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Wachmänner klagen gegen FC Chemnitz

In einer Notsituation sprang das Dresdner Security-Unternehmen ein – nun gibt es Streit ums Geld. Es geht um offene Rechnungen von knapp 70.000 Euro.

Beim Spiel des Chemnitzer FC gegen VSG Altglienicke zündeten FC-Fans Bengalos, um an einen verstorbenen Rechtsextremen zu gedenken. Danach musste sich der FC von seinem Sicherheitsdienst trennen. Jetzt gibt es Streit ums Geld mit der Nachfolger-Firma.
Beim Spiel des Chemnitzer FC gegen VSG Altglienicke zündeten FC-Fans Bengalos, um an einen verstorbenen Rechtsextremen zu gedenken. Danach musste sich der FC von seinem Sicherheitsdienst trennen. Jetzt gibt es Streit ums Geld mit der Nachfolger-Firma. © dpa/Harry Härtel

Dresden. Im Frühjahr 2019 stand der Chemnitzer FC unter gewaltigem öffentlichen Druck. Auslöser war der Krebstod von Thomas Haller, dem langjährigen Chef der Sicherheitsfirma, die von den Himmelblauen eingesetzt worden war, und der fragwürdige Umgang damit. Denn Haller war auch ein stadtbekannter Neonazi, der in den 90er-Jahren die Hooligan-Gruppe „HooNaRa“ gegründet und angeführt hatte. Die Bezeichnung steht für „Hooligans Nazis Rassisten“.

Am 10. März wurde bei einem Heimspiel gegen die VSG Altglienicke im Stadion öffentlich dem am Krebs verstorbenen Haller gedacht – gerade ein gutes halbes Jahr nach schweren Ausschreitungen Rechtsextremer im Spätsommer 2018 in Chemnitz, an denen nach damaligen Medienberichten auch Haller mitgewirkt haben soll.

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Ins Abseits manövriert

Eine mehr oder weniger offizielle Ehrung für einen Neonazi? Der Chemnitzer FC hatte sich ins Abseits manövriert und sah sich gezwungen, sich in der laufenden Viert-Liga-Saison quasi über Nacht von seinem Sicherheitsdienst zu trennen.

Eine Dresdner Firma sprang ein, sicherte sieben Partien ab, darunter auch eine Pokalbegegnung gegen Lok Leipzig. Doch als es ans Bezahlen ging, folgte der Streit. Nun verklagt die Securityfirma die Profiabteilung, die Chemnitzer FC Fußball GmbH, vor dem Landgericht Dresden.

Diese Woche fand ein erster Gütetermin der Zivilkammer statt. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Peter Kieß fordern die Kläger knapp 70.000 Euro. Die Absicherung der Spiele wurde auf rund 170.000 Euro insgesamt beziffert, wovon der FC jedoch nur etwa 100.000 Euro beglichen habe. Gestritten wird über die Vergütung der Sicherheitskräfte, deren Fahrtkosten und die Kosten für den Einsatzleiter.

Lange Anreise kostet

Die Sicherheitsfirma argumentiert laut Kieß, dass der FC gewusst habe, dass die Kosten höher seien. Die Dresdner Firma sei gezwungen gewesen, Mitarbeiter aus Leipzig, Senftenberg und selbst aus Nürnberg anzufordern, da Chemnitzer Kräfte nicht eingesetzt werden konnten. Wer etwa zwei Stunden Anreise hatte, habe neben dem vierstündigen Einsatz im Stadion weitere vier Stunden für An- und Abreise abrechnen können.

Eine eigene Klausel für diese Kosten habe in dem Vertrag aber gefehlt. Die Wachschutzfirma begründet das mit dem hohen Zeitdruck. Die Vertragsverhandlungen fanden am 21. März statt, zwei Tage vor dem ersten Einsatz beim Heimspiel gegen Budissa Bautzen. Aus diesem Grund sei auch die Vereinbarung über die zusätzlichen Kosten, die in den Gesprächen ein großes Thema gewesen seien, nicht fixiert worden.

Vorerst keine gütliche Einigung

In diesem Jahr dürfte die finanzielle Situation des FC auch wegen des Zuschauerverbots aufgrund der Corona-Beschränkungen alles andere als himmelblau sein. Die Beklagte möchte nur die Summe zahlen, die schriftlich vereinbart gewesen sei. Sie habe dieser sogenannten Nebenabrede nicht zugestimmt und beantragte, die Klage abzuweisen, nachdem auch der Versuch des Gerichts, eine gütliche Einigung zu erzielen, gescheitert war.

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