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Drewag und Enso schließen sich zusammen

Die Fusion der Energieversorger muss noch vom Dresdner Stadtrat und den Kommunen abgesegnet werden. Für die Verbraucher soll sie Vorteile bringen.

Visualisierung der neuen Hauptverwaltung der Sachsen Energie: Insgesamt 3.300 Mitarbeiter wird der Energiegigant beschäftigen - und so das größte kommunale Unternehmen in Ostdeutschland sein.
Visualisierung der neuen Hauptverwaltung der Sachsen Energie: Insgesamt 3.300 Mitarbeiter wird der Energiegigant beschäftigen - und so das größte kommunale Unternehmen in Ostdeutschland sein. © gmp Architekten

Dresden. An Superlativen wurde schon mal nicht gespart: Es sei ein "gravierender Schritt für die Region", sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Freitagmittag, der für ihn "wichtigste Pressetermin des Jahres". 

Und auch der Geschäftsführer von Enso und Drewag, Frank Brinkmann, sprach davon, dass die Fusion unter dem Namen Sachsen Energie der "größte Kommunalversorger Ostdeutschlands" werde. Brinkmann geht von einem jährlichen Umsatz in Höhe von 2,5 Milliarden Euro aus, den beide Unternehmen ab 2021 einbringen wollen.

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Tatsächlich arbeiten die Dresdner Stadtwerke und der Regionalversorger bereits seit Jahren Hand in Hand, auch die Leitung der Unternehmen ist identisch. Und doch versprechen sich alle Parteien Großes von der Zusammenlegung. 

Was wie ein interner Schritt klingt, ist auch für die Dresdner höchst relevant. Denn: Drewag und Enso sind mittlerweile quasi zu 100 Prozent in städtischer und kommunaler Hand. Die Bilanz der beiden Unternehmen hat massiven Einfluss auf die Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wir haben uns die Änderungen im Detail angesehen.

Was unterscheidet beide Unternehmen?

Bisher sind die Dresdner Stadtwerke Drewag unter anderem für die Versorgung der Menschen im Stadtgebiet mit Strom, Wärme und Wasser zuständig. Die Enso übernimmt diese Aufgabe für das restliche Ostsachsen - gleichzeitig kümmert sie sich auch um den Breitbandausbau. 

Allerdings sind die Verflechtungen, sowohl finanziell als auch im Bereich der Kompetenzen, durch die immer engere Zusammenarbeit in jüngster Vergangenheit noch stärker und zugleich komplexer geworden. "Ich bin fast schon ein Zwitterwesen, das sich immer bewusst machen muss, ob es gerade auf auf einem blauen oder grünen Stuhl sitzt", sagte Brinkmann. 

Warum glaubt man, die Fusion sei nötig?

"Wir sind an dem Schritt angekommen, dass der nächste sinnvolle Schritt die Fusion ist", sagte OB Hilbert. Bereits Anfang des Jahres hatte die Drewag die letzten zehn Prozent ihrer Anteile von einem Münchner Energiekonzern zurückgekauft, um mehr Unabhängigkeit zu erlangen. Die Fusion soll jetzt dabei helfen, auch auf dem umkämpften Energiemarkt zu bestehen.

"Wir sind umzingelt von einer Übermacht", sagte Frank Brinkmann bei der Vorstellung der Pläne und zeigte auf eine Deutschland-Karte. "RWE und Eon teilen sich den Markt auf." Brinkmann befürchtet, dass seinen Versorgern jährlich 37 Millionen Euro wegfallen, wenn sich Enso und Drewag nicht zusammenschließen. 

Das liege vor allem an der aktuellen Niedrigzinspolitik. Hintergrund ist ein Streit darum, wie viel Rendite der Staat Energieversorgern bei der Investition in den Netzausbau garantiert. Auch Hilbert sieht darin eine "massive Belastung für die Geschäftsmodelle". Des Weiteren glaubt Brinkmann, dass Digitalisierung und Energiewende in Ostsachsen nur durch eine Fusion von Drewag und Enso wirklich funktionieren. 

Was nützt die Fusion den Verbrauchern?

Drewag und Enso seien das "Zugpferd der Kommunalwirtschaft" in Dresden und Ostsachsen, sagt Brinkmann. "Und dieses Pferd braucht Futter." Präziser gesagt: Die Gewinne, die Drewag und Enso erwirtschaften, fließen in einen Querverbund, durch den etwa der öffentliche Nahverkehr in Dresden und auch die Bäder der Stadt finanziert werden. 

"In beide Bereiche investieren wir in den letzten Jahren wie nie zuvor", sagt Hilbert. Doch das müsse "hart erarbeitet" werden. Weil ÖPNV und teilweise marode Bäder in den kommenden Jahren noch deutlich mehr Zuschüsse brauchen werden und die Drewag Einbußen befürchtet, könnte es sein, dass schon ab 2024 Schluss ist mit dem bisherigen Ausgleich. 

Geschäftsführer Brinkmann: Treibt seit 2018 ein Zugpferd an, das "nicht ermüden darf".
Geschäftsführer Brinkmann: Treibt seit 2018 ein Zugpferd an, das "nicht ermüden darf". ©  Foto: Sven Ellger

Für die Verbraucher hieße das: "Das Zugpferd hätte nicht mehr die nötige Kraft", sagt Brinkmann. Die Folge: Der Ausbau von Tram-Strecken innerhalb Dresdens könnte zum Beispiel deutlich gebremst werden, weil nicht mehr genügend Geld da ist.

Doch mit der Fusion, das haben Brinkmann, Hilbert und weitere Beteiligte aus Verwaltung und den Versorgern seit Jahresbeginn in "langen Nächten" ausgetüftelt, soll das Unheil abgewendet werden.

"Letztlich geht es darum, dass wir mit der Zusammenlegung Steuern sparen", sagt Brinkmann. Die Gewinne der Enso würden mit in die Verlustrechnung der Technischen Werke Dresden als Tochtergesellschaft der Stadt einfließen. Die Folge: "Die steigenden Defizite bei den DVB und der Bäder GmbH müssten nicht aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden." 

Wie geht es jetzt weiter?

Brinkmann und Hilbert haben eine Vorlage zur Fusion erarbeitet, über die der Dresdner Stadtrat am 11. November in einer Sondersitzung abstimmen wird. Am 24. November müssen dann die Vertreter von insgesamt 144 Kommunen in Ostsachsen zustimmen, für den Entschluss braucht es eine Drei-Viertel-Mehrheit der Anwesenden. 

Die Kommunen halten, so der Plan, künftig mindestens 15 Prozent der Anteile an Sachsen Energie. Statt Dividendenzahlungen sollen sie, so hat es der Vorsitzende der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KBO), der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) herausverhandelt, in den ersten zehn Jahren eine jährliche Ausgleichszahlung von 11,29 Millionen Euro pro Jahr erhalten, danach 7,66 Millionen jährlich.

Es werde keine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Dresden geben, hatte Dresdens OB Hilbert im Vorfeld versprochen. Auch müsse niemand aus dem Umland plötzlich für die Dresdner Stadtentwicklung aufkommen. Es gehe nur um steuerliche Vorteile.

Am 18. Dezember ist die Hauptversammlung der Enso angesetzt. Hier soll der neue Bund geschlossen werden - der, so hoffen alle Beteiligten - ab dem neuen Jahr 2021 auch nachhaltige Wirkung zeigt. 

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