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Lockdown: Dresdner Lehrer begeistern mit genialer Idee

Nadine Lehnert und Frederick Simon Kasper nutzen Utensilien, die fast jeder zu Hause hat. Dafür werden sie von ihren Schülern gefeiert.

Nadine Lehnert unterrichtet Mathe und Physik. Sie dreht wie ihr Kollege Frederick Kasper Erklärvideos für das Homeschooling.
Nadine Lehnert unterrichtet Mathe und Physik. Sie dreht wie ihr Kollege Frederick Kasper Erklärvideos für das Homeschooling. © Marion Doering

Dresden. Lernen im Homeschooling ist herausfordernd. Lehren aber auch. Keiner weiß das besser als Nadine Lehnert und Frederick Simon Kasper.

Die beiden unterrichten Mathe und Physik sowie Geschichte und Mathe am Gymnasium Klotzsche. Weil der direkte Kontakt zu ihren Schülern fehlt und sie merken, dass die Motivation der jungen Leute im Lockdown sinkt, haben sich die beiden etwas einfallen lassen: Erklärvideos. Die drehen sie zuhause.

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Nach nötigen Programmen suchen

Während Nadine Lehnert dafür Experimente in Physik gefilmt hat, bietet Frederick Kasper sie direkt zu den Aufgaben an, die er den Schülern stellt. Dafür nutzt er interaktive Tafelbilder, die er per Kamera abfilmt, damit die Schüler sie sehen können.

"Tatsächlich musste ich erstmal nach Programmen suchen, die mir das ermöglichen", sagt der junge Lehrer. "Da ist zunächst auch viel Improvisation dabei."

Aber Kasper hat gemerkt, dass die Schüler bei neuem Stoff besser zurechtkommen, wenn sie so audiovisuell angesprochen werden. Die Alternative wäre, dass er bei einer Videokonferenz etwas erklärt, ähnlich einer Vorlesung.

Noch einen Schritt weiter ist Nadine Lehnert gegangen. Sie hat sich Experimente überlegt, die in ihrer privaten Küche durchführbar sind und für die man die nötigen Materialien zuhause habe.

Zum Bespiel die Bestimmung der Dichte von Styropor oder Zucker. "Fast jeder bestellt doch gerade etwas online und in den Paketen wird Styropor zum Abpolstern verwendet. Und ein Päckchen Zucker und einen Messbecher hat auch jeder zuhause", sagt sie.

Doch schnell hat sie gemerkt, dass sie das Video nicht allein drehen kann. Ihre große Tochter fungiert nun als Kamerafrau, sie hat auch das Filmchen über das Ausmessen von Winkeln in einem Dreieck übernommen.

"Dabei gilt es aber einiges zu beachten: Ich möchte nicht, dass Personen außer mir zu sehen sind und es soll auch nur wenig aus meinen Wohnräumen erkennbar sein" sagt Nadine Lehnert.

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Die beiden Lehrer vom Gymnasium Klotzsche haben Spaß daran, ihren Schülern den Stoff auch auf diese Art und Weise zu vermitteln. "Sie können sich diese Erklärvideos auch mehrfach ansehen, wenn etwas nicht gleich verstanden wird", sagt Nadine Lehnert.

Das kommt gut an, Frederick Kasper hat bereits 57 Abonnenten für seine Videos, Nadine Lehnert immerhin 29. Auch das persönliche Feedback von den Schülern sei ausschließlich positiv, das sei ja fast wie in der richtigen Schule. Da fragen sich so manche Dresdner Eltern jetzt, warum machen das nicht mehr Lehrer?

Videos machen Spaß, aber kosten zusätzliche Zeit

Auch darauf haben die beiden eine klare Antwort: "Es macht Spaß, bedeutet aber auch zusätzliche Arbeit und Zeit", erklärt Nadine Lehnert.

Dass ihr Mann und die Tochter beim Vorbereiten und drehen mithelfen, sei nicht selbstverständlich. Dazu kommt das mühsame Suchen nach geeigneten Programmen, um die Inhalte aufnehmen zu können.

"Dafür gibt es keine zusätzliche Arbeitszeit und deshalb ist es auch nicht für alle Klassenstufen machbar", sagt Kasper. Auch der private Laptop und das eigene Smartphone müssen für die Filme genutzt werden. Das möchte nicht jeder Lehrer.

Vom Nutzen ihrer Videos sind Nadine Lehnert und Frederik Kasper allerdings überzeugt und stünden durchaus bereit, um interessierten Kollegen Tipps zu geben.

"Optimal wäre es jedoch, wenn nicht jeder vor sich hin probiert, sondern das vom Schulkollegium organisiert und dafür auch zeitliche Ressourcen bereitgestellt werden", sagt Kasper. Außerdem müsste es dafür vom Kultusministerium die nötige Technik und die Softwareprogramme geben.

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