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So soll es an Dresdens Ampeln schneller gehen

Ampeln regeln den Verkehr, verzögern ihn aber auch. Die Stadt testet, wie Autofahrer seltener vor Rot stehen müssen und setzt auf eine Neuentwicklung der Grünen Welle.

Die dynamische Grüne Welle auf der Bergstraße in Dresden. Meistens zeigt sie 50.
Die dynamische Grüne Welle auf der Bergstraße in Dresden. Meistens zeigt sie 50. © René Meinig

Dresden. Und plötzlich leuchtet es rot. Manchmal können Ampeln ganz schön versteckt hinter einer Kurve liegen. Zum Beispiel auf der Bergstraße in Dresden, stadtauswärts hinter dem Hörsaalzentrum der TU. Stand die Ampel an der Kreuzung mit der Nöthnitzer Straße auf Rot, mussten die Autofahrer früher recht scharf abbremsen.

Um das zu vermeiden, hatte die Stadt Dresden hier mehrere Ampeln zur sogenannten Grünen Welle aufeinander abgestimmt. Die Autofahrer konnten so zwei Ampeln am Stück bei Grün durchfahren, auch die Ampel an der Nöthnitzer Straße. So sollten auch die Schadstoffemissionen gesenkt werden, weil die Autofahrer an der steilen Bergstraße seltener anfahren mussten. Doch für das immer komplizierter werdende Verkehrsaufkommen war diese Lösung zu unflexibel.

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Am 10. Dezember vergangenen Jahres installierte die Stadt deswegen zwei digitale Tafeln, die - je nach aktueller Verkehrssituation - anzeigen, was die optimale Geschwindigkeit ist, um die nächste Ampel ohne Halt bei Grün passieren zu können. Ob der Verkehr durch diese "dynamische Grüne Welle" tatsächlich flüssiger wird, will die Stadt durch das Pilotprojekt an der Bergstraße prüfen.

Wie genau funktioniert die dynamische Grüne Welle?

Die erste der beiden Anzeigen befindet sich auf dem Mittelstreifen der Bergstraße stadtauswärts gleich hinter dem Fritz-Foerster-Platz, bevor die Straße sich unter die Fußgängerbrücke zur Alten Mensa absenkt. Beim Start der Grünen Welle zeigt die Anzeige eine Richtgeschwindigkeit von 30 km/h und steigt dann langsam in Fünferschritten an, bis 50 km/h erreicht sind. Bei den letzten Autofahrern schaltet sich die Anzeige bereits wieder aus, was bedeutet, dass potenziell noch später einfahrende Fahrzeuge die Ampel an der Mommsenstraße nicht mehr bei Grün erreichen könnten.

Dadurch, dass die hinteren Teilnehmer der Grünen Welle schneller fahren als die vorderen, bildet sich ein Pulk, der auf die noch Rot zeigende Ampel zufährt. Wenn sie die empfohlene Geschwindigkeit einhalten, können die Autofahrer davon ausgehen, dass die Ampel kurz vor ihrem Eintreffen auf Grün springt.

Hinter der Ampel an der Mommsenstraße befindet sich auf dem Mittelstreifen die zweite Anzeige, die die Richtgeschwindigkeit für den zweiten Teil der Strecke bis zur Ampel an der Nöthnitzer Straße anzeigt.

Wovon hängt die angezeigte Geschwindigkeit ab?

"Die angezeigte Geschwindigkeit ist ein Richtwert, der situativen Schwankungen unterliegen kann", erklärt die Stadt. Der oben beschriebene Ablauf kann durch Busse, die ein Grünsignal anfordern, oder durch einen Rückstau je nach Tageszeit anders aussehen.

Je nach Situation gibt es verschiedene Programme, die abgerufen werden können. Haltende Fahrzeuge oder ungleichmäßige Nutzungen der Fahrbahnen könnten den Ablauf der Grünen Welle stören. Ob dies der Fall ist, prüft die Stadt in dem Pilotprojekt.

In bestimmten Fällen können die Anzeigen auch ausbleiben. Meistens bedeutet dies, dass die nächste Ampel beim Eintreffen zwangsläufig Rot zeigen wird. Grund kann aber auch sein, dass gerade das Programm umgeschaltet wird. Auch nachts und bei Stau schalten sich die Anzeigen ab.

Was bringen die flexiblen Anzeigetafeln?

Im Vergleich zu einer unflexiblen Grünen Welle können mehr Verkehrsteilnehmer von der Grünen Welle profitieren. Für Autos, die vom Zelleschen Weg am Startpunkt der Grünen Welle auf die Bergstraße einbiegen wollen, eigne sich eine Geschwindigkeit von 30 oder 35 Stundenkilometern am Besten, erklärt das Straßen- und Tiefbauamt. Außerdem böten die digitalen Anzeigetafeln mehr Möglichkeiten, um Informationen zur aktuellen Verkehrssituation anzuzeigen.

Was sind die Nachteile?

Die dynamische Grüne Welle lässt sich schlecht mit dem Vorrang von Bussen und Straßenbahnen vereinen. Außerdem profitieren die Teilnehmer der Grünen Welle zwar von der freien Fahrt; Verkehrsteilnehmer, die die Straße queren wollen - inklusive Radfahrern und Fußgängern - müssen aber tendenziell eher länger warten, bis die Grüne Welle abgeschlossen ist. Dynamische Grüne Wellen eigneten sich daher nur bei "ausgeprägtem linienhaften Kfz-Verkehr", erklärt das Straßen- und Tiefbauamt.

Außerdem werde es wohl etwas dauern, bis die Leute sich an die neue Anlage gewöhnt haben, mutmaßt Birgit Jaekel, die die Professur für Verkehrsleitsysteme und -prozessautomatisierung an der TU Dresden leitet. Fahrer, die die Strecke noch nicht gut kennen, könnten sich etwa von der roten Ampel abgeschreckt fühlen, auf die sie zufahren, und ungewollt abbremsen. "Bei mittlerer bis starker Verkehrsbelastung wird dieses Phänomen aber vermutlich weniger stark auftreten, da die Autos dann im Strom derer mitschwimmen, die schon mit dem System vertraut sind."

Gibt es noch mehr dynamische Grüne Wellen in Dresden?

Bisher gibt es nur das Pilotprojekt auf der Bergstraße. Zwei weitere Strecken für eine dynamische Grüne Welle würden aber derzeit geprüft, erklärt das Dresdner Straßen- und Tiefbauamt. Herkömmliche grüne Wellen gibt es in Dresden insgesamt 66 Stück, beispielsweise auf der Washington-, der Coventry- oder der Dohnaer Straße. Allerdings zählen bereits zwei aufeinander abgestimmte Ampeln als Grüne Welle, selbst wenn sie nur wenige hundert Meter voneinander entfernt stehen.

"Tafeln mit Geschwindigkeitsempfehlungen werden in Deutschland und anderen Ländern eher selten eingesetzt", erklärt Birgit Jaekel. "Sie werden oft nur dort installiert, wo die Lage besonders kritisch ist." Auf der Bergstraße habe das Potenzial zur Einsparung von Haltevorgängen und damit der Emissionssenkung eine dynamische Grüne Welle begünstigt, schreibt das Straßen- und Tiefbauamt.

Wie gut funktionieren solche Anlagen?

"Es gibt Veröffentlichungen aus der Forschung, die dynamischen Grünen Wellen eine gute Wirksamkeit attestieren", erklärt Birgit Jaekel. "Sie sollen den Verkehrsfluss verstetigen und damit die Kapazität des Knotenpunktes oder der Strecke erhöhen und zugleich Emissionen reduzieren. Diese beiden Ziele sind jedoch gegenläufig, da die Erhöhung der Kapazität weiteren Verkehr und damit auch vermehrte Emissionen generiert. Wenn es primär um die Emissionsreduktion geht, sollten also andere Maßnahmen ergriffen werden."

Zudem stellt Jaekel in Frage, ob es überhaupt zielführend ist, im Stadtverkehr die Verkehrskapazität noch weiter zu erhöhen. "Die Maßnahme dürfte vergleichsweise preisgünstig sein und ist sicher oft auch eines der letzten Mittel, das noch möglich ist, um den vorhandenen Verkehr über den Knotenpunkt zu bekommen, ohne Umbaumaßnahmen zu ergreifen."

Was steckt hinter dem Projekt?

Hinter der dynamischen Grünen Welle steckt ein Teilprojekt des Dresdner Straßen- und Tiefbauamts, das den städtischen Verkehr im Sinne einer vernetzten und umweltgerechten Mobilität weiterentwickeln will. Intelligente Lichtsignalanlagen sind ein Teil davon, dazu gehört auch die nur einen Tag später am 11. Dezember 2020 eingeführte Countdown-Ampel auf der Radeburger Straße in Klotzsche, an der ebenfalls eine Grüne Welle startet. Bereits in den 1990er-Jahren hatte es am Albertplatz eine Countdown-Anzeige gegeben, die allerdings damals noch nicht auf die aktuelle Verkehrssituation reagieren konnte.

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Das Projekt läuft bis zum 30. November, die dynamische Grüne Welle soll aber nach aktuellem Stand auch langfristig vor Ort bleiben. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt zu 50 Prozent.

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