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Dresden: Große Bedenken bei neuer Elbbrücke

Brückenbau ist in Dresden kein Thema für eine schnelle Lösung, meinen viele SZ-Leser. Und eine Fähre ist in Pieschen noch längst nicht aus dem Rennen.

Vom Fähranleger auf der Ostra-Seite gibt es noch Reste, man muss sie aber suchen. Dennoch finden viele eine Wiederbelebung der Fähre dort besser als eine Brücke.
Vom Fähranleger auf der Ostra-Seite gibt es noch Reste, man muss sie aber suchen. Dennoch finden viele eine Wiederbelebung der Fähre dort besser als eine Brücke. © SZ-Archiv/André Wirsig

Dresden. Die Erinnerung an die Vorgeschichte der Waldschlößchenbrücke, die jahrelange Planung und den Streit um die Elbquerung oberhalb der Albertbrücke, ist allgegenwärtig. Sie wird nach den SZ-Berichten über die neue Elbbrücke, die künftig Pieschen und das Ostragehege verbinden könnte, häufig erwähnt. "Wenn diese Brücke gebaut wird, bevor ich in Rente gehe - in wahrscheinlich 27 Jahren - fresse ich den sprichwörtlichen Besen", schreibt ein Leser von Sächsische.de auf Facebook. In diesen Tenor stimmen viele Dresdner mit ein.

Grundsätzlich aber überwiegt bei den Kommentatoren eher die Zustimmung zu der Überlegung, dort eine Brücke zu bauen. "Variante 3a sieht doch vernünftig aus", schreibt ein Dresdner zu der Verbindung, die das Ostragehege mit Pieschen am Rand der Flutrinne verknüpfen soll. "Eine Querung der Elbe in dem Bereich finde ich äußerst sinnvoll."

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"Stehen Fährverbindung sehr aufgeschlossen gegenüber"

Doch auch der Gedanke, wieder eine Fährverbindung zwischen dem Ballhaus Watzke und der Ostra-Insel einzurichten, hat viele Fürsprecher. Sie addieren die prognostizierten Kosten der Fähre samt den Zuschüssen für deren Betrieb und schlussfolgern, eine Fähre könnte mindestens 40 Jahre lang fahren, bevor sie so viel kostet wie eine neue Brücke für Fußgänger, Radfahrer und Straßenbahnen.

Nicht alle Stadtratsfraktionen haben sich mit der Untersuchung aus dem Bauausschuss bereits eingehend beschäftigt, die Grünen können sich derzeit zudem nicht schnell dazu positionieren, weil ihre Verkehrspolitik-Expertin Susanne Krause im Urlaub ist. Doch die bereits abrufbaren Meinungen sind eindeutig. Jens Matthis (Die Linke) vertritt seine Fraktion im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften. Seine Faktion habe sich mit der Untersuchung noch nicht beschäftigt, sagt Matthis, seine Partei stehe einer Fährverbindung Pieschen-Ostragehege aber "sehr aufgeschlossen" gegenüber.

1,7 Millionen Euro müssten für die Fähre und die Anleger ausgegeben werden, heißt es in der Untersuchung, weitere 2,5 Millionen Euro für barrierefreie Wege zu beiden Anlegestellen und schließlich 250.000 Euro im Jahr für den Schiffsbetrieb. Vorausgesetzt werden dabei 600 Fahrgäste pro Tag. Matthis sagt: "Unabhängig von der Frage, ob an dieser Stelle langfristig eine Brückenverbindung sinnvoll ist und in welchem Zeitraum diese zu realisieren wäre, könnte eine Fährverbindung in vergleichsweise kurzer Zeit eingerichtet werden." Ihr tatsächlicher Nutzen lasse sich "vermutlich nur durch praktische Erprobung ermitteln".

In der Untersuchung von drei Brückenstandorten zwischen dem Ostragehege und Pieschen wird diese Variante mit dem Pieschener Brückenkopf an der Flutrinne favorisiert.
In der Untersuchung von drei Brückenstandorten zwischen dem Ostragehege und Pieschen wird diese Variante mit dem Pieschener Brückenkopf an der Flutrinne favorisiert. © Landeshauptstadt Dresden

Stefan Engel sieht in der Studie die Skepsis der SPD-Fraktion gegenüber einem Brückenstandort am Ballhaus Watzke bestätigt. Der sei "nicht stadtteilverträglich und könnte nur mit massiven Gebäudeabrissen realisiert werden", sagt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion. Das lehne die SPD ab. Sich die Flächen für eine Brücke langfristig zu sichern, die an der Flutrinne zwischen Pieschen und Übigau ankommt, sei vernünftig. "Bevor sich Dresden aber in neue Brückenabenteuer stürzt, sollten erst einmal unsere vorhandenen Brücken saniert werden", gibt er zu bedenken.

Die berechneten Kosten für eine Fähre versteht er nicht als Absage an eine Fährverbindung. "Als Übergangsvariante bis zu einem langfristigen Brückenbau ist eine Fähre am Ballhaus Watzke weiter im Rennen."

CDU warnt vor Überbewertung

Veit Böhm warnt davor, die Ergebnisse der Untersuchung überzubewerten. Es handele sich um erste Machbarkeitsstudien, sagt der Sprecher für Umwelt und Verkehr der CDU-Fraktion. Er setzt auf weitere Überlegungen. "Insbesondere sind noch einmal konkret die Kosten zwischen einer reinen Fuß- und Radverkehrsbrücke und einer Brücke mit Straßenbahn zu untersuchen."

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Böhm versteht die Kostenrechnung für eine neue Fährverbindung als Absage an diese Variante. "Wer als Stadtrat eine Fähre will, muss dafür erhebliche Mittels aus dem Haushalt zur Verfügung stellen. Das sehe ich derzeit nicht." Er hätte eigentlich gern eine Seilbahn an dieser Stelle, stellt aber fest: "Auch dazu gab es eine Absage."

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