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Wie fremdenfeindlich ist Dresden?

Spätestens seit der Dresdner Stadtrat einen Antrag zum "Nazinotstand" beschlossen hat, ist dies international ein Thema. Welche Hinweise die Bürgerumfrage gibt.

Pegida hat zum rechten Ruf Dresdens beigetragen und bewirkt auch bei den Dresdnern einiges.
Pegida hat zum rechten Ruf Dresdens beigetragen und bewirkt auch bei den Dresdnern einiges. © Archiv/Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Pegida und andere rechte Kundgebungen schaden dem Ruf der Stadt. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der kommunalen Bürgerumfrage wider.

Viele Dresdner sehen Rechtsextremismus und Pegida als eines der größten Probleme in Dresden. Viele sagen aber auch, für Asylsuchende und Geflüchtete soll weniger getan werden. Was die Ergebnisse über die Dresdner aussagen.

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"Rechtsextremismus und Pegida" landet bei der offiziellen Umfrage der Stadt unter den Dresdnern auf Platz drei bei den größten Problemen. Unter den Begriff fallen laut Erläuterung der Stadtverwaltung "Probleme wie Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und die Auftritte und Positionen von Pegida".

Bei der Umfrage, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurde und deren Ergebnisse nun vorliegen, wurde dieses Problem 772 Mal genannt. Die Stadt hatte die "größten Probleme" angefragt und es gab keine Vorgaben.

Damit haben erneut mehr Dresdner dieses Thema von sich aus als Problem aufgeworfen als 2016 und 2018 bei den Umfragen. Es belegt Platz drei, nur 2016 war es mit Platz eins noch weiter vorne platziert. Zum Vergleich: Corona landete als Problem auf Platz fünf.

Soll Dresden mehr oder weniger für Geflüchtete tun?

Die Frage, für welche Personengruppen in der Stadt mehr oder weniger getan werden sollte, zeigt die Zerrissenheit in Dresden. 34 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage fordern, es müsse "mehr" oder sogar "viel mehr" für Asylsuchende und Geflüchtete getan werden.

Das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Umfrage. Diese Personengruppe landet aber hinter Jugendliche, Arbeitslosen, Obdachlosen, Senioren, Familien, Menschen mit Behinderung und Kindern beim geforderten Unterstützungsbedarf auf dem letzten Platz.

Ganz vorne in diesem Vergleich landen Asylsuchende und Geflüchtete allerdings bei der Forderung der Dresdner, es solle "weniger" oder "viel weniger" für sie getan werden. Das sagen 30 Prozent, auch wenn dies sechs Prozentpunkte weniger sind als noch 2018.

"Innerhalb der Stadtteile gehen die Meinungen zu den Asylsuchenden und Geflüchteten stark auseinander", heißt es in der Auswertung der Umfrageergebnisse. Zwischen 65 und 50 Prozent der Bewohner der Äußeren und Inneren Neustadt, der Leipziger Vorstadt und Pieschen sagen, es müsse mehr für diese Personen getan werden.

Zwischen zehn und 19 Prozent fordern dort weniger Unterstützung. Im Bereich Prohlis und Reick ist es umgekehrt. 14 Prozent wollen mehr Unterstützung für Geflüchtete und 51 Prozent sagen, dass weniger getan werden sollte.

Ziehen Dresdner wegen der Rechten weg?

Neben dem Problem, in Dresden bezahlbare Wohnungen zu finden, scheint auch der Ruf als rechte Stadt, Leute zum Umzug zu bewegen. Das zeigt sich in den Ergebnissen der Umfrage ebenfalls.

Für diejenigen, die einen Umzug aus Dresden weg geplant haben, ist nach eigenen Angaben Rechtsextremismus und Pegida mit gut 40 Prozent der meist genannte Grund.

Für denjenigen, die innerhalb Dresdens umziehen, ist der Wohnungsmarkt das Hauptproblem. Allerdings ist auch für sie Rechtsextremismus und Pegida ein massives Problem und mit 35 Prozent auf Platz zwei - den gleichen Rang hat das Problem für die Dresdner, die nicht planen, umzuziehen.

Ist Dresden weltoffen?

Die Weltoffenheit der Stadt wird nach Ansicht der Dresdner nur von der Modernität unterboten. Gerade einmal 47 Prozent bewerten Dresden als weltoffen, modern finden es nur 46 Prozent der Antwortenden.

Damit hat sich das weltoffene Dresden zwar von 40 Prozent, das war der Tiefpunkt 2016, verbessert, ist aber immer noch das mit am schlechtesten bewertete Attribut für die Stadt. Das ergibt eine Durchschnittsnote von 2,6 für Dresden als weltoffene Stadt.

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Noch schlechter bewerten Dresdner, die keine Deutsche sind, dieses Thema. Sie geben dafür die Note 2,9. Während nur 15 Prozent der ausschließlich deutschen Staatsangehörigen meinen, dass Dresden nicht weltoffen ist, sind es 30 Prozent, bei denen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.

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