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Verstärkter Chlorgeruch im Trinkwasser

Das Wasserwerk Coschütz ist derzeit außer Betrieb. Was die Gründe für den Geruch sind.

Über verstärkten Chlorgeruch beschwerten sich Bewohner von Pieschen und Bühlau.
Über verstärkten Chlorgeruch beschwerten sich Bewohner von Pieschen und Bühlau. © Dietmar Thomas

Dresden. In den vergangenen Wochen riecht das Dresdner Trinkwasser verstärkt nach Chlor. Darüber beschwerten sich unter anderem Verbraucher aus Bühlau und Pieschen. Drewag-Sprecherin Nora Weinhold bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass dies der Fall ist. Als einen Grund dafür führt sie das veränderte Mischungsverhältnis im 2.410 Kilometer langen Dresdner Leitungsnetz mit seinen rund 56.000 Hausanschlüssen an. Denn das Wasserwerk Coschütz ist seit 14. September außer Betrieb. 

Der Grund dafür sind Arbeiten am Leitungssystem zwischen der Talsperre Klingenberg und dem Wasserwerk Coschütz. Dort werden einerseits letzte Arbeiten am ältesten Stollen zwischen den Wasserkraftwerken Dorfhain und Tharandt ausgeführt. Ein Abschnitt war marode und musste dringend saniert werden. Seit 2012 wurden jeweils im Herbst mehrere insgesamt 155 Meter lange Abschnitte saniert. In dieser Zeit wird in Dresden nicht so viel Trinkwasser verbraucht. Die Arbeiten waren so aufwendig wie beim Tunnelbau durchs Gebirge. 

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Durch diesen Stollen unterm Tharandter Wald fließt während der Sanierung kein Wasser der Talsperre Klingenberg nach Coschütz. Hier montierte Eisenflechter André Lisson im Herbst 2018 die Bewehrung für die neue Stahlbetonschale. Derzeit werden dort die let
Durch diesen Stollen unterm Tharandter Wald fließt während der Sanierung kein Wasser der Talsperre Klingenberg nach Coschütz. Hier montierte Eisenflechter André Lisson im Herbst 2018 die Bewehrung für die neue Stahlbetonschale. Derzeit werden dort die let © Foto: Sven Ellger

Derzeit werden Arbeiten im Tharandter Wald im Bereich der Querung des Seerenbaches zwischen dem Wasserkraftwerk Dorfhain und dem Wasserschloss Tharandt ausgeführt. Bergleute sanieren drei kleine Teilstücke von insgesamt 15 Metern und den Einstiegsschacht im Seerental. Außerdem werden noch letzte Arbeiten bei der Erneuerung der Hangleitung am Wasserschloss in Freital-Coßmannsdorf ausgeführt. Bis 14. Dezember sollen alle Arbeiten soweit abgeschlossen werden, damit danach das sogenannte Rohwasser wieder von Klingenberg durch die Stollen und Leitungen bis nach Coschütz fließen kann. Die Drewag nutzt die Zeit bis Dezember auch für Wartungsarbeiten im Coschützer Wasserwerk.

Im Hosterwitzer Werk wird derzeit mehr Trinkwasser aufbereitet, da Coschütz außer Betrieb ist. Dort gibt es ein spezielles Verfahren, damit auf sprunghaft steigenden Bedarf reagiert werden kann.
Im Hosterwitzer Werk wird derzeit mehr Trinkwasser aufbereitet, da Coschütz außer Betrieb ist. Dort gibt es ein spezielles Verfahren, damit auf sprunghaft steigenden Bedarf reagiert werden kann. © (c) Christian Juppe

Seit dem 14. September wird Dresden nur aus den Wasserwerken in Hosterwitz und Tolkewitz versorgt, in denen Grundwasser und Uferfiltrat der Elbe aufbereitet werden. „Im Unterschied zu Coschütz und Tolkewitz wird in Hosterwitz nicht Chlordioxid, sondern Chlorgas zur Trinkwasserdesinfektion verwendet“, erklärt die Drewag-Sprecherin. „Dieses hat einen etwas intensiveren Geruch.“ 

Ein weiterer Grund dafür könne auch die Erhöhung des Anteils von freiem Chlor von 0,1 auf 0,2 Milligramm je Liter sein. Dazu habe sich die Drewag entschlossen, weil durch den Regen im November der Anteil der eingespülten Mikroorganismen deutlich gestiegen sei. Dennoch könne das Trinkwasser bedenkenlos konsumiert werden. „Wenn es nach dem Zapfen aus dem Hahn eine Weile in einem Gefäß steht, verzieht sich der Geruch auch“, erläutert die Sprecherin. 

Chemielaborant Patrick Wolffersdorff prüft im Coschützer Labor die Qualität des Trinkwassers. Dort wird es auf bis zu 290 Parameter untersucht.
Chemielaborant Patrick Wolffersdorff prüft im Coschützer Labor die Qualität des Trinkwassers. Dort wird es auf bis zu 290 Parameter untersucht. © Foto: Rene Meinig

Die Drewag tut alles dafür, dass dieses am besten kontrollierte Lebensmittel immer allen Qualitätsanforderungen entspricht. Das Wasser wird in sämtlichen Stufen der Aufbereitung kontrolliert. So werden täglich Proben an den Abläufen der Filter und des Abflusses ins Stadtnetz genommen. Im Coschützer Labor wird das Wasser dann auf bis zu 290 Parameter untersucht, darunter auf Krankheitserreger, den pH-Wert oder die Trübung. Zudem wird das Trinkwasser über Online-Messtechnik auf Grundparameter, wie Trübung oder elektrische Leitfähigkeit überwacht. Gibt es Veränderungen, wird schnell gehandelt.

Im Hosterwitzer Werk gibt es eine Besonderheit, damit auf sprunghaft steigenden Bedarf reagiert werden kann. Dort wird in einem speziellen Verfahren Wasser aus der Elbe gepumpt, behandelt, gefiltert und über fünf Infiltrationsbecken, die so groß wie drei Fußballfelder sind, wieder in den Grundwasserleiter versickert. Damit steigert die Drewag die Kapazität und ist wesentlich flexibler. Dadurch ist es beispielsweise möglich, dass das Hauptwasserwerk Coschütz bei  Sanierungsarbeiten abgeschaltet und Dresden komplett mit Wasser aus Hosterwitz und Tolkewitz versorgt werden kann.

In Dresden wird immer mehr Trinkwasser benötigt. Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im besonders warmen und trockenen Jahr 2018 ging die Verbrauchskurve mit knapp 118.000 Kubikmetern Trinkwasser noch weiter nach oben, im vergangenen Jahr waren es sogar 121.000 Kubikmeter. Der diesjährige Verbrauchsrekord wurde am 7. August mit knapp 156.000 Kubikmetern erreicht.

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