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Wirtschaft

Sunfire plant neues Werk - aber wo?

Wasserstoff als ein Baustein der Energiewende. Eine Dresdner Firma will dafür die Produktion hochfahren. Ob das aber in Sachsen passiert, ist unklar.

Eine Anlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe steht auf dem Werksgelände von Sunfire vor dem Gasometer in Dresden.
Eine Anlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe steht auf dem Werksgelände von Sunfire vor dem Gasometer in Dresden. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Die Dresdner Hightech-Firma Sunfire will mit zusätzlichen Investitionen im boomenden Wasserstoff-Markt vorn mitmischen. Geplant seien Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro, sagte Geschäftsführer Nils Aldag der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu kämen Fördergelder. Das Unternehmen will in den nächsten anderthalb Jahren zunächst ein neues Werk errichten und sogenannte Elektrolyseure für die Erzeugung von Wasserstoff bauen. Die Anlagen sollen im ersten Schritt eine Leistung von 500 Megawatt haben. Zudem will Sunfire die Zahl der Mitarbeiter bis 2023 auf mehr als 400 aufstocken - derzeit sind es rund 260 Beschäftigte.

Wo genau das neue Werk entsteht, ist laut Aldag noch nicht klar. "Die finale Standortentscheidung ist noch nicht gefallen." Ein solches Industriewerk könne aber nicht mitten in einem Stadtgebiet entstehen, betonte der Sunfire-Chef. Deswegen sollen am Dresdner Standort mit der Nähe zur Technischen Universität (TU) und zu Einrichtungen wie Fraunhofer eher Forschung und Entwicklung bleiben.

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Wasserstoff spielt in Sachsen bereits eine große Rolle, mit mehreren Projekten mischt der Freistaat bei der europäischen Wasserstoff-Allianz mit. So ist Sunfire Teil eines Verbundes namens "H2-SARA", mit dem Elektrolyseure-Anlagen sowie Produktionsanlagen für Brennstoffzellen entstehen sollen. Für das Vorhaben "LHyVe" soll in der Region Leipzig zudem eine gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über Speicherung und Transport bis hin zum Endverbrauch von "grünem Wasserstoff" umgesetzt und mit anderen europäischen Projekten vernetzt werden. Insgesamt werden laut Bundeswirtschaftsministerium 62 deutsche Wasserstoff-Projekte mit mehr als acht Milliarden Euro staatlich gefördert.

Ursprünglich war Sunfire mit der Idee gestartet, mit dem sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren Benzin, Diesel oder Kerosin synthetisch herzustellen. Für dieses Verfahren wird in einem ersten Schritt Wasserstoff erzeugt - und dann über Synthese weiterentwickelt. Durch Firmenübernahmen hat Sunfire schließlich selbst angefangen, das "Herzstück" für die Wasserstofferzeugung zu entwickeln und zu bauen. Im vergangenen Jahr habe das Thema Wasserstoff so an Dynamik gewonnen, dass man sich nun ganz darauf konzentriere, hieß es.

Sunfire will auf dem Markt mit anderen Herstellern von Elektrolyse-Anlagen konkurrieren - etwa Siemens, Linde/ITM und Thyssenkrupp. Beim Einsatz von Wasserstoff sieht Aldag vor allem die Stahlindustrie sowie den Luftfahrtsektor und die Schifffahrt im Fokus. Bisher hat Sunfire rund 70 Projekte in 24 verschiedenen Ländern umgesetzt, produziert aber noch nicht in größerem Stil.

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Das Problem bei dem Einsatz von Elektrolyseuren: Sie brauchen große Mengen an möglichst "grünem" Strom. Dafür gebe es in Deutschland noch nicht genügend Strom aus erneuerbaren Energien, so Aldag. "Wir müssen die Anlagen an Orte bringen, wo der grüne Strom günstig und verfügbar ist und in ein transportfähiges Produkt umwandeln." Der Sunfire-Chef nannte Länder wie Dänemark, Schweden oder Norwegen. Dort könnte dann etwa Eisenerz mit Hilfe von Wasserstoff in "saubere" Stahlpellets umgewandelt und für die Stahlindustrie zurück nach Deutschland geliefert werden. "Das lässt sich in zwei, bis drei Jahren realisieren", ist Aldag überzeugt. (dpa)

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