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Maskenpflicht: Mehr Beschwerden gegen Taxifahrer

Die Dresdner Taxigenossenschaft will Maskenmuffel am Steuer sanktionieren. Das Sozialministerium sieht dagegen keine gesetzliche Pflicht.

Müssen Taxifahrer Maske tragen? Das sächsische Sozialministerium sagt nein.
Müssen Taxifahrer Maske tragen? Das sächsische Sozialministerium sagt nein. ©  Claudia Hübschmann (Symbolbild)

Dresden. Marcus S. (Name geändert) kommt vergangene Woche von einem Geschäftstermin in Dortmund am Dresdner Hauptbahnhof zurück. Weil er viel Gepäck dabei hat, will er sich ein Taxi nehmen. 

S. findet zwar eine ganze Reihe Fahrzeuge am Stand. Doch keiner der Fahrer trägt eine Maske. "Ich bin dann mehrere Taxis abgelaufen. Aber niemand war bereit, bei der Fahrt einen Maske aufzuziehen." Stattdessen habe er Witze und Ausreden zu hören bekommen. 

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"Ein Fahrer sagte mir, er sei befreit. Ein anderer, dass es Corona eh nicht gebe, der Dritte hat nur blöd gelacht." S. findet das "richtig gruselig" und verweist darauf, dass unter den zehn bis 15 Fahrten, die ein Fahrer pro Tag absolviere, auch viele Kranke, Ältere und Risikopatienten dabei seien. Seinen Namen öffentlich machen will er nicht, weil er oft Taxi fahre. "So etwas spricht sich unter Fahrern schnell rum." 

Seitdem im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist, kommt es deutschlandweit immer wieder zu heftigen Debatten. Mitarbeiter von Supermärkten und Bahnkontrolleure werden teils tätlich angegriffen, wöchentlich finden Demonstrationen gegen die Maßnahmen statt, im Netz tobt ein Informationskrieg. 

Dresden: Bei Corona-Regeln sehr liberal

In Sachsen wurde bisher ein verhältnismäßig liberaler Weg eingeschlagen. Deutlich später als andere Bundesländer beschloss die Regierung etwa Bußgelder für Maskenmuffel. 

In Dresden müssen Konzertgänger bis heute keinen Mindestabstand halten - wenn die Nachverfolgung möglich ist. Und: Erst seit kurzer Zeit ist die Polizei in der Landeshauptstadt in Bussen und Bahnen zu Kontrollen unterwegs. 

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In Taxis hingegen gäbe es gar keine Kontrollen, sagt S., der sich auch mit dem Ordnungsamt in Verbindung gesetzt hat. Dort prüfe man die Beschwerden, heißt es.

Aber welche Regeln gelten überhaupt für Taxifahrer und ihre Kunden in Dresden? Die Dresdner Taxigenossenschaft organisiert einen Großteil der Fahrten in der Stadt über eine Funkzentrale, insgesamt erhalten über die Nummer 211 211 160 selbstständige Taxiunternehmer und ihre Angestellten Aufträge für Fahrten. 

"Im Auto kann kein Mindestabstand gehalten werden"

"Taxis sind ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs", sagt Anja Zimmermann, zweiter Vorstand bei der Genossenschaft. Im ÖPNV gelte Maskenpflicht sobald der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne. 

"Das ist im Auto quasi nie der Fall", sagt Zimmermann. Deshalb müssten sowohl Kunden als auch Fahrer Maske tragen. "Das ist auch richtig so, denn wir haben bis zu 50 Prozent Krankenfahrten, darunter viele Krebs- und Dialysepatienten." Menschen, die zur Risikogruppe gehören und deshalb von einer Infektion besonders gefährdet wären. 

Zimmermann weiß aber auch, dass nicht alle Fahrer sich an diese Regeln halten. Man appelliere immer wieder eindringlich, die Hygieneregeln zu beachten, sagt sie. Trotzdem: "Durch die wieder aufkommende Welle sind bei uns auch die Beschwerden gestiegen."

Fahrer werden bei Verstößen sanktioniert

Deshalb sei man dazu übergegangen, Fahrer, die mit einem Verstoß auffallen, zu sanktionieren. "Sie werden dann für Krankenfahrten gesperrt", erklärt Zimmermann. Berechtigte, nachweisliche Beschwerden - etwa wenn ein Fahrer sich weigert, Maske zu tragen - bittet sie, per Mail oder Brief bei der Taxigenossenschaft einzureichen. "Wir sind am Ball und kämpfen darum, dass unsere Kunden gut betreut werden", sagt Zimmermann. 

Das sächsische Sozialministerium hingegen bewertet die Lage anders. Auf SZ-Anfrage bestätigt das Ministerium zwar, dass Taxis rechtlich zu den öffentlichen Verkehrsmittel zählen. Doch eine Maskenpflicht bestünde deshalb nicht. 

Mund-Nasen-Schutz: In Taxis lediglich Empfehlung

"Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen", heißt es in der Antwort. Auch gebe es keine speziellen Corona-Regeln für Taxifahrer und Taxifirmen beim Transport von Menschen zu Arztpraxen oder Krankenhäusern.

Auch bei der Frage, ob Risikogruppen-Angehörige verlangen können, dass im Taxi gelüftet wird oder weitere Schutzmaßnahmen getroffen werden, um eine potentielle Ansteckung zu verhindern, heißt es nur: "Dies sollten Fahrer und Gast miteinander in Einvernehmen abstimmen." Für Zimmermann hingegen ist die Sache klar. "Einfach wieder aussteigen und das nächste Taxi nehmen", sagt sie. 

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