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Dresden: Wie hat der Handel noch eine Chance?

"Die Innenstädte werden durch Corona nicht sterben", sagt ein großes Immobilienunternehmen voraus. Aber sie werden anders aussehen.

Momentan sind die meisten Läden auf der Prager Straße geschlossen, schon im November waren wenige Passanten unterwegs.
Momentan sind die meisten Läden auf der Prager Straße geschlossen, schon im November waren wenige Passanten unterwegs. © Sven Ellger

Dresden. Bis auf wenige Ausnahmen müssen bis mindestens 10. Januar alle Geschäfte schließen. Dresdens Händler stöhnen, denn ihnen gehen damit auch noch das so wichtige Weihnachtsgeschäft und die damit verbundenen guten Tage zwischen den Jahren verloren.

Nach Beobachtungen des deutschen Immobilienunternehmens Aengevelt ist die Corona-Pandemie jedoch nicht der Auslöser der Einzelhandelskrise, sondern lediglich Trendverstärker, wie die Immobilienfachleute sagen.

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Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Der stationäre Einzelhandel sei schon vorher unter Druck geraten und werde sich auch nach dem Abflauen der Pandemie nicht mehr vollständig erholen, sagen die Aengevelt-Analysten voraus.

Als es noch kein Corona gab, sind nach Untersuchungen des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels deutschlandweit innerhalb von nur fünf Jahren 29.000 Einzelhandelsstandorte aufgegeben worden. Das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent.

Auch in Dresden gibt es eine hohe Fluktuation von Händlern in der Innenstadt, wie eine Analyse des Büros Dr. Lademann & Partner im Auftrag des Handelsverbandes ergab. Die sinkende Attraktivität der schrumpfenden City verstärke deutschlandweit den Kundenschwund weiter. Gründe für die Umsatzrückgänge dort gebe es viele: die alternde Bevölkerung, Shopping Center und Outlets auf der grünen Wiese, insbesondere aber der stetig wachsende Online-Handel.

Innenstadt wird zum Wohnen attraktiver

Es gebe jedoch nicht nur Risiken für die Innenstädte, so die Aengevelt-Analysten. Neue Lebensformen und -stile, aber auch neue Arbeitsformen hätten das Interesse an Urbanität bei den Menschen wieder gesteigert, nachdem vier Jahrzehnte lang eher die Stadtränder beliebter waren. Damit die Innenstädte zum Wohnen attraktiver werden, müssten sie sich verändern. Dazu legen die Immobilienprofis klare Konzepte vor.

Einige Kriterien daraus sind in Dresden bereits erfüllt, wie ein attraktives Angebot an hochwertigen Innenstadt-Wohnungen, um kaufkräftiges Klientel anzulocken. Auch die Ganzjahres-Außengastronomie gibt es hier bereits.

Sie wird nach Ansicht von Aengevelt Teile des schrumpfenden Einzelhandels ersetzen. Das Dresdner City-Management bündelt öffentliche und private Akteure.

Der Online-Handel könne an Ambiente, Haptik und Erlebnis nicht bieten, was ein Shopping-Trip in der Innenstadt kann. Multifunktionale Einrichtungen in der City, die an sieben Tagen pro Woche offen sind, seien deshalb wichtig.

Als Beispiel wird ein Sportgeschäft angeführt, in dem man auf einer künstlichen Welle surfen kann, oder eine Buchhandlung, die zugleich Café, Delikatessenhandel und Geschenkboutique ist.

Hohe Mietforderung kann Leerstände nach sich ziehen

Schlüssel zum Erfolg einer Innenstadt ist nach wie vor die Passantenfrequenz, sagt Volker Eichener, Stadtforscher an der Hochschule Düsseldorf. Die Kunden hole man sich auch durch gut gestaltete Innenstädte, die zum Flanieren einladen.

Besonders beliebt dafür sind Boulevards, Promenaden und Ufer, außerdem mögen Menschen Ungewöhnliches und Unerwartetes.

In einem Katalog gibt Aengevelt weitere Empfehlungen, mit denen Innenstädte den Strukturwandel erreichen können. So wird gerade jetzt für eine Mietzinspolitik mit Augenmaß plädiert, um wichtige Nutzungen nicht durch überhöhte Forderungen zu vertreiben und mittelfristig Leerstände zu produzieren. Auch eine weitgehend autofreie Innenstadt gehört zu den Empfehlungen.

Doch genau die und fehlende Parkplätze hatte der Sächsische Handelsverband (HVS) in seiner Studie kritisiert. Weder alle Kunden aus dem Umland noch Mitarbeiter des Handels und der Gastronomie könnten problemlos auf den Nahverkehr umsteigen.

Für Gäste aus Tschechien sei dies gar keine Option. Auch die geplante Erhöhung der Parkgebühren, die jetzt gerade verschoben wurde, wirke sich negativ auf den Innenstadthandel aus.

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Abschließend macht Eichener Mut: In Frankreich und Nordamerika sei die Verödung der Innenstädte schon viel weiter fortgeschritten als in Deutschland. Doch dort konnten die Citys wiederbelebt werden. "Die Innenstädte werden durch Corona nicht sterben, aber sie werden anders werden."

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