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Bus und Bahn sollen schneller durch Dresden fahren

Die Dresdner Verkehrsbetriebe tuckern immer langsamer durch Dresden. Das soll sich schnell ändern, wird in einem Antrag im Stadtrat gefordert. Wie das gehen soll.

Von Andreas Weller
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Ausgebremst vom Autoverkehr? Das soll für Busse und Bahnen in Dresden ein Ende haben, wenn es nach der Linken geht.
Ausgebremst vom Autoverkehr? Das soll für Busse und Bahnen in Dresden ein Ende haben, wenn es nach der Linken geht. © René Meinig

Dresden. Aktuell wird viel über die Finanzierung der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) diskutiert. Spätestens seit dem geheimen DVB-Spar-Gutachten ist dies zum Politikum geworden.

Denn die Gutachter schlagen drastische Fahrpreiserhöhungen, Personalabbau, weniger Leistung und den Verzicht auf den Streckenausbau vor. Grund dafür ist, dass der Zuschussbedarf der DVB deutlich steigt. Eine Fraktion des Stadtrates will jetzt schnell bei den DVB sparen, mit relativ einfachen Mitteln.

Nach dem Aufschrei wegen der Vorschläge aus dem Gutachten gab es Anfang November eine Experten-Anhörung zur künftigen Finanzierung der DVB. Neben Fahrpreiserhöhungen gab es auch die Vorschläge, die Parkgebühren deutlich zu erhöhen, diese überall in der Stadt zu erheben und eine höhere Tourismusabgabe.

"Das einzig relevante und kurzfristig umsetzbare Einsparpotenzial ist eine umgehende und reale Beschleunigung für die DVB", sagt Linke-Stadtrat Jens Matthis. Denn mit jedem Fahrzeug, auf das die DVB verzichten und trotzdem den Takt einhalten können, werden bis zu 500.000 Euro pro Jahr gespart.

"Task Force" für schnelle Umsetzung

Matthis fordert, dass Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) eine "Task Force", also eine Art besondere Arbeitsgruppe, einsetzt, die alle Maßnahmen prüft, die dazu führen, dass Busse und Bahnen schneller durch Dresden fahren können.

In der Gruppe sollen Mitarbeiter der DVB und allen zuständigen Bereichen der Verwaltung wie der Verkehrsplanung, des Straßenbauamtes und der Polizeibehörde gemeinsam beraten. So könnten Ampelschaltungen entsprechend angepasst, der Nahverkehr bevorrechtigt, separate Busspuren gebaut oder entsprechende Fahrbahnmarkierungen vorgenommen werden.

Stadtrat soll Macht abgeben

Alle Maßnahmen, die den DVB helfen, schneller zu werden, und die zwischen DVB und Stadtverwaltung unstrittig sind, sollen umgehend umgesetzt werden. "Nur wenn Verwaltung und DVB unterschiedlicher Auffassung sind, sollen diese den Entscheidern vorgelegt werden", so Matthis, also OB Hilbert, wenn es Sache der laufenden Verwaltung ist, oder des Stadtrats. Bei finanziellen Konsequenzen für den Haushalt, also wenn mehr Geld benötigt wird, soll der Stadtrat ebenfalls darüber entscheiden.

Die "Task Force" soll lediglich regelmäßig dem Bauausschuss über die Umsetzung berichten. "Wird das zu viel, kann bei Bedarf eine interfraktionelle Arbeitsgruppe einberufen werden", so Matthis.

Einschnitte für Autofahrer möglich

"Wir müssen jetzt konsequent den Nahverkehr beschleunigen", sagt Matthis. Der Fokus bei der Umsetzung der Maßnahmen müsse genau darauf ausgerichtet werden. "In einigen Fällen wird der motorisierte Individualverkehr auch davon profitieren, an anderen Stellen aber nicht."

Damit meint Matthis, dass Autos durchaus auch mal ausgebremst werden könnten. Aber es könne nicht länger sein, dass Busse und Bahnen lange an Ampeln im Stau stehen, weil Autos die Schienen blockieren - wie beispielsweise auf der Marienbrücke oder an der Ampel für Linksabbieger auf der Kesselsdorfer Straße, direkt am Kaufland-Supermarkt.

Knapp ein Drittel Fahrzeitverlust an Ampeln

Aus Sicht der DVB sei dieser Antrag die konsequente Umsetzung der Stadtratsbeschlüsse von vor einigen Jahren. Da hat der Rat beschlossen, dem realen Ausbremsen von Bussen und Bahnen entgegenzuwirken und das Ziel ausgegeben, den Anteil der DVB am Verkehr auf 25 bis 30 Prozent zu erhöhen.

"Knapp ein Drittel unserer Fahrzeit verlieren wir an Ampeln", bestätigt DVB-Sprecher Falk Lösch. Werden die Forderungen des Antrags von Matthis umgesetzt, "könnte das helfen, das Angebot zu stabilisieren", so Lösch. Werden die DVB schneller, seien sie auch attraktiver für die Kunden. "Die Veränderung der Ampelschaltungen könnte zu mehr Fahrplantreue führen, bei mehreren Ampeln auch dazu, Fahrzeuge einzusparen", bestätigt Lösch.

Im Grunde fordert die Linke damit auch eine konsequente Umsetzung eines Vorschlags von OB Hilbert. Der hatte im Mai mehr Geld für die Beschleunigung der DVB gefordert.