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Dresden: DVB übernehmen Cargotram von VW

Das Aus für Dresdens Güterstraßenbahn wurde im vergangenen Jahr beschlossen. Dann war lange offen, wie es weitergeht. Was die DVB nun vorhaben.

Als die Güterstraßenbahnen vor 20 Jahren ihren Betrieb aufnahmen, sorgte das für viel Interesse. Jetzt geht es um ihre Zukunft.
Als die Güterstraßenbahnen vor 20 Jahren ihren Betrieb aufnahmen, sorgte das für viel Interesse. Jetzt geht es um ihre Zukunft. © Archiv/dpa

Dresden. Der Vertrag ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Die Mappe mit der Rechnung ist noch unterwegs in die Zentrale der potenziellen neuen Besitzer. Doch im Grunde sind sich alle einig. Das heißt: VW wird die blauen Güterstraßenbahnen verkaufen. Schon bald, wenngleich offiziell noch kein Termin genannt wird.

Die potenziellen neuen Eigentümer kennen sich mit den Fahrzeugen bestens aus. Schließlich haben sie sie bauen lassen und im Auftrag von VW betrieben. Zwischen dem Logistikzentrum des Autoherstellers in der Friedrichstadt und der Gläsernen Manufaktur waren sie nahezu genau 20 Jahre lang unterwegs, gefahren wurden sie von Mitarbeitern des neuen Eigentümers. Das werden voraussichtlich die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). "Offiziell haben wir die Bahn gekauft", sagt Unternehmenssprecher Falk Lösch. Die Rechnung werde "sicher in absehbarer Zeit beglichen".

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Vergebliche Verkaufsbemühungen

Wie hoch sie ist, bleibt wenigstens vorerst geheim. Als sie gebaut wurden, kostete jeder der zwei Züge samt den eigens dafür gefertigten Triebwagen rund 6,5 Millionen Mark. Was VW dafür jetzt bekommen soll, sei "keine Unsumme", sagt Lösch. Die Bahnen bleiben damit dort, wo sie seit ihren letzten Fahrten stehen - auf einem Betriebshof der Verkehrsbetriebe. Ihre Zukunft ist aber noch ungewiss. Klar ist nur: Vor der Schrottpresse sind sie damit erst einmal sicher.

Die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe haben bisher nur erste Ideen dazu, wie es mit den Bahnen weitergehen soll. Auch ein Weiterverkauf ist noch möglich, doch damit ist bereits VW gescheitert. "Wir haben sie auf allen möglichen Plattformen angeboten", berichtet Mario Blank, der Logistikchef der Manufaktur, bereits im Oktober 2020. Ohne Erfolg.

Die DVB-Verantwortlichen denken aber eher an einen Umbau für den Eigenbedarf. Die blauen Sonderzüge könnten künftig zu Wirtschaftsfahrzeugen werden. Dafür werden allerdings nicht alle Teile gebraucht, schon gar nicht alle Mittelwagen, die mit ihren Planen eigens für die schnelle Be- und Entladung sowie den Transport von Autoteilen auf der Strecke zwischen der Friedrichstadt und der Manufaktur entwickelt wurden.

Sie könnten künftig zu Straßenbahnen werden, die Rasengleise bewässern, die Oberleitungen schmieren, um sie bei Frost eisfrei zu halten, oder die Schienen schleifen. Denn entweder gibt es solche Fahrzeuge noch nicht oder die Tatras, die dafür jetzt genutzt werden, sind ebenfalls so alt, dass sie bald nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können.

Plötzliches Aus nach Unfall

Vorerst bleiben die Güterstraßenbahnen aber auf ihrer Parkposition. Eine davon war zuletzt am 10. Dezember unterwegs. Ein Unfall direkt vor der Einfahrt zur Manufaktur beendete diese Dienstfahrt. Eigentlich sollten die blauen Straßenbahnen noch bis kurz vor Weihnachten 2020 im Einsatz sein. Doch mit diesem Unfall endete vorfristig auch der Betrieb der Güterstraßenbahnen in Dresden. Zumindest der für VW.

Sache der DVB ist nun, ob und in welcher Form die Fahrzeuge wieder zum Leben erweckt werden. Mit einer Entscheidung darüber wollen sich die DVB-Verantwortlichen Zeit lassen. Denn aktuell gibt es wichtigere Themen. Dazu gehören nicht nur die aktuellen Corona-Probleme und große Gleisbaustellen wie auf der Großenhainer und der Bautzner Straße.

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Dazu gehört auch der Bau der neuen Dresdner Straßenbahnen. Die erste davon wird sich voraussichtlich im August zu den vorerst ausgemusterten blauen Bahnen gesellen, die bei ihrer Inbetriebnahme 2001 weltweit für Aufsehen gesorgt haben.

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