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Corona-Winter: Das Ende der E-Scooter in Dresden?

Schon vor dem Winter war vom Boom der E-Scooter kaum noch etwas zu sehen. Zusätzlich zeigt sich: Kaum Dresdner lassen wegen den Rollern das Auto stehen.

Die Stadt hat abgefragt wer solche Roller besonders gern nutzt und für welche Wege sie bevorzugt werden.
Die Stadt hat abgefragt wer solche Roller besonders gern nutzt und für welche Wege sie bevorzugt werden. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Das Geschäft ist komplett weggebrochen. Und das liegt längst nicht nur daran, dass Einspurfahrzeuge bei Eis und Schnee eher ungeeignet sind. Kein E-Roller steht jetzt noch auf den Straßen, die Verantwortlichen von Lime und Tier haben sie einsammeln und in die Lager bringen lassen.

Doch schon vor dem Wintereinbruch war vom Scooter-Boom nicht mehr viel zu sehen in Dresden. Grund war wahrscheinlich der Lockdown ab Mitte Dezember. Zwar wurden die Roller anders als beim Frühjahrs-Lockdown dieses Mal nicht sofort eingesammelt, weder von Lime noch von Tier. Doch wenn weniger Menschen auf den Straßen sind, wird eben auch weniger Roller gefahren.

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Branchenprimus Lime drückt das so aus: "Insgesamt ist die Auslastung aufgrund der generell geringeren Mobilität niedriger." Diesen Satz hat Deutschland-Chef Jashar Seyfi nach einer SZ-Anfrage durch eine Kommunikationsagentur in Berlin übermitteln lassen.

Dennoch haben sich Lime "gerade in diesen schwierigen Zeiten dazu entschieden", seine Fahrzeuge weiter anzubieten, wenn auch in geringerem Umfang. Also weniger Roller, als zu Hoch-Zeiten im Startjahr 2019.

Bis zu 1.200 Lime-Scooter standen vor Corona in der Stadt. Im Sommer 2020, nach dem ersten Lockdown, ging Lime mit knapp der Hälfte davon wieder an den Start.

Junge Männer fahren besonders häufig Scooter

Jetzt nennt das Unternehmen keine Zahlen. Die Anzahl der Roller vor dem Lockdown im Dezember und wie sie genutzt wurden, behält Lime für sich, nennt dafür aber keine Begründung.

Nur soviel: Unabhängig von den derzeit reduzierten Fahrzeugflotten gehe es für den Rolleranbieter "grundsätzlich nicht um die absoluten Zahlen". Lime wolle "ein flexibles und nachhaltiges Mobilitätsangebot schaffen, das zu den Bedürfnissen der jeweiligen Stadt passt".

Bei der Frage, was für Dresden passt, können sich die Rolleranbieter neuerdings auf Zahlen aus dem Rathaus stützen. In der repräsentativen "Kommunalen Bürgerumfrage 2020" hat die Stadt auch Fragen zu den Elektrorollern gestellt.

Die Antworten haben die Verantwortlichen im Punkt "Mobilität und Verkehr" zusammengefasst. Demnach haben neun Prozent aller Dresdnerinnen und Dresdner schon einmal einen E-Scooter ausgeliehen. Beliebt sind die Elektrofahrzeuge vor allem bei den 16- bis 24-Jährigen.

Fast ein Viertel gab an, schon einmal einen solchen Roller ausgeliehen zu haben. 17 Prozent waren es bei den 25- bis 34-Jährigen und noch zwölf Prozent der Dresdner im Alter zwischen 35 und 44 Jahren haben schon mal einen solchen Roller genutzt.

Die andere Seite der Medaille: Kein Dresdner, der 45 Jahre oder älter war, hat in der Umfrage angegeben, jemals einen solchen Roller gemietet zu haben.

Rollerfahrten ersetzen Bus und Bahn

Das passt nicht zum Anspruch von Lime, ist der Rolleranbieter doch angetreten, um seine Scooter unter anderem für die sprichwörtliche letzte Meile anzubieten. Gemeint ist damit zum Beispiel der Fußweg von einer Straßenbahnhaltestelle zum Arbeitstermin oder nach Hause.

Genau deshalb stehen die Roller häufig in der Nähe großer Haltestellen. Doch das Letzte-Meile-Angebot zieht offenbar nicht bei Dresdnern, die 45 Jahre oder älter sind.

Fahrten mit den E-Rollern sind laut dem Umfrageergebnis der Stadt vor allem etwas junge Heranwachsende und Männer. Frauen nutzen die Scooter deutlich weniger häufig. Außerdem hat die Umfrage ergeben, dass die Roller vor allem genutzt werden, um damit Strecken zurückzulegen, die die Zweiradfahrer andernfalls gelaufen werden.

Diese Strecken machen 61 Prozent aller Rollerfahrten aus. Jashar Seyfi wollte das anders: Aus Sicht des Lime-Geschäftsführers sind sie das optimale Verkehrsmittel für kürzere Wege, die man sonst mit dem Auto zurückgelegt hätte.

Das haben 19 Prozent der befragten Dresdner gemacht. Fast ein Drittel stieg vom Fahrrad auf einen Elektroroller um und 61 Prozent haben auch angegeben, Fahrten mit Bussen und Bahnen durch Rollertouren zu ersetzen.

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