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Kontrollmarathon in Dresden: 2.400 Verstöße von Rad- und Autofahrern

Die Polizei hat eine besonders intensive Kontrollzeit auf den Dresdner Straßen beendet. Das Ergebnis: Es muss weitere Kontrollaktionen geben. Was sich Auto- und Radfahrer zuschulden kommen ließen.

Von Christoph Springer
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Viele gute Worte, lange Erklärungen: Polizeioberkommissar Thomas Kiraly und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) bei einer Kontrolle auf der Glashütter Straße in Dresden.
Viele gute Worte, lange Erklärungen: Polizeioberkommissar Thomas Kiraly und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) bei einer Kontrolle auf der Glashütter Straße in Dresden. © René Meinig

Dresden. Die Kontrollen waren wichtig, richtig, sie werden wiederholt, auch in der konzentrierten Form, in der sie in den letzten zwei Aprilwochen stattgefunden haben. Fast 3.300 Fahrzeuge hat die Verkehrspolizei in dieser Zeit in Dresden ins Visier genommen, darunter etwa 1.400 Fahrräder. Die Kontrollen waren ein Erfolg, allerdings kein erfreulicher.

Fast 2.400 Verkehrsverstöße registrierten die Beamten. Das ist das Fazit von "Respekt durch Rücksicht", einer Aktion, die die Dresdner Polizei ins Leben gerufen hat. Das Ziel ist mehr Sicherheit auf Dresdens Straßen, weniger Unfälle. "Wir sind nur erfolgreich, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen künftig weniger Regelverstöße feststellen und die Verkehrsunfälle abnehmen", sagt Gerald Baier, Chef der Dresdner Verkehrspolizei.

Zahl der Radunfälle steigt

Die Dresdner Unfallstatistik zeigt: Zuletzt ist die Zahl der Unfälle gestiegen. 2022 waren es 6,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Fast 12.600 erfasste die Polizei im vergangenen Jahr. Zwar spielte bei den niedrigeren Zahlen zuvor auch Corona und die dadurch gesunkene Mobilität der Dresdner eine Rolle. Doch einen nachhaltigen Rückgang der Unfallzahlen kann die Polizei eben nicht melden.

Deutlich wird das vor allem beim Blick auf die Zahl der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung. Sie lag 2022 fast 19 Prozent über der des Vorjahres. Auch die Zahl der Verletzten bei solchen Unfällen ist gestiegen. "Dieser Negativtrend ist nicht allein auf einen pandemiebedingten Rückgang der Unfallzahlen in den Jahren 2020 und 2021 zurückzuführen", stellte die Polizei im April bei der Veröffentlichung der Unfallzahlen fest. Auch mit Blick auf das Jahr vor Corona sei die Zahl der an Unfällen beteiligten Radfahrer und der dabei Verletzten gestiegen, so die Beamten.

Radfahrern ist nicht überall sicher und bequem

Ein Grund ist auch die gestiegene Anzahl von Radfahrern, die in Dresden unterwegs sind. Doch Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) ist überzeugt: "Die Ergebnisse der Kontrollen führen uns vor Augen, dass Radfahren in Dresden noch nicht überall sicher und bequem möglich ist." Im Umkehrschluss heißt das, dass mehr getan werden muss für den Radverkehr.

"Die meisten Verstöße gab es dort, wo Radfahrer keine geeigneten oder umwegfreien Radverkehrsanlagen vorfinden", sagt Kühn. Höhere Qualität solcher Anlagen tragen zu einer Erhöhung der allgemeinen Sicherheit im Radverkehr bei, stellt der Verkehrsbürgermeister fest.

Doch nicht allein problematische Straßen führten dazu, dass die Polizei bei ihrer Kontrollaktion deutlich über 1.000 Verkehrsverstöße von Radfahrern registrierte. 530 fuhren auf Fußwegen, 475 waren entgegen der zulässigen Fahrtrichtung unterwegs, zeigt die Statistik der knapp zweiwöchigen Kontrollaktion. 133 Radfahrer ignorierten rote Ampelsignale und 39 telefonierten während der Fahrt.

Autofahrer wurden in der Kontrollzeit bei 306 Rotlichtverstößen ertappt, 266 telefonierten. 152 fuhren, ohne den Sicherheitsgurt angelegt zu haben, 89 Autos hatten Mängel. 18 Fälle registrierte die Polizei, bei denen Autofahrer beim Überholen von Fahrrädern nicht den festgeschriebenen Sicherheitsabstand eingehalten hatten.

Fast 2.480 Bürgerhinweise im Internet

Neben Verbindungen wie der neuen Fahrradstraße durch Striesen und neuralgischen Abschnitten wie auf der Marienbrücke hat die Polizei in den knapp zwei Kontrollwochen täglich auch solche Punkte überwacht, auf die Internetnutzer auf der Internetseite www.buergerbeteiligung.sachsen.de hingewiesen haben. Dort bestand seit dem 11. April die Möglichkeit, auf gefährliche Verkehrsprobleme hinzuweisen, zum Beispiel zu Themen wie Seitenabstand, Geschwindigkeit, Vorfahrt und Ablenkung.

Eigentlich sollte diese Mitwirkungsmöglichkeit nach zwei Wochen enden, doch die Polizei hat sich aufgrund der großen Resonanz für eine einwöchige Verlängerung entschieden. Fast 2.480 Hinweise sind auf der Seite bis zum Dienstagmittag eingegangen, zum Teil auch versehen mit ausführlichen Beschreibungen.

Rotlichtverstöße von Radfahrern meldeten Hinweisgeber unter anderem von der Ampel zwischen Alaunstraße und Glacisstraße auf der Bautzner Straße, an der Maxstraße und auf der Wilsdruffer Straße zwischen Schloßstraße und Altmarkt. Viel zu schnelle Radfahrer registrierten Dresdner auf der Hauptstraße, der Prager Straße, auf der Hauptallee im Großen Garten und dem Elberadweg am Fährgarten Johannstadt.

Gemessen an der Zahl der Hinweise gehören unter anderem der Albertplatz, die St. Petersburger Straße nahe der Synagoge, das Gebiet um den Bahnhof Mitte, das Terrassenufer, der Sachsenplatz, der Bereich vor dem Haupteingang des Hauptbahnhofs und der Fritz-Foerster-Platz in der Südvorstadt zu den besonders kritischen Punkten in Dresden.