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Dresden: Hier haben Radfahrer bald Vorfahrt

Eine fünf Kilometer lange Radfahrstraße soll künftig den Dresdner Osten mit dem Stadtzentrum verbinden. Wo sie entlang führt und welche Regeln dort gelten.

Baubürgermeister Stephan Kühn (l.) und OB Dirk Hilbert radeln die Strecke ab, die zur Fahrradstraße werden soll. Die Kreuzung Schlüter-/Glashütter Straße soll übersichtlicher gestaltet werden.
Baubürgermeister Stephan Kühn (l.) und OB Dirk Hilbert radeln die Strecke ab, die zur Fahrradstraße werden soll. Die Kreuzung Schlüter-/Glashütter Straße soll übersichtlicher gestaltet werden. © René Meinig

Dresden. Dresdens Radfahrer sollen künftig schneller, sicherer und vor allem durchgängig vom Stadtzentrum in die Randbezirke der Stadt unterwegs sein. Dafür beschreitet die Landeshauptstadt nun einen neuen Weg, den andere Städte bereits gegangen sind. Es geht um sogenannte Radvorrangrouten - die erste von ihnen wird nun bald den Dresdner Osten mit der Innenstadt verbinden.

Die fünf Kilometer lange Route entsteht in drei Bauabschnitten und soll bis 2023 fertig sein. Rund drei Millionen Euro kosten Planungen und Bauarbeiten, rund 90 Prozent davon stellt der Freistaat als Förderung in Aussicht.

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Die Regeln: Auf Abstand zu den Autotüren

Zwischen Straßburger Platz und dem Schulcampus in Tolkewitz wird in mehreren Abschnitten eine Radfahrstraße eingerichtet, auf der die Radfahrer in der Mitte der Fahrbahn auf einem fünf Meter breiten Streifen unterwegs sind. Sie dürfen hier auch nebeneinander fahren. Der Radweg ist mit einem Sicherheitsstreifen von mindestens 75 Zentimeter Breite von parkenden Autos abgegrenzt.

Dadurch sollen Unfälle mit Autotüren verhindert werden, die sich plötzlich öffnen. Zuletzt kam eine Radfahrerin bei einem solchen Unfall auf der St. Petersburger Straße ums Leben, weil sie vor ein fahrendes Auto gestoßen wurde.

Wo Pkw, zum Beispiel von Anwohnern, zugelassen sind, müssen sich die Autofahrer hinter den Radfahrern einordnen und dürfen sie nicht überholen. In der Regel wird die Rechts-vor-links-Regelung auf einer Fahrradstraße aufgehoben, Radfahrer haben auch Vorfahrt gegenüber Nebenstraßen. Im Kreuzungsbereich ist die Fahrradstraße farblich markiert, damit Autofahrer sie gut wahrnehmen.

Zudem gilt auf einer Fahrradstraße grundsätzlich Tempo 30, ein Schild weist jeweils auf den Beginn einer solchen Straße hin und zeigt an, ob auch Autos hier fahren dürfen.

Die Strecke: Neuer Radweg führt über Nebenstraßen

Die Radstraße beginnt am Straßburger Platz, führt von dort über die Comenius- und Henzestraße bis zum Stresemannplatz und dann weiter über die Laube- und Prossener Straße zur Bergmannstraße. Dort wird die Radstraße unterbrochen, die Radfahrer müssen der Bergmannstraße gut 100 Meter bis zur Glashütter Straße folgen.

Dann geht es von dort aus weiter bis zur Lauensteiner Straße, über die die Radfahrer ein kurzes Stück bis zur Kipsdorfer Straße rollen und dieser dann bis zum Schulcampus Tolkewitz folgen. Das Besondere an dieser Route: Sie führt über Nebenstraßen, also dort entlang, wo ohnehin weniger Autoverkehr unterwegs ist. Hier können verschiedene Bereiche zu Radstraßen ausgebaut werden, die an einigen Stellen zwar unterbrochen sind, aber dem Radfahrer dennoch ein zügiges Vorankommen ermöglichen.

© Landeshauptstadt Dresden

Die Problempunkte: Stadt entschärft gefährliche Stellen

Entlang dieser Strecke gibt es mehrere Stellen, die momentan für Radfahrer nicht ungefährlich sind. Knackpunkte sind vor allem die Kreuzungen zu den großen Straßen, die überquert werden müssen. Im ersten Bauabschnitt zwischen Fetscherstraße und Altenberger Straße will die Stadt auf rund drei Kilometern diese Gefahrenstellen im kommenden Jahr beseitigen. Gebaut wird also zuerst im mittleren Abschnitt, 2023 folgt der westliche Abschnitt zwischen Straßburger Platz und Fetscherstraße, dann folgt der östliche Abschnitt auf der Kipsdorfer Straße.

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) war an diesem Donnerstag mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und der neuen Chefin des Straßen- und Tiefbauamtes, Simone Prüfer, vor Ort mit dem Fahrrad unterwegs. Dirk Bräuer, der für die Dresdner Verkehrsanlagen zuständig ist, erläuterte an einigen Kreuzungen, welche baulichen Veränderungen dort geplant sind.

Am Stresemannplatz etwa wird das Kopfsteinpflaster gegen eine glatte Asphaltschicht ausgetauscht. Das sieht auch das 2017 beschlossene Radverkehrskonzept vor. An der Kreuzung zur Müller-Berset-Straße wird die Vorfahrtsregelung geändert: Autofahrer, die auf der Müller-Berset-Straße unterwegs sind, müssen hier künftig warten, wenn Radfahrer auf der Laubestraße kreuzen.

Verkehrsplaner Dirk Bräuer zeigt, wie die Kreuzungen auf der Fahrradstraße künftig gestaltet sein werden. Der Radweg wird rot markiert, die Straßen durch breitere Gehwege eingeengt.
Verkehrsplaner Dirk Bräuer zeigt, wie die Kreuzungen auf der Fahrradstraße künftig gestaltet sein werden. Der Radweg wird rot markiert, die Straßen durch breitere Gehwege eingeengt. © René Meinig

In der Bergmannstraße gibt es zwar einen Radweg, der entspricht allerdings nicht mehr den aktuellen Anforderungen, weil auch hier direkt daneben Fahrzeuge parken und Autotüren gefährlich werden könnten. Weil die Bergmannstraße ohnehin saniert werden muss, es bis dahin allerdings noch etwas dauert, gibt es hier eine Zwischenlösung. Auf dem rund 100 Meter lange Abschnitt, der Teil der Radroute ist, rücken die parkenden Autos zur Fahrbahnmitte, sodass auch hier genug Abstand zwischen Autos und Radfahren entsteht.

An der Kreuzung zur Schlüterstraße wird der Gehweg zur Straßenmitte hin vorgezogen, sodass die Kreuzungsstrecke für die Radfahrer kürzer und übersichtlicher wird. Solche Gehwegvorstreckungen werden an vielen weiteren Stellen gebaut oder auf der Fahrbahn mit weißer Farbe markiert, rund 100 sind derzeit auf der gesamten Route vorgesehen.

Die Kreuzung von Müller-Berset- und Laubestraße ist bereits mit einer Straßenmarkierung so eingeengt, dass der Bereich übersichtlicher für Rad- und Autofahrer ist.
Die Kreuzung von Müller-Berset- und Laubestraße ist bereits mit einer Straßenmarkierung so eingeengt, dass der Bereich übersichtlicher für Rad- und Autofahrer ist. © René Meinig

Die Parkplätze: Stellflächen werden neu geordnet

Für die neue Radwegverbindung müssen auf der Strecke zwischen Straßburger Platz und Schulcampus Tolkewitz an verschiedenen Stellen die Pkw-Parkplätze neu geordnet werden. So sollen im westlichen Abschnitt der Comeniusstraße die Anwohner in den Abend- und Nachtstunden freie Flächen in den nördlichen Seitenstraßen nutzen. In der Hähnelstraße wird das Längsparken auf Querparken umgestellt - auch dadurch entstehen zusätzliche Stellplätze. Zudem will die Stadt prüfen, ob es sinnvoll ist, Bewohnerparkzonen einzurichten.

Um Platz für die breite Radroute zu schaffen, sollen in der Laubestraße zwischen Stresemannplatz und Müller-Berset-Straße Parkplätze wegfallen. Als Ausgleich wird in der sehr breiten Müller-Berset-Straße das Längs- auf Querparken umgestellt. Dafür muss dort allerdings eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden.

Auch in der Prossener Straße müssen sich Anwohner darauf einstellen, dass sie Parkplätze für ihre Autos künftig woanders suchen müssen. Die Stadt prüft, ob es dafür freie Stellflächen in den westlich angrenzenden Straßen gibt und ob es auch hier sinnvoll wäre, Bewohnerparkzonen zu schaffen.

Im östlichen Bereich der Kipsdorfer Straße sind womöglich ebenfalls Änderungen beim Parken nötig, das wird allerdings noch untersucht.

In der Laubestraße sollen künftig vor allem Radfahrer unterwegs sein. Damit sie viel Platz haben, werden die Parkplätze quer zur Fahrbahn gestrichen. Sie werden in die Müller-Berset-Straße verlegt.
In der Laubestraße sollen künftig vor allem Radfahrer unterwegs sein. Damit sie viel Platz haben, werden die Parkplätze quer zur Fahrbahn gestrichen. Sie werden in die Müller-Berset-Straße verlegt. © René Meinig

Die Kritik: ADFC fordert mehr Mut

Mit vor Ort war am Donnerstag auch Edwin Seifert, Chef des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Dresden. Immer mehr Dresdner nutzen das Fahrrad, sagt Seifert, deshalb sei ein gut ausgebautes Radwegenetz enorm wichtig. "Dass die Route über Nebenstraßen führt, finden wir gut." Dennoch gehe es noch besser, so Seifert weiter.

Er hätte sich etwa in Bezug auf die parkenden Autos mehr Mut von der Stadt gewünscht. "In der Bergmannstraße hätte man die Parkplätze auf dem kurzen Stück auch komplett streichen können", findet er. Zudem würden die Parkraumuntersuchungen in den Wohngebieten viel Zeit kosten und das Vorhaben unnötig in die Länge ziehen. Dennoch sei die Fahrradstraße ein Meilenstein für Dresden.

An der Bergmannstraße gibt es zwar einen Radweg, der verläuft aber direkt neben parkenden Autos. Deshalb sollen die Stellflächen verschoben werden. Der ADFC hätte sie lieber komplett gestrichen.
An der Bergmannstraße gibt es zwar einen Radweg, der verläuft aber direkt neben parkenden Autos. Deshalb sollen die Stellflächen verschoben werden. Der ADFC hätte sie lieber komplett gestrichen. © René Meinig

Die Pläne: Weitere Radrouten sollen folgen

Baubürgermeister Stephan Kühn kündigt an, dass weitere dieser Radrouten in den kommenden Jahren folgen sollen. Konkrete Pläne gebe es dazu aber noch nicht. Kühn betont, dass Fahrradstraßen in anderen Städten sehr gut angenommen werden und hofft das nun auch in Dresden.

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Straßenbauchefin Simone Prüfer geht davon aus, dass der mittlere Bereich der Radroute in den Dresdner Osten Ende Sommer kommenden Jahres fertig ist. Im Bereich Comeniusstraße, der 2023 folgen soll, müsse vor allem die Kreuzung zur Fetscherstraße sicherer gestaltet werden, dort soll eine neue Ampel beim Überqueren helfen.

Perspektivisch sind Radrouten in den Dresdner Norden Richtung Klotzsche sowie im Dresdner Süden über die Hohe Straße geplant.

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