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Warum der Beyer-Bau wieder zum Versuchsprojekt wird

Das markante Gebäude mit Turm im TU-Dresden-Campus wird aufwendig saniert und umgebaut. Dabei probieren die Auftraggeber neue Technologien aus.

Von Kay Haufe
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Den Turm kennen alle Dresdner: Der Beyer-Bau ist eines der markantesten Gebäude auf dem TU-Campus.
Den Turm kennen alle Dresdner: Der Beyer-Bau ist eines der markantesten Gebäude auf dem TU-Campus. © Christian Juppe

Dresden. Kaum eines der Forschungsgebäude der Technischen Universität Dresden ist so bekannt wie der Beyer-Bau. Vor allem durch seinen Turm mit dem Refraktor, der von vielen Stellen der Stadt in den Blick gerät. Tausende Studenten der Geodäsie, des Bauingenieurwesens, der Astronomie und der Photophysik sind in den vergangenen Jahrzehnten durch seine Flure gegangen und haben hier Vorlesungen und Seminare besucht. Namensgeber ist der Bauingenieur und Hochschullehrer Kurt Beyer (1881-1952).

Seit 2018 wird der Gebäudekomplex des Beyer-Baus saniert und umgebaut. Jetzt schwebt eine Richtkrone am Gerüst. Ziel ist es, dass 2024 die Fakultät Bauingenieurwesen hier endlich komplett unter einem Dach einziehen wird, sagt TU-Rektorin Ursula Staudinger. Auch die Arbeitsgruppe Astronomie des Instituts für Planetare Geodäsie soll ihren Platz im Gebäude erhalten.

60 Millionen Euro kostet die Erneuerung des denkmalgeschützten Gebäudes mit der roten Klinkerfassade, das 1913 in Betrieb ging. Eigentlich sollte es nach den Plänen von Architekt Martin Dülfer damals noch einen zweiten Gebäudeflügel erhalten, doch der Erste Weltkrieg setzte andere Prämissen. "Angesichts steigender Baupreise hoffen wir, dass das eingeplante Geld für die Sanierung reicht", sagt Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU), der zum Richtfest auf die Baustelle gekommen ist.

Bis die zehn Lehrräume mit insgesamt 770 Plätzen, darunter zwei historische Hörsäle, Büros für Professoren und Doktoranden sowie die Labore im Beyer-Bau fertiggestellt sein werden, sind noch viele Arbeiten nötig. "Martin Dülfert war ein reformfreudiger Architekt und hat den damals neuen Baustoff Stahlbeton großflächig eingesetzt", erklärt Elke Mühlbauer, die Leiterin der Niederlassung Dresden II des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Dass es damals noch keine Normen für diesen Baustoff gab, mache sich jetzt bemerkbar. Umfangreiche Voruntersuchungen und Statikprüfungen ergaben, dass die Substanz des Gebäudes sehr heterogen und fragil ist, sagt Mühlbauer. "Wir müssen mit Überraschungen rechnen."

Für sie selbst ist der Beyer-Bau eine ganz besondere Baustelle, hat die 62-Jährige doch genau in ihm Bauingenieurswesen studiert. "Damals waren wir nur drei Frauen in der Seminargruppe", erinnert sie sich. Heute arbeitet sie vorwiegend mit Architektinnen und Bauingenieurinnen am Projekt.

Elke Mühlbauer, die Leiterin der Niederlassung II des Sächsischen Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement, hat selbst im Beyer-Bau studiert.
Elke Mühlbauer, die Leiterin der Niederlassung II des Sächsischen Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement, hat selbst im Beyer-Bau studiert. © Christian Juppe

Große Kräne bringen Material für den neuen Dachstuhl, den der Beyer-Bau gerade erhält. Die Schäden des Krieges waren zu DDR-Zeiten nur notdürftig repariert worden. "Dort müssen wir massiv in die historische Substanz eingreifen, an anderen Stellen bemühen wird uns, dies so wenig wie möglich zu tun", sagt Mühlbauer. Damit modernste Technik für Spitzenforschung und Lehre im Gebäude installiert werden kann, sind viele Abstimmungen mit dem Denkmalschutz nötig, um Durchbrüche zu ermöglichen, die früher viel kleiner waren. Die Flurbögen werden künftig an bestimmten Stellen mit Ornamenten verziert, die der früheren angeglichen ist. Auch die hölzernen Wandschränke werden teilweise wieder zu sehen, aber aus Brandschutzgründen nicht mehr nutzbar sein. Dafür kommt ein neuer Linoleumbelag, der sich am Original orientiert, das von Peter Behrens entworfen wurde, der als Pionier des modernen Industriedesigns gilt.

Die Bögen in den Fluren erhalten an bestimmten Stellen wieder Ornamentbemalungen, die sich am Original orientieren.
Die Bögen in den Fluren erhalten an bestimmten Stellen wieder Ornamentbemalungen, die sich am Original orientieren. © Christian Juppe
In den Fluren wird Linoleum verlegt, das dem Original entsprechen soll, was Industriedesign-Pionier Peter Behrens entworfen hat.
In den Fluren wird Linoleum verlegt, das dem Original entsprechen soll, was Industriedesign-Pionier Peter Behrens entworfen hat. © H.F.Z. ARCHITEKTEN ARGE BEYER-BA

Künftig wird sich der neue Haupteingang des Beyer-Baus im südöstlichen Bereich befinden. Dafür wird eine große Treppe gebaut. Rollstuhlfahrer haben zwei Eingänge im Erdgeschossbereich darunter und kommen im Gebäude mit Aufzügen in die gewünschte Etage. Die beiden Innenhöfe werden überbaut, der Verbinder aufgestockt, um mehr Platz zu erhalten. "Dafür mussten wir teilweise alte, schwere Massivwände abreißen und durch neue Leichtbauwände ersetzen", sagt Mühlbauer.

Auch heute, bei der Sanierung, probiere man wieder Neues aus, so wie damals Architekt Martin Dülfert. "So wird es wieder ein Versuchsgebäude", sagt Mühlbauer. Zum Beispiel werden Deckenkonstruktionen und Unterzüge durch Carbonbeton verstärkt. "Das klappt aber nicht immer problemlos, wie wir bemerkt haben."

Die Decken der Lehrräume werden mit dem neuen Baustoff Carbonbeton verstärkt.
Die Decken der Lehrräume werden mit dem neuen Baustoff Carbonbeton verstärkt. © Christian Juppe

Im Frühjahr werden die Bauarbeiter die Turmkuppel abnehmen, um sie zu sanieren, derzeit werde gerade das Schwerlastgerüst dafür gebaut. Das Teleskop werde in Jena überarbeitet.