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Corona verzögert Öffnung der Augustusbrücke

Mitte Dezember sollten die ersten Bahnen über Dresdens älteste Brücke rollen. Daraus wird nichts. Die Serie der geplatzten Termine geht weiter.

Von Kay Haufe
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Eigentlich sollte sie längst wiedereröffnet sein, doch noch immer wird auf der Augustusbrücke gearbeitet.
Eigentlich sollte sie längst wiedereröffnet sein, doch noch immer wird auf der Augustusbrücke gearbeitet. © Sven Ellger

Dresden. Mittlerweile haben sich die Dresdner wohl daran gewöhnt, dass bei der Sanierung der Augustusbrücke nichts so funktioniert, wie es geplant war. Die ursprüngliche Bauzeit von zwei Jahren hat sich mehr als verdoppelt. Immer wieder mussten Termine zur Fertigstellung verschoben werden.

Als die Arbeiten im April 2017 begannen, wurde der März 2019 als Bauende benannt. Daraus wurde Sommer 2019 und schließlich Sommer 2021. Zuletzt war von einer Wiedereröffnung der Augustusbrücke im Dezember dieses Jahres die Rede. Doch auch daraus wird nichts. "Mit dem Straßenbahnbetrieb ist Ende Januar 2022 zu rechnen", sagt Simone Prüfer, die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes (STA). Diesen Termin bestätigt auch der Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Es begann schon mit einer bösen Überraschung im Innern der Brücke. Eine alte Dichtung aus Steinkohlenteer musste entfernt werden. 2020 waren es brütende Hausrotschwänzchen, wegen deren Schutz es Verzögerungen bei den Bauarbeiten gab, später Mehlschwalben, die zu schützen waren.

In diesem Jahr verwies die Stadt auf die aufwendige denkmalgerechte Sanierung, bei der alte und neue Sandsteine zeitraubend zusammengefügt werden müssten. Auch das Wetter spiele eine Rolle, weil stets im Freien gearbeitet wird. Aktuell ist es das Coronavirus, das die Freigabe der Brücke verzögert. Ursache sei der coronabedingte Ausfall von Arbeitskräften, sagt die Leiterin des STA.

Bis zur Wiedereröffnung der Brücke müssen noch Fahrspuren gepflastert werden. Für den Betrieb der Straßenbahnlinien 4, 8 und 9, die nach fast fünf Jahren wieder auf ihren originalen Fahrtweg über Theaterplatz und Augustusbrücke zurückkehren, muss außerdem noch die Oberleitung montiert werden.

Auch die Kosten sind explodiert

Neben der zeitlichen Verdopplung der Bauzeit wird die Sanierung der Augustusbrücke auch deutlich teurer als geplant. Waren vor dem Baubeginn rund 22 Millionen Euro dafür vorgesehen, erhöhte sich die Summe Ende November 2019 auf fast 25 Millionen. Ende Dezember 2020 wuchs sie auf rund 28 Millionen Euro an. Ob die Bausumme inzwischen erneut gestiegen ist, ließ die Leiterin des STA unbeantwortet. Angesichts stark gestiegener Materialpreise in diesem Jahr ist davon auszugehen.

Zwischendurch gab es auch Turbulenzen zu vergebenen Fördermitteln im Hinblick auf die Brückennutzung. Denn nach ihrer Wiedereröffnung soll die Augustusbrücke autofrei sein, ähnlich der Prager Karlsbrücke. Das hatte der Stadtrat beschlossen, auch, weil dort nur 6.200 Fahrzeuge täglich unterwegs waren. Künftig dürfen nur noch Taxis sowie Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge sollen neben Radfahrern und Straßenbahnen über die Brücke fahren dürfen.

Die Stadt hatte jedoch Fördermittel für den Straßenbau in Höhe von 2,1 Millionen Euro vom Land Sachsen erhalten hatte. Daran ist in der Regel die Bedingung geknüpft, dass der Straßenzustand nach einer Sanierung für alle Verkehrsteilnehmer besser wird. Es gab unterschiedliche Auffassungen über die rechtmäßige Gewährung der Fördermittel. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) stellte im Sommer aber klar, dass alles rechtens war. "Die Attraktivität der historischen Augustusbrücke und der Innenstadt wird durch die Teilsperrung für den Individualverkehr spürbar erhöht, die individuelle Mobilität wird kaum bis gar nicht eingeschränkt", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Stadt und Wirtschaftsministerium.

Trennung von Fuß- und Radverkehr

Wenn die Brücke endlich wieder komplett genutzt werden kann, haben Fußgänger dann extrabreite Fußwege für sich allein, Radfahrer müssen auf die Straße. Aus Denkmalschutzgründen ist hier zwar wieder Pflaster verlegt worden, aber ein sehr glatt geschnittenes, das für Radfahrer gut befahrbar ist.

Auch der Theater- und der Schloßplatz werden dann endlich wieder begehbar sein. Bisher dienten sie als Lagerplätze für Baumaterial zur Brückensanierung.

1.500 Tonnen neuer Sandstein wurden bei den Arbeiten an der Brücke verbaut. Sie sind von den Sächsischen Sandsteinwerken Pirna geliefert worden. Bei den Brüstungen sind die kleinsten Steine zehn Zentner schwer, die größten bringen bis zu drei Tonnen auf die Waage. Dabei handelt es sich um die großen Steine, auf denen die Beleuchtungs- und Fahrleitungsmasten stehen. Abgebaut wird der Sandstein nur wenige Kilometer von der östlichen Dresdner Stadtgrenze entfernt an der Lohmener Mühlleite. Das ist einer von sechs Steinbrüchen des Unternehmens rings um Pirna. (mit SZ/phi)