merken
PLUS Dresden

Weiter Ärger um neue B 6 in Dresden

Eine Bürgerinitiative befürchtet, dass ihr Stadtteil durch die neue Trasse abgeschnitten wird. Trotz viele Rückschläge geht der Protest weiter.

Kämpft für eine anwohnerfreundliche neue B 6: Peter Bartels will verhindern, dass Anwohner in Stetzsch lange Umwege auf sich nehmen müssen, wenn der Bahnübergang Am Urnenfeld wegfällt.
Kämpft für eine anwohnerfreundliche neue B 6: Peter Bartels will verhindern, dass Anwohner in Stetzsch lange Umwege auf sich nehmen müssen, wenn der Bahnübergang Am Urnenfeld wegfällt. © Marion Doering

Dresden. Eigentlich soll die neue Bundesstraße 6 ein großes Problem im Dresdner Westen lösen. Aktuell führt die stark befahrene Trasse mitten durch Cossebaude, viele Lkw-Fahrer nutzen die Verbindung - direkt vorbei an den Wohnhäusern. Dagegen hat sich schon vor vielen Jahren heftiger Protest formiert, vor vielen Häuser stehen Schilder mit Aufschriften wie "Lärm macht krank". Tatsächlich haben Messungen ergeben, dass der Verkehrslärm am Tag mit 72 Dezibel viel zu hoch ist, was wiederum Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Betroffenen verursachen könnte.

Deshalb fordern diese Anwohner, dass die Straße verlegt wird, wollen Ruhe und frische Luft. Diesem Wunsch folgten Bund und Freistaat letztlich, inzwischen gibt es konkrete Pläne, wo die neue Trasse entlangführen soll, auch in den Bundesverkehrswegeplan 2030 wurde sie jetzt aufgenommen.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Und dennoch ebbt der Protest nicht ab. Denn auch von der neuen Trasse sind nun wieder Anwohner betroffen, und zwar im Stadtteil Stetzsch, der sich in Richtung Dresden an Cossebaude anschließt. Wer direkt an den Bahngleisen wohnt, wird später - wenn die neue B 6 fertig ist - eine sechs Meter hohe Schallschutzwand vor seinem Grundstück haben. Damit dürfte Lärm zwar keine Rolle spielen, ein Blick vor Ort zeigt allerdings: Platz ist dort jetzt schon kaum, einige Garagen und Gartengrundstücke werden der neuen Straße wohl Platz machen müssen.

Die neue B 6 (blau) soll auf vier Kilometern Länge zwischen der Autobahnabfahrt Dresden-Altstadt und Cossebaude parallel zu den Bahngleisen verlaufen. Damit soll die alte B 6 (rot) entlastet werden.
Die neue B 6 (blau) soll auf vier Kilometern Länge zwischen der Autobahnabfahrt Dresden-Altstadt und Cossebaude parallel zu den Bahngleisen verlaufen. Damit soll die alte B 6 (rot) entlastet werden. © Visualisierung: Deges GmbH

Das ist auch der Grund dafür, dass sich Peter Bartels von der Bürgerinitiative "B 6 neu - so nicht" in diesen Tagen kaum beruhigen kann. Er ist wütend, dass das Bundesverkehrsministerium das Bauvorhaben offiziell in den Verkehrswegeplan 2030 aufgenommen hat und die neue B 6 damit so gut wie beschlossene Sache ist. Denn aus seiner Sicht macht der Freistaat, der die Aufnahme beantragt hat, falsche Angaben dazu.

Konkret geht es um den Passus, dass von der neuen B 6 keine Anwohner direkt betroffen seien. "Das stimmt so nicht", sagt Bartels und verweist allein auf die Grundstücke direkt an der Trasse, die beschnitten werden würden. "Direkter betroffen kann man ja wohl kaum sein." Deshalb will die Bürgerinitiative nun prüfen lassen, ob die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan korrekt war.

Bartels und seine Mitstreiter wollen nicht aufgeben, sie kämpfen weiter für eine anwohner- und umweltfreundliche neue B 6, wie sie sagen. Zwei Petitionen haben sie im Bundestag schon eingereicht, sich mit Briefen an das Bundesverkehrsministerium gewandt, selbst die Bundeskanzlerin hat vor einigen Tagen Post von den Dresdnern bekommen.

Dabei mussten die Protestler in den vergangenen Jahren etliche Rückschläge einstecken, etwa in Bezug auf die Straßenanbindung in Richtung Dresden und zu den Supermärkten vor Ort. So wird eine direkte Zufahrt auf die neue B 6 für viele Anwohner südlich der Trasse nicht möglich sein. Das lehnen die Planer der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) ab, zudem müsste sich die Stadt an den Baukosten beteiligen.

Allerdings fallen mit der neuen Straße mehrere Bahnübergänge weg, die momentan von Autofahrern genutzt werden. Bartels selbst nutzt den Bahnübergang in der Straße Am Urnenfeld. Er müsste später eine Parallelstraße nutzen, die ebenfalls noch gebaut werden soll und dann in Richtung Cossebaude führt, wo die Querung dann möglich ist. Über diese Straße wird dann auch das Tierheim erreichbar sein.

Die Forderung der Bürgerinitiative, anstatt der geplanten Fußgängerbrücke, die in sieben Metern Höhe Fahrbahn und Gleise queren wird, eine Unterführung zu bauen, die auch von Fahrzeugen genutzt werden kann, blieb ohne Erfolg. Der Tunnel wurde aus Kostengründen abgelehnt, und auch, weil andere Anwohner angesichts einer dunklen Unterführung Sicherheitsbedenken geäußert hätten, sagt die Deges. Bartels ist sauer. "Egal, was wir vorschlagen: Es wird immer mit der Begründung abgelehnt, dass es zu teuer und unnötig wäre. Wir machen trotzdem weiter."

Noch hat das Planfeststellungsverfahren, bei dem die Landesdirektion Sachsen das Bauvorhaben prüfen und genehmigen muss, nicht begonnen. "Das könnte ein gutes Zeichen sein", sagt Bartels, der hofft, dass an den Plänen doch noch etwas geändert wird. Im Zuge des Verfahrens wird dann auch die Öffentlichkeit beteiligt und es können Einwände gegen das Vorhaben eingereicht werden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden