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Corona-Uni: "Auf jeden Fall psychische Belastung"

Die Dresdner Schulen haben schon lange geöffnet. Am Unicampus hingegen herrscht kaum Betrieb. Gibt es eine Rückkehr? Und wollen die Studierenden das überhaupt?

Lehre auch weiterhin digital? Blick in verlassene die Zeltmensa der TU.
Lehre auch weiterhin digital? Blick in verlassene die Zeltmensa der TU. © Sven Ellger

Dresden. Lange ist es her, dass die Fahrradständer an der Technischen Universität chaotisch zugestellt waren. Etwas einsam stehen sie heute vor den großen Betonbauten, sie sind so leer wie die Stühle in den Seminarräumen und Mensen. Wo sich sonst Studierende im Pulk auf der Wiese versammelten, sieht man bisher nur einzelne Mitarbeiter eine Zigarette rauchen. "Es hat mehr was von einem Betriebsgelände als einem Unicampus", sagt ein Student. Viele Beschäftigte sind zwar zurück, die Studenten aber nicht.

Seit einem Jahr ist es auf dem Universitätsgelände in Dresden leise; gelernt und gelehrt wird über den Bildschirm von zuhause aus. Während die Schulen bereits seit Wochen wieder normal geöffnet haben, herrscht an der Uni noch immer Fernunterricht. Die Bibliotheken haben verkürzte Öffnungszeiten, die Seminarräume sind teilweise abgeschlossen. Dass die Uni für die Mehrheit noch immer geschlossen ist, liegt jedoch nicht an Sachsens-Corona-Verordnung. Sie erlaubt längst den Normalbetrieb mit Maske und Kontaktverfolgung.

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Was erlaubt ist, wird nicht automatisch auch gemacht

Vielmehr ist es die TU Dresden selbst, die sich zurückhaltend gibt: "Die Lehre soll in den verbleibenden Wochen des Sommersemesters weiterhin vorwiegend digital stattfinden", sagt Sprecher Benjamin Griebe. Ausnahmen für kleinere Seminare gäbe es zwar, aber wie viele Präsenzveranstaltungen in diesem Semester noch stattfinden werden, kann der TU-Sprecher nicht sagen. Im Mai während der dritten Welle waren es gerade einmal 10 Prozent der Studierenden, die einmal in der Woche an der Uni sein konnten. Auch die Prüfungen sollen weitestgehend digital stattfinden.

Die meisten Dozenten hätten sich nun auf ein digitales Semester eingestellt und es so geplant. Griebe erinnert daran, dass alle Studenten die gleiche Chance haben sollen, an der Lehre teilzunehmen; so auch die, die zur Risikogruppe gehören. Die meisten hätten außerdem keine Impfpriorisierung erhalten, bei ihnen beginnen die Impfungen also erst jetzt. Auch seien viele Studierende während der Zeit wieder zurück zu ihren Familien gezogen und hätten gar keine Wohnung in Dresden.

Haben die jungen Leute nicht lange genug gewartet?

Fragt man die studentische Senatorin Lara Edtmüller nach Geduld oder Ungeduld, bleibt sie gelassen. Sie vertritt die Interessen der Studierenden an der TU Dresden. "Ja, das Jahr vor dem Bildschirm war auf jeden Fall eine psychische Belastung für viele. Ich verstehe aber auch, dass die Uni erstmal nur Schritt für Schritt wieder öffnet und für den einen Monat des Sommersemesters nicht alles wieder umstellen möchte." Lara Edtmüller selbst wird bis zum Herbst keinen Hörsaal mehr von innen sehen. Und nimmt sie das als unfair wahr? Viele Schüler können ja schon längst wieder einen normalen Unterricht besuchen.

Eigentlich nicht. Natürlich wünsche sie sich ein richtiges Leben auf dem Campus. "Aber es ist eben doch was anderes angesichts der Pandemie eine Klasse mit 20 Schülern zu unterrichten oder eine Vorlesung vor 300 Studierenden zu halten." Für das Sommersemester wird der Unicampus also vorwiegend leer bleiben. Ein Großteil der Studierendenschaft sei damit einverstanden, sagt sie. Zufrieden vielleicht trotzdem nicht, gerade wer im ersten Jahr studiert, hätte noch keine Vorlesung live erlebt. Dennoch fordert nur eine kleine Gruppe namens "Studenten stehen auf", die dem Milieu der Querdenker offenbar zumindest nahe steht, die sofortige Öffnung.

Digitale Lehre wird auch zukünftig eine Rolle spielen

Lara Edtmüller hofft auf den Herbst: "Ich finde es beflügelnd zu wissen, dass es dann wieder losgeht." Auch das Rektorat setzt auf das nächste Semester. Dann könnte der Präsenzbetrieb wieder starten, zumindest teilweise. "Denn wie sich die Pandemielage bis dahin entwickelt, wissen wir nicht", sagt Sprecher Griebe. "Die Effekte der Delta-Variante oder möglicher zukünftiger Virusmutationen sind nicht vorherzusehen." Deshalb sollen sich die Dozenten für das Wintersemester trotzdem auf digitale Alternativen vorbereiten, falls volle Hörsäle mit dicht aneinandergedrängten Studierenden noch immer tabu sein sollten. Die Konferenz der Sächsischen Studierendenschaft fordert deshalb vom Freistaat, allen Studierenden bis zum Herbst eine Impfung gegen das Corona-Virus anbieten zu können, um ein viertes Corona-Semester zu verhindern. "Die psychische Situation vieler Studierender ist unglaublich angespannt. Auch deswegen wäre ein viertes rein digitales Semester, in dem die Studierenden keinerlei Austauschformate in Präsenz nutzen können, unzumutbar", sagt Student Felix Fink von der KSS.

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Welche Auswirkungen das digitale Studienjahr auf die jungen Menschen haben wird, kann noch niemand genau sagen. Eine Umfrage der TU Dresden habe im Frühjahr ergeben, dass vielen Studierenden die sozialen Kontakte fehlten. Einsamkeit, wenig Austausch. "Ich vermisse vor allem das, was zwischen den Vorlesungen passiert. Die gemeinsamen Pausen und die Gespräche", sagt Lara Edtmüller. Inwieweit die digitale Lehre auch zukünftig eine Rolle im Studienalltag spielen wird, bleibt abzuwarten. Lauscht man den Gerüchten zwischen den Fluren, will so mancher Dozent die Online-Lehre beibehalten. Zum Alltag soll sie aber nicht werden.

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