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Dresdner Putzi-Werk geht auf Mitarbeiter zu

Die Dental-Kosmetik stellt eine Lohnerhöhung in Aussicht. Die Gewerkschaft lässt aber durchblicken, dass ihr das nicht reicht. Wird weitergestreikt?

Dental-Kosmetik produziert die Kult-Kinder-Zahncreme "Putzi". Das Werk an der Dresdner Katharinenstraße wird seit Monaten immer wieder bestreikt.
Dental-Kosmetik produziert die Kult-Kinder-Zahncreme "Putzi". Das Werk an der Dresdner Katharinenstraße wird seit Monaten immer wieder bestreikt. © Ronald Bonß

Dresden. Das Sandmännchen fliegt auf einer gelben Zahnbürste in den Nachthimmel. Zum Abschied ruft es den Kindern zu: "Nimm Putzi. Die Kinderzahnpaste mit Fruchtgeschmack." Wer kann sich noch an diese Reklame erinnern, mit der der VEB Elbe-Chemie zu DDR-Zeiten für sein Vorzeigeprodukt warb? Nicht nur Putzi ist mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall in der Marktwirtschaft angekommen und muss sich gegen zig Konkurrenzprodukte behaupten. Der Nachfolge-Betrieb, die Dental-Kosmetik GmbH an der Katharinenstraße in Dresden, bekommt in regelmäßigen Abständen die Arbeitnehmerrechte zu spüren - vor allem das Recht zu streiken. Doch diesmal ist die Situation besonders verfahren.

Seit 2019 will keine Ruhe einkehren. Die Gewerkschaft IG Bau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert für einen Großteil der rund 120 Beschäftigten einen Haustarifvertrag und Lohnerhöhungen. Mit 1.800 Euro brutto würden die meisten Mitarbeiter derzeit nach Hause gehen. Das sei nicht annähernd angemessen. Das Unternehmen hat in den vergangenen zwei Jahren gezögert. Man verhandle mit einem Großkunden um einen Auftrag, der über die zukünftige Produktion entscheiden wird. Bis der Vertrag nicht unter Dach und Fach ist, könne man nicht verhandeln, so der Tenor. Das Ergebnis: Streiks ohne Ende. Zuletzt legten die Beschäftigten Anfang Mai die Arbeit nieder. Dazu kommen Anschuldigungen. Von einem unrechtmäßigen Streik hat Dental-Kosmetik zuletzt gesprochen, die Gewerkschaft warnte im Gegenzug vor einer Eskalation. Teil 1 der Geschichte.

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Produktion ist gesichert - Löhne werden erhöht

Das nächste Kapitel hat Dental-Kosmetik am Freitag aufgeschlagen. Ohne auf die geforderten Gespräche mit den Arbeitnehmer-Vertretern einzugehen, hat das Unternehmen von sich aus höhere Löhne beschlossen. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit habe man endlich den erhofften Verhandlungserfolg mit dem Großkunden erzielen können. Die Produktion sei gesichert - im gewohnten Umfang. Darüber hinaus sei im Corona-Krisenjahr 2020 ein stabiler Umsatz erzielt worden, wenngleich Rohstoffpreise gestiegen und Lieferketten unterbrochen waren.

Lobende Worte richtet eine Sprecherin an die Dental-Kosmetiker: „Vor allem unseren Mitarbeitern in der Produktion ist es zu verdanken, dass wir ein anspruchsvolles Corona-Jahr gemeinsam so gut gemeistert haben.“ Nun sei das Unternehmen in der Lage, ihre jährlichen Lohn- und Gehaltsanpassungen vorzunehmen. Je nach Lohngruppe sollen die Mitarbeiter bis zu 5,5 Prozent mehr Geld erhalten, heißt es. „Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und geben den Erfolg sehr gern an unsere Mitarbeiter weiter.“

Das kommt zwar der IG BCE-Forderung nach 105,50 Euro mehr Monatslohn entgegen. Den Gewerkschaftern ist das aber scheinbar nicht genug. Weder sei Dental-Kosmetik an den Verhandlungstisch zurückgekehrt noch sei etwas von einem Haustarifvertrag zu hören gewesen, twittern Gewerkschaft und Angehörige der Belegschaft am Samstag. "Der Kampf der Beschäftigten von Dental-Kosmetik Dresden für einen Tarifvertrag geht weiter", lässt man das Werk in der Neustadt wissen. Stehen die Zeichen also weiter auf Streik?

Reicht der Gewerkschaft die Lohnerhöhung aus?

Die Geschäftsführung lässt durchblicken, sie zweifle daran, dass es die eigenen Mitarbeiter seien, die Streik-Druck ausübten. "Mitarbeiterzufriedenheit auf historisch hohem Niveau" heißt es in der Pressemitteilung vom Freitag. Festgemacht wird die Zufriedenheit daran, wie lange die Mitarbeiter im Unternehmen verhaftet sind. Die Fluktuationsrate würde seit Jahren deutlich sinken, so eine Sprecherin. Unter drei Prozent liege sie. Und: Jeder zehnte Beschäftigte feiere dieses Jahr sein zehntes, zwanzigstes, fünfundzwanzigstes, dreißigstes, vierzigstes oder fünfundvierzigstes Jahr bei Dental-Kosmetik. Um rund drei Prozent würden die Löhne und Gehälter im Jahr steigen. Dazu gebe es 30 Tage Urlaub, ein 13. Monatsgehalt und Zuschüsse. Das Zwei-Schicht-System ohne Nachtschichten und Wochenendarbeit sei darüber hinaus ein familienfreundliches Modell.

Die Lohnerhöhung sehe man als ein versöhnliches, respektvolles Zeichen gegenüber der Gewerkschaft, sagt die Sprecherin abschließend. Ende: offen. Die IG BCE hatte lediglich die letzte Streikwelle für beendet erklärt.

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