SZ + Dresden
Merken

Dampfer schleppt Dampfer auf der Elbe

Ein seltsamer Konvoi: Eigentlich sollte der Dampfer Leipzig heute zur Fahrt in die Werft ablegen. Warum das nicht aus eigener Kraft gelang.

Von Christoph Springer
 2 Min.
Teilen
Folgen
Ein ungewöhnliches Bild auf der Elbe: Der Dampfer Dresden schleppt den Dampfer Leipzig nach Laubegast.
Ein ungewöhnliches Bild auf der Elbe: Der Dampfer Dresden schleppt den Dampfer Leipzig nach Laubegast. © René Meinig

Dresden. Die letzte Fahrt sollte aus eigener Kraft stattfinden. Doch daraus wurde nichts. Der Dampfer Leipzig, das größte historische Schiff der Dresdner Elbeflotte, ist kaputt. Der Kessel hat einen Schaden, das Schiff kann nicht mehr fahren.

Eigentlich sollte der etwas mehr als 70 Meter lange Dampfer an diesem Mittwoch vom Terrassenufer zur Werft in Laubegast fahren. Die Tour war schon lange geplant und wurde am Dienstag vorbereitet. Das Schiff soll in Laubegast planmäßig aus dem Wasser gehoben werden, damit es in der Winter-Fahrpause nötige Ausbesserungen und Reparaturen erledigt werden können. Doch als der Kessel an diesem Morgen unter Dampf stand, hörte die Besatzung ein verdächtiges Geräusch.

Die Flottenmitarbeiter vernahmen ein Zischen aus dem Kesselraum und kontrollierten deshalb den Druckbehälter, der die Maschine antreibt. Der ist von einer dicken Isoliermatte umgeben, aus dem an diesem Morgen Wasser kam. Die Schiffsbesatzung öffnete das Isoliermaterial und entdeckte darunter die Austrittsstelle. "Ein Handlochdeckel ist undicht", erklärt Gerd-Rüdiger Degutsch, der Technikchef der Flotte. "Den kann man öffnen und bei einer Inspektion in den Kessel schauen." Seinen Namen hat der Deckel, weil die Öffnung und er selbst etwa so groß wie eine Hand ist.

Ziel des Schleppzugs auf der Elbe war die Werft in Laubegast.
Ziel des Schleppzugs auf der Elbe war die Werft in Laubegast. © René Meinig

Am Terrassenufer und unter Druck war es nicht möglich, den Deckel dicht zu bekommen. Also mussten der Druck reduziert und das Schiff nach Laubegast geschleppt werden. Das hat an diesem Morgen der Dampfer Dresden übernommen, das Flaggschiff der Flotte und gemessen an der Größe die Nummer zwei der historischen Dampfer. Gegen 8.30 Uhr ist der Schleppverband losgefahren, etwa 10 Uhr wurde er in Laubegast erwartet.

Dort müssen nun nicht nur die geplanten Arbeiten erledigt werden, auch am Kessel müssen Fachleute Hand anlegen. "Die Schraube, die den Deckel hält, mussten wir erst gängig machen", sagt Degutsch. Erst, wenn er ausgebaut ist, werde der Schaden sichtbar. "Wenn es nur der Deckel ist, dann ist das nicht so schlimm", so Degutsch. "Hat aber der Kesselmantel einen Schaden, dann wird das etwas Größeres."

Der Dampfer Leipzig ist fast 100 Jahre alt. Er gehört seit dem 11. Mai 1929 zur Flotte und ist das jüngste der neun historischen Schiffe.