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Dresden: Petition gegen Straße durch den Elbarm

Wenn die Wehlener und Österreicher Straße saniert werden, soll der Verkehr durch ein Wohnviertel und grüne Wiesen rollen. Anwohner wollen das verhindern.

Die Österreicher Straße soll saniert werden. Wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet wird, ist bei den Dresdnern umstritten.
Die Österreicher Straße soll saniert werden. Wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet wird, ist bei den Dresdnern umstritten. © Marion Doering

Dresden. Die Stadt will den letzten der Teil der Dresdner Ostmagistrale sanieren. Konkret geht es um die Wehlener Straße, Alttolkewitz und Österreicher Straße. Fahrbahn und Straßenbahngleise sind in die Jahre gekommen, zweimaliges Hochwasser hat den Zustand der Magistrale in Tolkewitz und Laubegast noch einmal verschlechtert.

Pläne für den Ausbau gibt es schon lange - seit sie öffentlich bekannt wurden, ist das Projekt allerdings umstritten. Dabei geht es gar nicht um die Bauarbeiten an sich, sondern darum, wie der Verkehr in der 1,5-jährigen Bauzeit umgeleitet wird.

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Denn Autos, Lkw und Busse sollen auf Tolkewitzer Seite durch das Wohngebiet am Toeplerpark rollen, dann über eine Interimsstraße die Wiesen und den Flutgraben im alten Elbarm queren und in Laubegast wieder durch ein Wohnviertel zurück auf die Hauptroute geführt werden.

Anwohner haben nun eine Online-Petition gestartet, mit der sie die Interimsstraße durch den alten Elbarm und die Umleitung durch das Tolkewitzer Wohngebiet verhindern wollen. Denn es gibt durchaus eine Alternative.

Zwar gebe es auch die Möglichkeit, den Verkehr weiträumig über die Marienberger, Bodenbacher, Pirnaer Land- und Salzburger Straße fahren zu lassen. Das hat die Stadt geprüft und abgelehnt. Zu schlecht sei etwa der Zustand der Marienberger Straße. Dazu kommen lange Wartezeiten für die Linksabbieger an der Bodenbacher Straße.

Also hat die Stadt Pläne für die Umleitung durch den Altelbarm erarbeitet und diese mit allen anderen Unterlagen des Großbauvorhabens bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht. In einem sogenannten Planfeststellungsverfahren wird das Projekt nun schon seit etlichen Monaten geprüft, bislang hat die Behörde es noch nicht genehmigt. Die Öffentlichkeit wurde bereits beteiligt. Dabei durfte jeder in die genauen Unterlagen schauen und eine Stellungnahme dazu abgeben.

"Das Planfeststellungsverfahren ist in Bearbeitung bei der Landesdirektion Sachsen", teilt Simone Prüfer, Chefin im Straßen-und Tiefbauamt, zum aktuellen Stand mit. "Wir warten auf die terminliche Einordnung des Erörterungstermines." Von diesem Termin hängt es letztlich ab, ob die Stadt ihre Pläne noch einmal ändern muss. Alle Seiten haben dabei noch einmal die Möglichkeit, ihre Argumente mit der Planfeststellungsbehörde, also der Landesdirektion, zu erörtern.

Danach entscheidet die Behörde, ob der Planfeststellungsbeschluss geschrieben und erlassen werden kann oder ob die Planungen verändert oder ergänzt werden müssen. Dann könnte es sein, dass die Öffentlichkeit erneut beteiligt werden muss. "Im ungünstigsten - und nicht sehr wahrscheinlichen, seltenen - Fall kann es eine Ablehnung der Planung geben", teilte ein Sprecher der Landesdirektion im Januar mit.

Die Wehlener Straße und die Straßenbahngleise müssen nicht nur im Bereich des alten Elbarms, wie hier auf dem Foto zu sehen, dringend saniert werden.
Die Wehlener Straße und die Straßenbahngleise müssen nicht nur im Bereich des alten Elbarms, wie hier auf dem Foto zu sehen, dringend saniert werden. © Marion Doering

Demnach gibt es derzeit also noch kein endgültiges Ergebnis dazu, wie der Verkehr umgeleitet werden soll. Das wollen die Anwohner und die Bürgerinitiative "Freundeskreis Tolkewitz" jetzt nutzen, um möglichst viele Mitstreiter für ihre Petition zu gewinnen. "Wir sind entsetzt, dass unbeirrt trotz zahlreichem Bürgerprotest die Umleitungsführung weiterhin durch enge Wohngebiets- und Nebenstraßen in Tolkewitz geführt werden soll", heißt es in der Petition.

Im Viertel sind Parkplätze ohnehin ein rares Gut, nicht selten drehen Anwohner auf der Suche nach einem Stellplatz mehrere Runden über die Nebenstraßen. Mit der Umleitung würde der Schienenersatzverkehr für zwei Straßenbahnlinien Tag und Nacht mit Bussen durch die engen Straßen rollen, Parkplätze müssen dafür gestrichen werden, die Situation würde sich weiter verschlechtern. Dazu komme, dass Busse, Lkw und Autos eng an zwei Kindergärten und dem Spielplatz im Toeplerpark vorbeifahren.

An dieser Stelle soll die Interimsstraße vom Toeplerpark, der sich links befindet, hinüber nach Laubegast führen.
An dieser Stelle soll die Interimsstraße vom Toeplerpark, der sich links befindet, hinüber nach Laubegast führen. © Marion Doering

Für Unverständnis, ja Empörung sorge die Absicht, dass die Interimsstraße "in massiver Bauweise" durch das Landschaftsschutzgebiet geführt wird. Vor allem mit Blick auf ein mögliches Hochwasser, das die Anwohner bereits 2002 und 2013 erlebt haben. Der Bereich diente als Abfluss für die Wassermassen. "Diese jetzt durch einen massiven Damm abzuschneiden, ist uns unerklärlich."

Die Forderung: "Wir Anwohner erwarten, dass die notwendigen Umleitungsverkehre auf Sammel- und Hauptstraßen geführt werden und dass auf die oben beschriebenen Szenarien verzichtet wird."

Stadt soll Anwohner rechtzeitig beteiligen

Die Einreicher der Petition fordern außerdem, dass die Stadtverwaltung die Dresdner in einer Bürgerversammlung über die verschiedenen Planungsschritte informiert. Das hatte der ehemalige Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) zugesichert, als sich unter den Anwohnern Widerstand formierte. Bislang hat es eine solche Informationsveranstaltung allerdings nicht gegeben.

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Diese sollte aber so schnell wie möglich stattfinden, sodass die Anwohner nicht erst in einem Stadium der Planungen beteiligt werden, "wo eine Umkehr unmöglich ist oder schwierig erscheint."

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