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Mit dem Hobby Geld verdienen - wie geht das?

Mit der Leidenschaft die Haushaltskasse aufzubessern, klingt verlockend. Drei Frauen, die mit ihrem einstigen Hobby Geld verdienen, erklären, wie das klappen kann.

Im Hauptberuf Operationstechnische Assistentin, im Nebenerwerb Zeichnerin: Cindy Fuchs aus Dresden.
Im Hauptberuf Operationstechnische Assistentin, im Nebenerwerb Zeichnerin: Cindy Fuchs aus Dresden. © Thomas Kretschel

Dresden. Dass sie mit ihren Zeichnungen einmal Geld verdienen würde, damit hatte Cindy Fuchs nicht gerechnet, als sie eines ihrer Werke zum ersten Mal auf Instagram teilte. Die Dresdnerin arbeitet als Operationstechnische Assistentin und zeichnet in ihrer Freizeit. Das kommt gut an. 16.000 Menschen folgen Fuchs mittlerweile auf Instagram. Was als Hobby schon in der Kindheit begann, ist zu einem kleinen Gewerbe herangewachsen: „Mit der Zeit haben immer mehr Leute gefragt, ob man meine Zeichnungen als Print oder auf einem T-Shirt kaufen kann“, berichtet die 30-Jährige. Also eröffnete sie 2018 einen Online-Shop, über den sie sich bis heute ein schönes Taschengeld dazuverdient.

Mit ihrer Erfolgsgeschichte ist Cindy Fuchs nicht allein: Vanessa Mundle aus Leipzig wollte ursprünglich nur Flyer für einen Verein gestalten und entdeckte so ihre Leidenschaft fürs Zeichnen und Gestalten. Mittlerweile ist sie hauptberuflich als Illustratorin tätig. Und die alte Nähmaschine, die Sarah Wagner sich in ihrer Ausbildung angeschafft hat, steht nun in ihrem kleinen Laden in der Dresdner Neustadt. Mit dem Hobby Geld zu verdienen ist also möglich. Aber wie schafft man das konkret?

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Will überhaupt jemand meine Produkte kaufen?

Zuerst gilt es herauszufinden, ob für das selbst hergestellte Produkt überhaupt Interesse besteht. Dafür eignen sich am besten Plattformen, auf denen selbst gemachte Produkte angeboten werden können. Die größte derartige Plattform heißt Etsy. Man kann die eigenen Produkte dort hochladen und in seinem Shop anbieten. Beim Upload der Produkte wird eine Gebühr von jeweils um die 20 Cent fällig. Außerdem behält Etsy beim Verkauf der Artikel eine Provision. Online-Marketing-Berater Timon Pahlitzsch empfiehlt die Verkaufsplattform vor allem für Neulinge: „So werden Menschen auf die Produkte aufmerksam. Außerdem ist dort vieles schon geregelt, wie Retouren und die Zahlungsabwicklung zum Beispiel. Man muss sich quasi mit nichts auskennen, sondern wird schrittweise durchgeführt.“

Alternative Plattformen, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren, sind beispielsweise Palundu und productswithlove.de. Wer sich allerdings nicht von einer Plattform abhängig machen möchte, kann auch selbst einen Online-Shop eröffnen, so wie es Unternehmerin Sarah Wagner getan hat. Besonders leicht lassen sich solche Shops beispielsweise mit Shopify und Wix erstellen. Allerdings muss man die Kunden hier selbst akquirieren. Gerade zu Beginn ist ein bisschen Geduld gefragt. „Am Anfang habe ich vielleicht alle paar Monate mal was verkauft“, erinnert sich Illustratorin Vanessa Mundle. „Seit drei Jahren steigen die Verkäufe aber stetig.“

Wie mache ich Kunden auf meinen Online-Shop aufmerksam?

Laut Toni Großmann von der E&E Starthilfe ist es wichtig, die Suchmaschinen-Optimierung der Seite zu verstehen und für sich zu nutzen. Tipps und Tricks dazu findet man oft in Blog-Beiträgen freischaffender Künstler und beispielsweise auf Facebook und Youtube.

Sarah Wagner schneidert gern – inzwischen in ihrem eigenen kleinen Laden in der Dresdner Neustadt.
Sarah Wagner schneidert gern – inzwischen in ihrem eigenen kleinen Laden in der Dresdner Neustadt. © Ronald Bonß

Wenn es der Geldbeutel hergibt, kann man auch auf bezahlte Werbung setzen. „Man kann direkt auf Etsy Werbung schalten und mit einem relativ kleinen Budget die Zahl der Shop-Besucher erhöhen“, so Berater Timon Pahlitzsch.

Wichtig ist zudem, dass der Shop für die Kunden ansprechend gestaltet ist. „Schöne Produktfotos und -beschreibungen sind entscheidend. Ich würde eine übersichtliche Anzahl an Artikeln empfehlen. Mein Shop ist leider manchmal etwas zu voll. Man sollte da eigentlich regelmäßig aufräumen“, so Cindy Fuchs.

Wie wichtig ist eine Social-Media-Präsenz?

Gerade wer einen eigenen Online-Shop hat, kann über eigene Social-Media-Kanäle Kunden auf seine Internetseite locken. Wenn man beispielsweise regelmäßig auf Instagram Beiträge veröffentlicht, kann man sich so eine eigene Community aufbauen.

„Ich kenne einige Frauen, die in dem Bereich wirklich durchgestartet sind“, sagt Timon Pahlitzsch. „Die machen aber bestimmt zwanzig Storys am Tag und zeigen immer ihre neusten Produkte. Sie hohlen über die Plattformen auch direkt Kundenwünsche ein und interagieren mit ihrer Zielgruppe.“ Allerdings kann das auch ganz schön Druck aufbauen. „Wenn man nicht häufig auf Instagram und Facebook aktiv ist, brechen die Anfragen ein“, berichtet Sarah Wagner.

Vanessa Mundle bestätigt: „Man hat das Gefühl, bei allem dabei sein und wirklich jeden Tag was liefern zu müssen. Ich versuche, mir persönlich den Druck zu nehmen. Denn ich glaube, wenn man etwas Gutes produziert und dranbleibt, dann wächst man von ganz allein.“

Wie kann ich noch auf mich aufmerksam machen?

Neben dem Online-Shop kann man seine Waren natürlich auch analog anbieten. „Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Handmade-Märkte, auf denen ich verkauft habe. Dafür bin ich teilweise bis nach Leipzig gefahren“, sagt Sarah Wagner. Außerdem hat sich die Unternehmerin entschieden, mit ihrer Werkstatt vom Wohnzimmer in einen Laden in der Dresdner Neustadt zu ziehen.

„Hilfreich ist auch, Kooperationen mit anderen Leuten einzugehen – sowohl online, als auch offline. Wenn ich zum Beispiel Einladungskarten für Hochzeiten herstelle, bieten sich dafür alle an, die die gleiche Zielgruppe wie ich haben – beispielsweise Fotografen und Blumenläden, die Brautsträuße machen“, erklärt Pahlitzsch.

Außerdem kann man Freundinnen Produkte zur Verfügung stellen, wenn diese bereit sind, auf ihren Social-Media-Kanälen auf die Geschenke aufmerksam zu machen. „Wenn man beispielsweise die Hochzeits-Einladungen für eine Freundin herstellt und die das dann in ihrer Story erwähnt, kann das sehr hilfreich sein. Denn unter den Followern sind sicher viele Frauen im gleichen Alter, von denen einige sicher auch gerade eine Hochzeit planen.“

Wagner, Fuchs und Mundle empfehlen zudem, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. „So bekommt man noch mal einen anderen Blick auf potenzielle Probleme und wird auf den Boden zurückgeholt“, so Wagner.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Cindy Fuchs arbeitet in Vollzeit als Operationstechnische Assistentin. Trotzdem nimmt sie sich regelmäßig bewusst Zeit für ihre Kunst. „Ich mache ganz viel nach einem 24-Stunden-Dienst, weil ich da einen kompletten Tag frei habe. Im Dienst kommen mir manchmal super Ideen für Motive.

Eigentlich nutze ich jede freie Minute, vor allem, wenn ich das Wochenende frei habe und mein Mann auf Arbeit ist.“ Es ist jedoch auch wichtig, sich Grenzen zu setzen. „Ich sage immer, um 24 Uhr gehe ich auf jeden Fall ins Bett. Egal, was noch auf meiner To-do-Liste steht.“

Welche Preise kann ich für meine Produkte verlangen?

Wer einen Hauptberuf hat, muss sich vor allem anfangs nicht zu viele Gedanken um die Preise machen. Solange die Kosten gedeckt sind, geht man schließlich kein finanzielles Risiko ein.

Trotzdem würde Vanessa Mundel ihrem früheren Ich heute gerne den Tipp geben: „Ey! Verkauf dich nicht unter Wert! Mach vernünftige Preise.“ Soll das Hobby irgendwann zum Hauptberuf werden, sollte man grob auf einen Stundenlohn von 40 Euro kommen, so Starthilfe-Berater Großmann.

Ab wann muss ich meine Verkäufe den Behörden melden?

„Eine Anmeldung wird erst dann nötig, wenn man eine dauerhafte Gewinnerzielungsabsicht hat“, erklärt Toni Großmann. „Dann sollte man ein Kleingewerbe anmelden.“ Künstlerin Cindy Fuchs rät, diesen Schritt gut zu überlegen. „Man muss dann nämlich auch eine Steuererklärung machen, alles genau dokumentieren und jeden Kassenzettel aufheben. Man muss wirklich wissen, ob es einem das wert ist.“

Sollte ich meine Arbeitszeit im Hauptberuf reduzieren?

Sarah Wagner hat sich dafür entschieden, in Teilzeit zu arbeiten. Für sie ist das die ideale Lösung. „Das Angestelltenverhältnis gibt mir finanzielle Sicherheit, und durch meinen Laden kann ich mich ausleben und habe meinen Freiraum.“ Aufpassen muss man aber, dass man mit dem Nebenerwerb nicht plötzlich mehr Geld verdient als mit dem Hauptberuf. „Dann müsste man nämlich seine Sozialversicherungen selbst zahlen, und das wird ganz schön teuer“, so Starthilfe-Berater Großmann.

Und was, wenn ich mein Hobby gerne zum Hauptberuf machen will?

Vanessa Mundle hat mit den Jahren gemerkt, dass sie ihre Nebentätigkeit als Illustratorin gerne zu ihrem Hauptberuf machen würde. Als sie durch die Corona-Pandemie ihr Studium abbrechen musste, wagte sie den Schritt und arbeitet nun in Vollzeit als Illustratorin.

Wer ähnliche Ziele hat, sollte laut Toni Großmann dennoch so lange wie möglich in Vollzeit weiterarbeiten und dann direkt voll in die Selbstständigkeit starten. „Denn, wer es schafft, vom Arbeitgeber gekündigt zu werden, der erhält erst mal das volle Arbeitslosengeld sowie eventuell einen Gründerzuschuss.“

Wer Arbeitslosengeld bezieht, darf in seiner Nebentätigkeit weiterhin so viel verdienen wie vor der Arbeitslosigkeit. „Aber wenn ich meinen Sachbearbeiter dann davon überzeuge, dass er mir Gründerzuschuss genehmigt, dann bekomme ich ein halbes Jahr lang das Arbeitslosengeld und noch 300 Euro Gründerzuschuss obendrauf und darf so viel dazuverdienen, wie ich will“, so Großmann.

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