und Elektrofahrrädern zeigte, dass Elektrofahrräder per se keinem erhöhten oder anders gelagertem Sicherheitsrisiko als Fahrräder unterliegen", fassten die Wissenschaftler ihr Studienergebnis damals zusammen.

Dazu kommen Verkaufshilfen, unter anderem vom ADAC. Der Auto-Club testet auch Elektrofahrräder und Pedelecs und ordnet sie dann in eine Liste ein, in der potenzielle Käufer nachlesen können, welche Hersteller besonders gute oder weniger gute Fahrräder mit Elektromotor herstellen.

Höheres Verletzungsrisiko bei Älteren

Die Dresdner Polizei bestätigt: Immer mehr ältere Menschen steigen auf ein Pedelec um. Aber die Zahl der Unfälle mit älteren Pedelec-Fahrern sei zwischen 2018 und 2020 prozentual gesunken. Der Anteil der Menschen, die mindestens 65 Jahre alt und als Pedelec-Fahrer verunglückt sind, lag laut den Beamten 2018 bei 47 Prozent, zwei Jahre später waren es noch 33 Prozent.

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Allerdings sei der Anteil verletzter Pedelec-Fahrer in diesem Alter im Vergleich zu den verletzten Radfahrern insgesamt höher. "Eine Erklärung dafür könnte sein, dass ältere Menschen öfter schwere Verletzungen erleiden als junge Menschen", sagt Polizeisprecher Lukas Reumund. Und er äußert eine Vermutung: Ältere Menschen könnten sich zudem eher ein Pedelec leisten und nutzten diese erhöhte Mobilität auch, um Ziele in Angriff zu nehmen, die sie sonst nicht erreicht hätten.

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