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Tödlicher Unfall in Dresden nachgestellt

Ende August starb ein sechsjähriger an der Budapester Straße. Am Mittwoch wurden Teile des Unfalls rekonstruiert - an einer anderen Haltestelle.

An dieser Haltestelle kam am 22. August ein sechsjähriger Junge ums Leben, als er auf die Fahrbahn lief. Die Polizei stellte am Mittwochmorgen Teile des tödlichen Unfalls an anderer Stelle in Dresden nach.
An dieser Haltestelle kam am 22. August ein sechsjähriger Junge ums Leben, als er auf die Fahrbahn lief. Die Polizei stellte am Mittwochmorgen Teile des tödlichen Unfalls an anderer Stelle in Dresden nach. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Die Ermittlungen zum tödlichen Verkehrsunfall vom 22. August auf der Budapester Straße in Dresden, bei dem ein sechsjähriger Junge ums Leben kam, dauern an. Wie die Polizei nun mitteilt, wurden am Mittwochmorgen gemeinsam mit einem Gutachter Teile der Unfallsituation aus der Unglücksnacht nachgestellt. 

Schauplatz dieser Rekonstruktion war jedoch eine andere Haltestelle als die "Schweizer Straße", an welcher der Junge tödlich verletzt wurde. Gewählt wurde stattdessen die Haltestelle "Elbschlösser" an der Bautzner Straße. Dabei handle es sich um eine baugleiche Haltestelle, wie Polizeisprecher Marko Laske auf SZ-Nachfrage erläutert. 

Aus Pietätsgründen habe man den Unfall nicht am Originalschauplatz nachstellen wollen, da die Familie des Jungen, die in der Umgebung wohne, das Unglück nicht noch einmal durchleiden solle. "Da war auch eine Puppe dabei, das wäre sehr emotional für die Familie gewesen", so Laske.  

Rekonstruktion im Berufsverkehr

Der Polizeisprecher betont im Gespräch mit der SZ noch einmal, dass nicht der gesamte Ablauf des Unfalls nachgestellt wurde, sondern nur Teile davon. Es sei beispielsweise niemand mit einem Auto an der Haltestelle vorbeigefahren. Dass es bei der Rekonstruktion dennoch darum ging, die Geschwindigkeit des Unfallwagens zu ermitteln, wollte Laske jedoch nicht dementieren. Der Verdacht eines illegalen Kraftfahrzeugrennens stehe weiter im Raum, der Tatverdächtige sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Die Ergebnisse der Rekonstruktion fließen in das Ermittlungsverfahren mit ein. 

Die Polizei habe am Mittwoch mehrere Anfragen dazu bekommen, warum das Nachstellen der Unfallsituation im Berufsverkehr - genauer in der Zeit von 8 bis 12 Uhr, habe sein müssen, erzählt Laske. Er räumt ein, dass es durch die Rekonstruktion auch zu Behinderungen gekommen sei, weil Autos langsamer an der Haltestelle vorbeifuhren, oder sogar einmal kurz warten mussten. Laske bittet dafür um Verständnis: "Es geht um einen tödlichen Verkehrsunfall, da ist es Aufgabe der Polizei, hier Licht ins Dunkel zu bringen, da nehmen wir auch den stockenden Verkehr einmal in Kauf." 

Der Unfallfahrer Mohammad F. und ein Bekannter des gebürtigen Syrers waren am 22. August mit zwei Gebrauchtwagen, einem Mercedes und einem BMW, auf der Budapester Straße stadteinwärts unterwegs, Zeugen zufolge viel zu schnell. Kurz vor der Bushaltestelle an der Schweizer Straße erfasste F. mit seinem Mercedes den Sechsjährigen, der offenbar von einem Grünstreifen aus auf die Fahrbahn lief. Durch den Aufprall wurde der syrische Junge in die Scheibe des Haltestellenhäuschens geschleudert. Im Krankenhaus erlag er trotz Reanimationsversuchen seinen schweren Verletzungen.

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F. wurde später festgenommen, ein Haftrichter schickte den 31-Jährigen in Untersuchungshaft. Nach letzter Auskunft der Staatsanwaltschaft hat F. sich bisher nicht zum Unfall geäußert. 

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