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Warum sich Baukosten fürs Blaue Wunder verdoppeln

Das Dresdner Wahrzeichen hat starke Schäden. Doch die Sanierung wird immer weiter verschoben.

Die Sanierung des Blauen Wunders wird teurer als einst geplant. Der stählerne Überbau soll dabei abschnittsweise unter Gerüsten verschwinden.
Die Sanierung des Blauen Wunders wird teurer als einst geplant. Der stählerne Überbau soll dabei abschnittsweise unter Gerüsten verschwinden. © René Meinig

Dresden. Das Blaue Wunder als eines der bekanntesten Dresdner Wahrzeichen ist in die Jahre gekommen. Die Farbe blättert, Stahlteile rosten, Lager sind verschlissen. Deshalb muss gehandelt werden. Doch die Stadt musste die große Sanierung der Stahlkonstruktion immer wieder verschieben. Dabei werden die Arbeiten immer teurer. Schätzte die Stadt Anfang 2017 die Kosten für die gesamte Sanierung der 1893 übergebenen versteiften Hängebrücke noch auf 34 bis 45 Millionen Euro, so können es jetzt im günstigsten Fall 90 Millionen werden, kommt es ganz hart, sogar bis zu 120 Millionen Euro. Das hatte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) jetzt im Bauausschuss mitgeteilt.

Die Gründe: Kostenschätzung lange nicht mehr aktualisiert

Kann die Sanierung bald beginnen, würden noch 90 Millionen Euro ausreichen, erklärt Ausschussmitglied Thomas Löser (Grüne). Würde sie sich noch weiter verzögern, wären bis zu 120 Millionen fällig.

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Dass die kalkulierten Kosten auf mehr als das Doppelte steigen liege daran, dass die Schätzung seit Jahren nicht mehr an die Entwicklung der Baupreise angeglichen wurde. Und die steigen um bis zu sechs Prozent jährlich, erklärt der Stadtrat, der auch im Landtag sitzt.

Die Geländer neben der Fahrbahn sind stark verrostet, einige 'Teile ausgebrochen.
Die Geländer neben der Fahrbahn sind stark verrostet, einige 'Teile ausgebrochen. © René Meinig

Die Finanzen: Stadt auf Zuschüsse angewiesen

„Die Sanierung allein aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren, ist nicht möglich“, sagt Löser. Bei den Planungen hatte die Stadt immer damit gerechnet, dass sie 90 Prozent Fördermittel bekommt. Zwar hatte sich der Baubürgermeister bereits ans Finanzministerium gewandt. Doch das habe bisher noch keine Lösung in Aussicht gestellt. „Wir müssen mit dem Freistaat ins Gespräch kommen“, sagt der Landtagsabgeordnete. Schließlich sei das Blaue Wunder als Dresdner Wahrzeichen ein weit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes technisches Denkmal. Im Bauausschuss kam auch die Frage, ob nicht gleich ein Neubau errichtet werden soll. Doch das lehne der Denkmalschutz strikt ab.

Landtagsabgeordneter Thomas Löser von den Grünen will sich dafür stark machen, dass der Freistaat Fördermittel für das Blaue Wunder bereitstellt.
Landtagsabgeordneter Thomas Löser von den Grünen will sich dafür stark machen, dass der Freistaat Fördermittel für das Blaue Wunder bereitstellt. © Foto: Rene Meinig

„Wir brauchen jetzt ein klares Konzept, wie wir es machen. Die Dresdner Landtagsabgeordneten müssen sich zusammensetzen und mit dem Freistaat eine Lösung zur Finanzierung finden“, schlägt er vor.

An der Stahlkonstruktion gibt es viele Schäden. So sind diese Stahlstreben verbogen.
An der Stahlkonstruktion gibt es viele Schäden. So sind diese Stahlstreben verbogen. © René Meinig

Die ersten Arbeiten: Längere Bauzeiten und höhere Kosten

Bereits bei den ersten Arbeiten hatte es sich abgezeichnet, dass die Sanierung schwierig wird. 2015 wurde der elbaufwärts liegende Fußweg saniert. Dort waren die Stahlträger unter den Fußwegbohlen aus Eichenholz so verrostet, dass sie ersetzt werden mussten. Die Arbeiten hatten über zwei Monate länger gedauert. Durch den Zusatzaufwand hatten sich zudem die Baukosten von 400.000 auf 810.000 Euro verdoppelt. Damals gab es aber wenigstens noch Fördermittel vom Freistaat. Die bekam die Stadt beim elbabwärts liegenden Fußweg aber nicht mehr.

Bei der Sanierung war der Fußweg im vergangenen Jahr unter weißen Hüllen verschwunden. Diese kommen auch bei der Sanierung der Stahlkonstruktion über die Gerüste.
Bei der Sanierung war der Fußweg im vergangenen Jahr unter weißen Hüllen verschwunden. Diese kommen auch bei der Sanierung der Stahlkonstruktion über die Gerüste. © Foto: Rene Meinig

Auch dort dauerten 2019 die Arbeiten länger als geplant. Sie konnten erst im Januar dieses Jahres beendet werden. Außerdem erhöhten sich die Baukosten von 1,2 auf 1,6 Millionen Euro. Die Fußwegsanierung war vorgezogen worden, da der für April 2018 geplante Sanierungsstart an der Stahlkonstruktion verschoben werden musste. Nach der öffentlichen Ausschreibung hatten sich nur zwei Firmen gemeldet. Deren Angebote entsprachen jedoch nicht den Bedingungen.

Der Auftakt: Noch Hoffnung auf Baustart Anfang 2022

Derzeit wird der Stahlbau und Korrosionsschutz geplant. Das Straßenbauamt hofft, Anfang 2022 mit der Sanierung beginnen zu können, bei der die Brücke auch frische Farbe bekommt. Die Kosten dafür werden auf rund 40 Millionen Euro geschätzt, hatte Brückenabteilungsleiter Andreas Gruner der SZ erklärt. Die 3.800 Tonnen schwere Stahlkonstruktion soll über fünf Jahre abschnittsweise saniert werden. Um sie nicht zu überlasten, werden jährlich zwei bis vier Gerüstabschnitte aufgebaut, die zwischen zwölf und 46 Meter lang sie. Sie werden mit weißen Planen verhüllt.

„Die wichtigste Voraussetzung ist aber, dass wir spätestens Mitte 2021 den Fördermittelbescheid vom Land haben“, hatte Gruner erklärt. Genau dafür will sich Löser stark machen. Danach könnte die öffentliche Ausschreibung des Auftrags starten. Er könnte dann im Herbst vergeben werden. Beginnen die Arbeiten im Januar 2022, würden sie bis Anfang 2026 dauern.

Fünf Jahre lang sollen die Arbeiten an der Stahlkonstruktion dauern. Danach sind noch weitere umfangreiche Instandsetzungen nötig.
Fünf Jahre lang sollen die Arbeiten an der Stahlkonstruktion dauern. Danach sind noch weitere umfangreiche Instandsetzungen nötig. © René Meinig

Die Perspektive: Weitere Arbeiten bis in die 2030er-Jahre

Ist das geschafft, sind weitere Millionen nötig. So sind Instandsetzungen an den beiden Ankerkammern, den Pfeilern sowie Lagern und an der Fahrbahn nötig. Ursprünglich war dafür ein Zeitraum von acht bis neun Jahren kalkuliert worden. Gefährdet ist das Blaue Wunder noch nicht. Bei der letzten Bauwerksprüfung 2018 hatte die Brücke eine Note von 3,0 auf der bis 4,0 reichenden Skala bekommen. Doch jetzt muss gehandelt werden.

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