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Lösung für umstrittenen Obelisken in Dresden

Wegen seiner Inschrift ist der große Stein in Nickern auch Neonazi-Treff. Um das zu ändern, will Dresden streitbare Denkmale besser einordnen. Was geplant ist.

Das Mahnmal in Nickern ist schon lange Stein des Anstoßes. Jetzt gibt es eine Lösung.
Das Mahnmal in Nickern ist schon lange Stein des Anstoßes. Jetzt gibt es eine Lösung. © René Meinig

Dresden. Lange gab es Streit darum, ob überhaupt - und wenn ja, wie - der umstrittene Obelisk in Altnickern entschärft werden könne. "1945, 13. Februar - Wir gedenken der Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors", steht auf dem Gedenkstein. Eine "Erklär"-Stele soll Einordnung bringen und den Missbrauch von Rechtsextremisten und ihren Gegnern verhindern. Doch auch über eine Veränderung gab es Meinungsverschiedenheiten. Jetzt ist die Lösung da.

Obelisk sollte an Gefallene aus 1. Weltkrieg erinnern

Seitdem sich immer wieder, insbesondere rund um den 13. Februar, Neonazis am Nickerner Gedenkstein versammelt hatten, wollten Grüne, Linke und SPD etwas ändern. Ein Vorschlag war, die Inschrift des Steins zu entfernen.

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Im Dezember 2020 schlug Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) vor, neben den Stein eine Stele zu stellen. Eine Erklärung solle das Denkmal historisch einordnen. Auch sie sehe Handlungsbedarf, weil "der Obelisk Ziel zahlreicher Aktivitäten war, darunter strafrechtlich relevanten Verhaltens im Umfeld des Gedenkens an den 13. Februar". Weil der Verfassungsschutz diese als Verschlusssache einstuft, könne das nicht näher ausgeführt werden.

Aber der historische Zusammenhang sei wichtig, weil der Stein aus dem Jahr 1920 stammt und ursprünglich zur Erinnerung der 18 Gefallenen aus Dresden-Nickern im Ersten Weltkrieg geschaffen wurde. Erst nach dem 13. Februar 1945 wurde er umgewidmet, erhielt besagte Inschrift. Eine zweite Inschrift auf der anderen Seite kam 1946/47 dazu. Diese wird als Diskreditierung des "Westens" durch das SED-Regime gewertet.

Obelisk soll in Wanderweg integriert werden

Es gab auch einen konkreten Vorschlag für die Aufschrift der Stele, unter dem Titel: "Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung". Darin wird der Stein historisch eingeordnet, Bezug zu allen Punkten genommen und am Ende darauf verwiesen, dass "Nationalismus wieder wachse".

Doch das war einigen Stadträten offenbar zu viel. "Wir sehen es als Erweiterung des Archaeo-Pfades", so Mario Schmidt, der für die CDU im Stadtrat und im Stadtbezirksbeirat Prohlis sitzt. Dabei handelt es sich um den im vergangenen Jahr entstandenen ersten Archäologie-Wanderweg Sachsen. Dieser Rundwanderweg zeigt zwischen Prohlis und Nickern Orte bedeutender archäologischer Funde.

In diesen Wanderweg soll also der Obelisk integriert werden. Deshalb will Schmidt auch nicht die von der Stadt vorgeschlagene Stele, sondern eine wie an den anderen Stationen des Wanderwegs - nur in grau statt grün.

Die Aufschrift solle sachlich gehalten sein. Überschrift: "Der Obelisk in Nickern – Geschichte und Rezeption". Ebenfalls mit dem Verweis auf die Entstehung. Auf die Bombardierung und die Geschichte danach wird ebenfalls eingegangen: "Die Ereignisse des 13. und 14. Februar wurden bald zu einem wirkmächtigen Mythos, der lange zurückreichende Dresdner Selbstbilder mit der Vorstellung einer 'unschuldigen' und 'einzigartigen' Barockstadt verband. Die Angriffe britischer und amerikanischer Bomber auf Dresden im Zweiten Weltkrieg waren Teil des Kampfes der Alliierten gegen Nazideutschland, die Geschichtspolitik der DDR formte daraus eine Anklage gegen die Westmächte.'

Stele soll vor 13. Februar 2022 stehen

Auch auf den aktuellen Missbrauch des Steins aufgrund seiner Inschrift wird eingegangen: "Doch die Erinnerungen an Krieg und Gewalt prägen unser Leben bis in unsere Tage weiter. Am Beginn des 21. Jahrhunderts erleben wir in ganz Europa die Rückkehr nationalistischer Überzeugungen und Haltungen. Gerade deshalb bleibt es wichtig, dass wir gemeinsam an die Opfer der Kriege und vergangenes Unrecht erinnern. Dies kann zur Voraussetzung für ein friedliches Miteinander werden."

Auf diese etwas abgeschwächte Form und die Einbindung des Gedenksteins in den "Archaeo"-Pfad haben sich nun die Stadtbezirksbeiräte in Prohlis verständigt. Auf den neuen Text für die Stele haben sich nun die Kulturpolitiker der meisten Fraktionen geeinigt.

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Nun soll der Kulturausschuss im Mai das neue Konzept absegnen, damit die Stele in Auftrag gegeben werden kann. Der ursprüngliche Zeitplan der Verwaltung, die Stele im Sommer einzuweihen, ist nun nicht mehr realistisch. "Ob Juni oder Oktober ist relativ egal", so Schmidt. "Wichtig ist, dass die Stele vor dem nächsten 13. Februar steht."

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