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Baufinale an Dresdner Carolabrücke

Ab Oktober ist der neue Fußweg freigegeben. Doch der Bau wird teurer als geplant.

Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner freut sich, dass der Bau des neuen Geh- und Radweges auf der Carolabrücke weit fortgeschritten ist. Auf der Neustädter Seite stehen schon die Geländer.
Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner freut sich, dass der Bau des neuen Geh- und Radweges auf der Carolabrücke weit fortgeschritten ist. Auf der Neustädter Seite stehen schon die Geländer. © René Meinig

Dresden. Auf der 400 Meter langen Carolabrücke bietet sich derzeit ein besonderes Bild. Seit November 2019 wird der elbaufwärts liegende Brückenzug saniert: Am neuen Geh- und Radweg sind jetzt alle Bauetappen zu besichtigen. Etwa ein Drittel davon ist auf der Neustädter Seite schon betoniert . Damit ist die Oberfläche fertiggestellt. Ein Stück weiter ist ein am Donnerstag betoniertes Stück noch von schützenden Planen abgedeckt. Es folgt ein Abschnitt mit Stahl- und darüber der neuartigen Carbonbewehrung. Und am Altstädter Ende fehlt sie noch.

„Für uns war es das Spannende, wie wir eine bessere Lösung für Radfahrer und Fußgänger hinbekommen“, sagt der scheidende Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Bei einem Vor-Ort-Termin erläuterte er mit Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner vom Straßenbauamt die Details des Großprojekts.

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Die Carolabrücke wird schrittweise saniert. Zuerst ist derzeit der elbaufwärts liegende Brückenzug an der Reihe.
Die Carolabrücke wird schrittweise saniert. Zuerst ist derzeit der elbaufwärts liegende Brückenzug an der Reihe. © René Meinig

Die Fortschritte: Neue Granitborde stehen schon

Die Stadt musste an der Carolabrücke schnell handeln. Schließlich gibt es an der 1971 fertiggestellten Spannbetonbrücke erhebliche Schäden. Dringt über weitere Winter Streusalz in die undichte Brückenkonstruktion ein, wird die Korrosion beschleunigt. Es besteht die Gefahr, dass Spannglieder als Haupttragelemente der Brücke angegriffen werden, was zum schlagartigen Versagen führen kann. Dann wäre die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet.

Die neuen Granitbordsteine sind schon komplett versetzt.
Die neuen Granitbordsteine sind schon komplett versetzt. © Foto: Rene Meinig

Deutliche Konturen angenommen hat der von 3,6 auf 4,25 Meter verbreiterte Fußweg. Möglich wird das, da erstmals beim Großbrückenbau leichterer Carbon- beziehungsweise Basaltbeton eingesetzt wird. Die neuen Granitbordsteine sind schon komplett versetzt. Die alten Steine konnten nicht wie zuvor geplant wieder eingebaut werden, erläutert Gruner. Um Höhenunterschiede auf der Brücke auszugleichen, mussten zusätzliche Schichten aufgebracht werden. „Aufgrund des neuen Höhenverlaufs waren die alten Bordsteine nicht mehr verwendbar“, sagt der Abteilungsleiter. Das sei ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Baukosten von fünf auf 5,5 Millionen Euro erhöht haben. 

Die Schwerstarbeit: Unterm Schutzanzug im Brückenkasten

Saniert werden musste der fast zwei Meter hohe Hohlkasten unter der Fahrbahn, durch den viele Leitungen verlaufen. Dort mussten die Bauleute im Schutzanzug mit Sandstrahlern teilweise den alten Beton über der Stahlbewehrung beseitigen. Die Stahlstäbe haben einen Rostschutzanstrich erhalten. Letztlich brachten die Bauleute eine neue Betonschicht auf, erläutert Gruner. Das sei ein äußerst harter Job in dem Kasten gewesen. 

In diesem Kasten unter der Brücke mussten die Sanierer arbeiten. Dort wurden beschädigte Betonflächen erneuert.
In diesem Kasten unter der Brücke mussten die Sanierer arbeiten. Dort wurden beschädigte Betonflächen erneuert. © René Meinig

Der Großversuch: Leichte Carbonstäbe werden getestet

Gemeinsam mit dem Institut für Massivbau der TU Dresden beschreitet die Stadt auf der Carolabrücke neue Wege. Über den eingehobenen Fertigteilen des Fußwegs ist zuerst eine Lage Stahlbewehrung eingebaut worden. Auf der Neustädter Seite haben die Brückenbauer von Hentschke Bau Basaltmatten verlegt. Die Basaltstäbe sind von einer geriffelten Epoxidharzhülle umschlossen, damit sie im Beton gut halten. Das leichtere und flexiblere Material ist umfassend getestet und zugelassen worden. Es rostet nicht, ist gegen Streusalze resistent und eröffnet neue Möglichkeiten. Zwar ist das Material teurer als Stahl. Doch es ist deutlich fester, sodass weniger Beton für die insgesamt nur zehn Zentimeter starke Platte benötigt wird. Auf der Altstädter Brückenhälfte werden Carbonmatten eingebaut.

Ein Blick ins Geflecht der Bewehrung. Unten sind die Stahlstäbe sichtbar, dann ein Basaltstab als Abstandshalter und darüber die Carbonmatte.
Ein Blick ins Geflecht der Bewehrung. Unten sind die Stahlstäbe sichtbar, dann ein Basaltstab als Abstandshalter und darüber die Carbonmatte. © René Meinig

Die Geländer: Engere Stababstände als zuvor

Auf der Neustädter Brückenseite sind bereits neue Geländer angebracht worden. Die haben den vorschriftsmäßigen Abstand zwischen den Geländersprossen von maximal zwölf Zentimetern. An den alten Geländern der Carolabrücke sind es 14,5 Zentimeter. Dort gilt jedoch noch Bestandsschutz. Bei der Sanierung bekommt die Carolabrücke schrittweise das Geländer mit der Höhe von 1,3 Metern und den vorgeschriebenen Stababständen.

Die Stäbe der neuen Geländer haben mit zwölf Zentimetern einen geringeren Abstand als die der alten Geländer.
Die Stäbe der neuen Geländer haben mit zwölf Zentimetern einen geringeren Abstand als die der alten Geländer. © René Meinig

Vor sechs Jahren hatte es eine heftige Debatte darüber gegeben. Damals überquerte eine Mutter mit einem Kinderwagen und zudem mit ihrer zweijährigen Tochter an der Hand die Brücke. Plötzlich war das Kleinkind zum Geländer gesprungen und hatte den Kopf und den halben Körper hindurch gesteckt. Doch die erschrockene Mutter konnte die Kleine zurückziehen.

Die folgenden Arbeiten: Straßenbau bis zum Frühjahr

„Im Oktober werden wir den neuen Weg freigeben, um dann den Rest der Brücke zu sanieren“, kündigt der Baubürgermeister an. Dann wird der Behelfsweg nicht mehr benötigt. Somit kann die Stahlbetonkappe am anderen Rand dieses Brückenzugs abgebrochen und erneuert werden. Erst danach soll die neue Fahrbahn gebaut werden, auf die zwei Asphaltschichten kommen. Die Sanierung dieses Brückenzuges soll bis zum Frühjahr 2021 dauern. Dann kann der Verkehr auf der Carolabrücke wieder auf zwei Spuren in jede Fahrtrichtung rollen. 

Ab Oktober werden die Radfahrer und Fußgänger den neuen Weg nutzen können. Dann kann die Behelfspiste abgebrochen werden.
Ab Oktober werden die Radfahrer und Fußgänger den neuen Weg nutzen können. Dann kann die Behelfspiste abgebrochen werden. © René Meinig

Die Perspektive: 2022 kommt mittlerer Brückenzug dran

Geplant ist, 2022 den mittleren Brückenzug zu sanieren. Die Stadt hofft dafür auf Fördermittel. Da die 2019 vom Freistaat nicht bestätigt wurden, muss die Stadt die jetzige Sanierung komplett selbst bezahlen. 

Ab 2022 soll der mittlere Brückenzug saniert werden.
Ab 2022 soll der mittlere Brückenzug saniert werden. © René Meinig

Noch unklar ist, wann der dritte, elbabwärts liegende Teil der Carolabrücke mit der Straßenbahntrasse saniert wird. Geprüft wird derzeit noch, ob man die Gleise verrücken kann, um einen Radweg zwischen den Brückenzügen anzulegen, erklärt der Baubürgermeister. Damit wäre es möglich, sichere Radweganschlüsse am Carola- und am Rathenauplatz herzustellen.

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