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Wie fair ist Dresden?

Seit 2017 trägt Dresden den Titel "Fairtrade-Stadt". Damit will sie gegen Menschenrechtsverletzungen vorgehen. Hat die Stadt den Namen verdient?

Die Initiative "Fairtrade" fordert gerechte Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette.
Die Initiative "Fairtrade" fordert gerechte Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette. © Symbolbild: Miriam Ersch/Fairtrade

Dresden. Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, geringer Lohn - an zahlreichen Lebensmitteln hängt heutzutage ein dunkler Schatten, der nichts Gutes ahnen lässt. Sei das Kaffee, Schokolade, oder Fleisch - viele Erzeuger im globalen Süden haben kein Recht auf Urlaub, eine Krankschreibung oder geregelte Arbeitszeiten. Dagegen geht die Initiative "Fairtrade" vor. Sie fordert gerechte Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette. Also vom Landwirt auf der Plantage bis zum Verkäufer im Laden.

Auch die Stadt Dresden hat sich der Initiative angeschlossen und ist seit 2017 Fairtrade-Stadt. Nun wurde sie erneut mit dem Titel ausgezeichnet. Hat sie den Namen verdient?

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Was macht die Stadt, um fair produzierte Waren zu unterstützen?

Vor vier Jahren wurde Dresden erstmalig für das Engagement im fairen Handel ausgezeichnet. Die Stadt setzt einerseits auf Bildungsangebote, um Dresdner auf die Probleme entlang der Produktionsketten aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite versucht die Stadt selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung.

Hierbei engagiere sich Dresden auf drei verschiedenen Arten: Zum einen unterstützt die Stadt den Nachhaltigkeits-Stadtplan "Quergedacht". Dieser weist Geschäfte aus, in denen beispielsweise Kaffee aus kleinbäuerlichen Kooperativen, Kleidung aus fairer Produktion oder nachhaltige Technik gekauft werden kann. Darüber hinaus wird die Stadtverwaltung selbst aktiv - die Beamten fragen bei Veranstaltungen bevorzugt faire und nachhaltige Anbieter an, damit Lebensmittel mit gutem Gewissen verspeist werden können.

Was könnte die Stadt dennoch tun, um sich den Titel noch mehr zu verdienen?

"Es ist schön, dass sich die Stadt bemüht, aber es gibt Bereiche, die dabei noch nicht bedacht wurden", sagt Fridays-for-Future-Aktivist Kevin Bauch. Er schlägt vor, dass die Stadt noch mehr auf Recycling setzen sollte. Somit müsse gar nicht erst neue Ware unter unfairen Arbeitsbedingungen produziert werden. Außerdem fordert er die Stadt auf, mehr Anreize für Unternehmen zu schaffen, gemeinwohlorientiert zu handeln.

Die Grünen-Stadträtin Anja Osiander begrüßt ebenfalls die Initiative, sieht jedoch weitere Bedarfe: Demnach könnte die Stadt selbst noch mehr innerhalb der städtischen Betriebe tun. Sei das etwa ein Schulessen aus biologischer Landwirtschaft oder Fairtrade-Kaffee in der Kantine. Dazu müsse aber einiges im Vergaberecht des Freistaats geändert werden. Denn dann könnten Kommunen selbst entscheiden, wie hoch sie die sozialen und ökologischen Standards legen und von wem sie faire Produkte beziehen.

Was ist überhaupt eine Fairtrade-Stadt?

Dresden ist eine von 735 Fairtrade-Städten in Deutschland, fünf davon gibt es in Sachsen. Sie wollen den fairen Handel auf lokaler Ebene fördern. Um den Titel zu erhalten, muss eine Stadt mehrere Kriterien erfüllen. Beispielsweise soll ein bestimmter Anteil an Läden Produkte aus fairem Handel anbieten.

Die Voraussetzungen, um ausgezeichnet zu werden, seien aber niedrig, sagt Stefanie Licht vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen. Dresden brauche etwa 60 Betriebe und 30 Gastronomen, die mindesten zwei faire Erzeugnisse anbieten. Zwar begrüßt Licht den Vorstoß der Stadt, sieht aber noch weiteren Handlungsbedarf.

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